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Weißrussische Kinder erneut auf Heimfahrt schikaniert

Wut und Enttäuschung Weißrussische Kinder erneut auf Heimfahrt schikaniert

Die Ferienfahrt der weißrussischen Kinder, die in den vergangenen Tagen im Altenburger Land zu Gast waren, hat erneut ein trauriges Ende genommen. Wie in den Jahren zuvor wurden den teils schwer kranken Jungen und Mädchen an der Grenze zahlreiche Geschenke und Mitbringsel abgenommen. Trotzdem lassen sich die Initiatoren des Besuchs davon nicht unterkriegen.

Da war die Welt noch in Ordnung: Die weißrussischen Kinder beim Bowlen im Meuselwitzer „ZIII“.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg/Meuselwitz. Die Bestürzung und Wut ist Gabriele Kirmse selbst am Telefon deutlich anzumerken. „Das ist eine richtige Schikane gewesen, nichts anderes“, berichtet die Rentnerin mit bebender Stimme. Der Auslöser für ihren Zorn ist tatsächlich kaum zu glauben: Er bezieht sich auf das, was den 20 weißrussischen Kindern, die in den vergangenen Wochen im Altenburger Land weilten (die OVZ berichtete), auf ihrer Heimreise geschehen ist.

Über zwanzig Stunden seien die kleinen, zum Teil schwer kranken Gäste bereits unterwegs gewesen, um per Bus über Polen ihre Heimat anzusteuern. Am Grenzübergang bei Brest sei das Fahrzeug, wie viele andere auch, dann von den dortigen Beamten gestoppt worden – und zwar über zehn Stunden lang. „Die Grenzer forderten für einen zügigen Übergang ohne große Kontrolle knapp 1200 Euro von der Gruppe“, so hätten es die mitgereisten Betreuer an Kirmse berichtet. Diese habe man verständlicherweise nicht zahlen wollen. Die Reaktion der Beamten: „Sie haben den gesamten Bus durchsucht, einfach eingesteckt, was sie haben wollten.“

Nahezu nichts sei dabei vor dem Zugriff sicher gewesen. „Es wurden mitgeführte Lebensmittel konfisziert, Geschenke, die die Kinder im Altenburger Land bekommen hatten, Schulmaterialien, sogar eine Wäscherolle, die ich extra für eine dortige Schule angeschafft hatte“, zählt Kirmse fassungslos auf. Es könnten ja auch illegale Drogen im Gepäck sein, hätte die Begründung der Beamten für das rabiate Vorgehen gelautet. Was angesichts dieses skurrilen Verdachts besonders schmerzt: Fast alles war zuvor über hiesige Spender organisiert worden, die mit ihrem Beitrag nichts weiter als eine gute Tat vollbringen wollten.

Entsprechend schwerwiegend sind nun auch die Vorwürfe, die Gabriele Kirmse an die weißrussische Botschaft erhebt – denn es sei nicht das erste Mal, dass so etwas passiert sei. „Auch im vergangenen Jahr wurden schon zig Mitbringsel, etwa Schokolade, konfisziert. Damals sollten für den zügigen Grenzübertritt noch 200 Euro fällig werden.“ Auch andere Initiativen aus Deutschland, die sich ebenfalls für Kinder aus Weißrussland engagieren, berichteten laut Kirmse von ähnlichen Situationen. Eine befriedigende Reaktion von Seiten der Botschaft habe sie trotz Anfragen bisher nie erhalten. Stattdessen seien die weißrussischen Behörden nach ihrer letzten Eingabe gegen die Betreuer im eigenen Land vorgegangen. Kirmse berichtet von Drohungen gegen örtliche Lehrkräfte und anderen Schikanen, die ihr zugetragen wurden.

Ihre Hoffnung sei nach wie vor, dass sich auch höhere Stellen mit dem Problem befassen. Die Korruption an der Grenze müsse endlich ein Ende finden. Allerdings, so zeigt sie sich ehrlich ernüchtert: „Ich weiß auch nicht, an wen ich mich noch wenden könnte, damit sich hier endlich etwas ändert.“

Dennoch: Aufgeben ist für die engagierte Seniorin, die die Besuche bereits seit 18 Jahren organisiert, keine Option. „Wir werden selbstverständlich auch nächstes Jahr wieder Kinder zu uns einladen, um ihnen ein paar schöne Tage zu bereiten. Wir hoffen nur, dass ihnen ihre Ferien dann nicht wieder an der Grenze vermiest werden.“

Von Bastian Fischer

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