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Weißer Ring hilft rund 90-mal pro Jahr im Altenburger Land

Tag der Kriminalitätsopfer Weißer Ring hilft rund 90-mal pro Jahr im Altenburger Land

Es ist ein tragisches Zeugnis, das Elke Hörügel ausstellt. „Die Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren aggressiver geworden. Obwohl viel Aufklärung betrieben wird, um Übergriffe zu vermeiden, sind die Hemmschwellen spürbar gesunken“, sagt die Schmöllnerin. Die Erfahrungen ihrer täglichen Arbeit für den Weißen Ring bringen sie zu dieser Einschätzung.

Die Anzahl der Fälle von häuslicher Gewalt hat im vergangenen Jahr zugenommen.

Quelle: dpa

Altenburg. Es ist ein tragisches Zeugnis, das Elke Hörügel ausstellt. „Die Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren aggressiver geworden. Obwohl viel Aufklärung betrieben wird, um Übergriffe zu vermeiden, sind die Hemmschwellen spürbar gesunken“, sagt die Schmöllnerin. Die Erfahrungen ihrer täglichen Arbeit für den Weißen Ring bringen sie zu dieser Einschätzung. „Das beginnt schon beim Mobbing an Schulen. Und setzt sich in vielen anderen Gewalttaten fort.“ Thüringenweit sei zum Beispiel die Zahl der schweren Körperverletzungen von 2015 zu 2016 um rund 20 Prozent gestiegen. In ähnlicher Größenordnung die häusliche Gewalt. Wobei nur die angezeigten Fälle in der Statistik auftauchen.

Elke Hörügel hat gut zu tun bei der Opferhilfeorganisation. Sie leitet beim Weißen Ring die Außenstelle Altenburger Land. Kein Büro, keine festen Sprechzeiten, stattdessen eine zuverlässig erreichbare Telefonnummer und zwölf Mitarbeiter, die sich zu unterschiedlichen Tages- und auch Nachtzeiten um Menschen kümmern, die aus der Bahn geworfen wurden. Allein im Vorjahr in 86 Fällen. Ganz oben auf der Liste stehen häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch. Taten, die in der Regel in der Familie, von Vertrauten verübt werden. Die Scham, die Verunsicherung bei den Betroffenen ist groß, weil plötzlich zur Bedrohung wird, was eigentlich Halt geben sollte. Auch Opfer von Einbrüchen oder Überfällen bitten um Hilfe. Oder Menschen, die von Stalkern verfolgt und belauert werden.

Auf deren Leid aufmerksam zu machen, darum geht es insbesondere an diesem Mittwoch. Heute ist der Tag der Kriminalitätsopfer – eingeführt vor 26 Jahren vom Weißen Ring. Am Schmöllner Beethovenplatz wird aus diesem Anlass am Vormittag eine rotblühende Kastanie gepflanzt. „Die Stadtverwaltung stellt den Baum dankenswerterweise zur Verfügung“, sagt Elke Hörügel. „Er soll ein symbolischer Hoffnungsträger für all jene sein, die das Vertrauen in ihre Mitmenschen verloren haben.“

Vertrauen aufbauen und seelische Entlastung schaffen, das wollen die zwölf Mitarbeiter des Weißen Ringes im Altenburger Land. Allesamt Ehrenamtler, zum Teil im Ruhestand, teils noch mitten im Berufsleben. Zwei ehemalige Polizisten sind dabei, der Rest Frauen. „Sie unterstützen speziell Opfer, die finanziell oder mental nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen“, erklärt Hörügel. Typische Hilfsangebote sind Beratungsgutscheine für Rechtsanwalt oder Psychologen – die Finanzhilfen stemmt der Verein über Spenden. Auch die Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwalt oder Gericht gehört bei Bedarf dazu. In manchen Fällen lohnt zudem der Kontakt zur Familienberatungsstelle in der Altenburger Dostojewskistraße.

In der Regel kommen die Opfer durch Empfehlung oder Vermittlung zum Weißen Ring. „Mal erhalten wir einen Anruf aus der Altenburger Frauenschutzwohnung oder von der Polizei, manchmal auch von Sozialarbeitern der Diakonie oder der Innova.“ Das Wichtigste, sagt Elke Hörügel, sei dann das Zuhören. Das sei oft auch für die Mitarbeiter eine Belastungsprobe. „Sie müssen psychisch stabil sein. Und sie werden intensiv darauf vorbereitet.“ Wer sich beim Weißen Ring engagieren möchte, erhält einen Tag Einführung, dann zwei Tage Grundseminar und begleitet schließlich noch ein halbes Jahr lang einen erfahrenen Mitarbeiter, bevor der erste Fall in Eigenverantwortung ansteht.

„Trotz dieser Anforderungen ist der Weiße Ring im Altenburger Land zuletzt personell wieder gewachsen“, freut sich die Außenstellenleiterin über neue Gesichter. Nur so seien die vielen Anfragen zu bewältigen. Mit regelmäßig 80, 90 Fällen pro Jahr liege der Landkreis landesweit an der Spitze – und eine Opferbegleitung währt im Schnitt ein halbes bis ein Dreivierteljahr. Auch im noch jungen Jahr 2017 gibt es bereits die ersten zwölf Hilfegesuche. Und mit K.o.-Tropfen in Discotheken hält auch ein vermeintliches Großstadtphänomen im Altenburger Land Einzug.

Von Kay Würker

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