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Altenburg Weiterer Bewerber auf Chefdirigenten-Position
Region Altenburg Weiterer Bewerber auf Chefdirigenten-Position
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11:38 30.12.2011
Jan Michael Horstmann freut sich auf die neuen Herausforderungen. Quelle: privat

Umso wichtiger ist, dass das Ritual nicht allein vom Rituellen lebt, sondern sich auch mit frischem, musikalischem, ausdrucksvollem paart. Die besten Voraussetzungen dafür bringt Jan Michael Horstmann mit - schon viermal hat er in unterschiedlichem, aber festlichem Rahmen das Opus dirigiert, zweimal in Magdeburg - als geschäftsführender erster Kapellmeister und später noch einmal als Gast - und zweimal als Generalmusikdirektor in Freiberg-Döbeln.

Mit Lust und Neugier kommt der Kandidat für die Position des Generalmusikdirektors zum Jahreswechsel nach Gera und Altenburg, und freut sich, durch die Werkvorgabe Bekanntschaft mit anderen Bereichen des Hauses zu machen - mit dem von Ueli Häsler einstudierten Philharmonischen Chor und Opernchor sowie den Solisten Kim Sheehan, Chrysanthi Spitadi, Bernardo Kim und Teruhiko Komori. Und auf das Werk freue er sich sowieso, meint der charmante Plauderer.

Ohnehin sieht er sich in mindestens ebenso starkem Maße wie als Konzertdirigent als Theatermann. Übers Theater ist er zur Musik und zum Dirigieren gekommen. Seine Kindheit verbrachte der heute 43-Jährige im Theater. Als Sohn eines Schauspielers und einer Tänzerin, die nach dem Ende ihrer Tanzkarriere als Kostümassistentin arbeitete, wuchs er zwangsläufig "auf, unter und hinter der Bühne" auf. Und das in ganz verschiedenen Theatern im deutschsprachigen Raum. Als seine Heimat - hier hat er zumindest die längste Zeit seines bisherigen Lebens verbracht - betrachtet er Wuppertal. Hier fing er auch relativ früh während seiner Schulzeit an, als Statist auf der Bühne zu stehen und konnte auf den Bühnenmonitoren die Dirigenten beobachten und wusste: "So Musik in Körperlichkeit umsetzen - das will ich machen."

Insofern arbeitete er stringent darauf zu. Die Aufnahmeprüfung zum Dirigierstudium in Hamburg bestand er auf Anhieb. In der Hansestadt begegnete er auch Kay Kuntze zum ersten Mal. Lachend meint er, es gebe einige Programmhefte, in denen die Namen beider damaliger Studenten zu finden sind. In Freiberg kreuzten sich ihre Wege dann zum zweiten Mal.

Noch während des Studiums bot man Jan Michael Horstmann eine Korrepetitorenstelle in Wuppertal an. Theaterarbeit, wie er sie sich erträumte und immer hatte er das Glück, auf freundschaftlich kollegiale Lehrmeister zu stoßen. Genau wie auch später in Magdeburg. Und schließlich bot sich die Chance, 2004 als Chefdirigent nach Freiberg-Döbeln zu gehen. Eine angenehme und wichtige Erfahrung - und trotzdem weiß Horstmann, dass sowohl das Orchester als auch er nach neun schönen und aufregenden Jahren neue und andere Impulse brauchen.

Jan Michael Horstmann ist kein "Reisedirigent" und will das auch nicht sein. Als einzige regelmäßige Verpflichtung jenseits seiner Arbeit in Mitteldeutschland hat er die musikalische Leitung von Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater inne. In dieser Funktion gastierte er in jüngerer Zeit unter anderem in London und Barcelona. Überhaupt ist ihm Ballett sehr wichtig. Aber auch in Schauspielproduktionen hat er sich als Musiker eingebracht. Neue Musik und historische Aufführungspraxis, dafür interessiert er sich ebenfalls. Und Letzteres, verspricht Horstmann, werde man auch im Konzert zum Jahreswechsel spüren.

Und auch eines seiner vielfältigen Hobbys hat mit Musik zu tun und wird von seinem Publikum in Döbeln und Freiberg über die Maßen geschätzt. Horstmann singt Chansons, zu denen er sich selbst begleitet. Entstanden sei das durch einen Zufall - er musste für den ausverkauften Liederabend seiner hochschwangeren damaligen Lebensgefährtin einspringen. Ein Riesenerfolg. Inzwischen interpretierte er Jacques Brel auch schon mit dem eigenen Orchester. Und auch ein weiteres Hobby verbindet der Musiker gern mit dem Beruf - die Literatur. Seine Leseleidenschaft lässt ihn regionale Themenkonzerte zusammenstellen, in denen Wort auf Klang trifft. Ansonsten gehört Kochen und Backen zu den Leidenschaften des Musikers.

Neugierig und offen macht er sich nun auf die Reise nach Gera und Altenburg.

Tatjana Böhme-Mehner

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