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Schöne Ferien in Altenburg enden mit Schock an der Grenze

Schreckliche Erlebnisse auf der Rückfahrt Schöne Ferien in Altenburg enden mit Schock an der Grenze

Nach ihren schönen Erlebnissen in Altenburg gerieten die Kinder aus der Gegend um Tschernobyl bei ihrer Rückreise an der Grenze zu Weißrussland in ein Martyrium. Ihnen wurden bei 34 Gad im Bus die Getränke abgekommen, die Dolmetscherin musste ihr Geld abgeben, das für die Behandlung kranker Verwandter gespendet wurde.

Da war die Welt noch in Ordnung: Eine Bootsfahrt auf dem Großen Teich gehörte zu den Erlebnissen der weißrussischen Kinder in Altenburg.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Minsk.  Leuchtende Augen hatten die 20 Kinder aus Weißrussland, die im Juni 14 Tage Urlaub im Altenburger Land machten, hier Kräfte sammelten und ihr Immunsystem stärkten. Denn die jungen Gäste kommen aus der Gegend um Tschernobyl, das wegen der Reaktor-Katastrophe 1986 traurige Berühmtheit erlange. Über die gute Luft, die Sauberkeit und die tollen Erlebnisse in Altenburg gerieten die elf Jungen und neun Mädchen richtig ins Schwärmen.

Doch die Freude endete in einem wahren Martyrium – und zwar auf der Rückreise am 30. Juni. An der Grenze zu Weißrussland wurden der Bus auseinander-, alle Getränke, Lebensmittel und Hygiene-Artikel den Kindern weggenommen. Das schildert Natascha Karpowitsch, die die Reisegruppe als Dolmetscherin begleitete. Außerdem verlangten die Grenzer viel Geld, um die Weiterreise zu erlauben. Es war jenes Geld, das die Betreuer und Förderer gesammelt hatten. Unter anderem sollte Natascha Karpowitsch damit die Operation für ihre Mutti und schwerkranke Schwester bezahlen. Stattdessen gab sie das gespendete Geld den Beamten, um die Situation zu entspannen.

Viel schlimmer aber war, dass die Kinder nun keine Getränke mehr hatten, obwohl sie auf der 1600 Kilometer langen Rückreise noch zehn Stunden unterwegs waren, bei 34 Grad im Bus, der keine Klimaanlage hat.

„Trotz Vorlage der Ausweise der kranken Tschernobyl-Kinder hatten die Beamten kein Herz für die Kinder“, ärgert sich auch Gabriele Kirmse, die die Erholungsaufenthalte seit 17 Jahren organisiert. „Ich war nach der Nachricht völlig am Boden zerstört, hier werden Menschenrechte verletzt“, sagte sie der OVZ. Eine normale Grenzkontrolle könne sie noch verstehen, aber den Kinder in der Hitze die Getränke wegzunehmen, sei einfach fürchterlich und unmenschlich. Von Natascha Karpowitsch weiß Gabriele Kirmse, dass einige der Kinder deshalb auf der Busreise gesundheitliche Probleme bekamen. Und das, obwohl etliche von ihnen durch die Folgen der Verstrahlung bereits krank seien, viele von ihnen seien Halb- oder Vollwaisen.

Kirmse hat die Vorkommnisse Michaele Sojka (Linke) in einem Brief geschildert. Die Landrätin zeigte sich schockiert. „Es ist unfassbar“, sagte sie der OVZ. Das Schlimme daran sei auch, dass man eigentlich hilflos ist.

Auch Gabriele Kirmse weiß nicht, wie man dagegen vorgehen könnte. Sie kennt Beispiele, wo die weißrussischen Betreuer bei solchen Beschwerden ihre Arbeit zu Hause verloren haben. Sie nimmt an, dass die Grenzbeamten durch die Einführung der neuen weißrussischen Währung eben genau an jenem am 30. Juni frustriert waren, weil ihre Löhne dadurch um die Hälfte abgewertet wurden.

Das Geld, dass der Übersetzerin Natascha Karpowitsch an der Grenze dreist abgenommen wurde, wollen ihr Gabriele Kirmse und ihre Mann nun wiedergeben, damit die Behandlung von Mutter und Schwester fortgesetzt werden kann. Dafür wollen beide auf ihren geplanten einwöchigen Urlaub verzichten. „Lieber helfen wir“, sagte Gabriele Kirmse.

Von Jens Rosenkranz

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