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Wenig populär und dennoch begeistert aufgenommen

Wenig populär und dennoch begeistert aufgenommen

Standing Ovations am Ende eines Konzertes deuten stets daraufhin, dass das Publikum mit den Interpreten und dem Programm mehr als zufrieden war. So wieder einmal geschehen im jüngsten Konzert des Altenburger Motettenchores am Sonntag in der Brüderkirche.

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Georg Wendt (r.) mit einem Teil des Motettenchores.

Quelle: Jens Paul Taubert

Dabei war das Programm weit entfernt von dem, was man mit den Worten eingängig, melodisch oder gar populär beschreibt.

 

Ganz im Gegenteil, denn das Konzert galt dem Ewigkeitssonntag, an dem das Meditieren über den Sinn und das Ende unseres irdischen Lebens und das, was danach kommt, im Vordergrund steht. Dass es trotzdem eine im Stehen demonstrierte Begeisterung für den Motettenchor gab, ist vor allem seiner überzeugenden Leistung geschuldet. Denn die vier ausgewählten Kompositionen waren keine leichte Kost, weder für den Chor noch für das Publikum.

 

Bereits die eingangs erklungene Motette "Aqua Vitae - Wasser des Lebens" von Enjott Schneider führte in eine besondere, sehr eindrucksvolle, nicht einfach zu bewältigende und zu verstehende Klangwelt, bei der dem Chor die Orgel und diverses Schlagwerk gegenüberstand. Enjott Schneider, bekannt geworden vor allem durch seine Filmmusik zu "Schlafes Bruder", liebt schwebende, aber auch sehr extreme Klänge wie Heulen und Zischen, die sich mit widerspenstigen Intervallsprüngen abwechseln. Der Motettenchor unter der Leitung von Georg Wendt zeigte sich stets auf der Höhe der Anforderungen.

 

Etwas blass wirkte hingegen nach dieser exzessiven Musik die Motette "Ich wollt, dass ich daheime wär" von Hugo Distler. Wendt führte hier seine Sänger mit ruhigen, fast introvertiert wirkenden Dirigierbewegungen. Vielleicht hätte eine etwas bessere Textgestaltung und -verständlichkeit dem Werk mehr Aussagekraft verliehen. Über vier Jahrhunderte vor Distler schuf Leonhard Lechner seine "Deutschen Sprüche von Leben und Tod", ebenfalls eine sehr anspruchsvolle A-cappella-Motette, bei der sowohl die beiden Sopranstimmen als auch die Tenorstimmen den Gesamtklang des Chores maßgeblich prägten.

 

Zentrales und zugleich abschließendes Werk des Konzertes war die Requiem-Vertonung des US-Amerikaners Morten Lauridsen, eine Komposition voller impressionistischer, ja romantisch wirkender Klanglichkeit. Fast könnte man geneigt sein zu sagen, so schön kann ein Requiem klingen, obwohl es sich ja um eine Totenmesse und das Nachdenken über die letzten Dinge handelt. Mit einem sublimen, traurig und tröstlich wirkenden Gesang faszinierte der Altenburger Motettenchor. Die strahlenden Soprane ließen das ewige Licht in all seinen Farben leuchten und das wundervolle Paradies erahnen.

 

Hinzu gesellte sich die konzertierende Orgel, die den Chor unterstützte, mit ihm wetteiferte oder bei den leisesten Passagen die klangliche Stütze gab. Der Organist Florian Zschucke, dessen Name leider im Programmheft nicht genannt wurde, beherrschte souverän seinen Part und überzeugte außerdem mit einer solistischen Orgelkomposition von Andreas Petersen unter dem Titel "media vita in morte sumus". Das war ein in Sekundschritten monoton daherschreitender Trauermarsch, der mit einem jähen, sich aufbäumenden Finale ein plötzliches und unverhofftes Ende fand.

 

Eigentlich passte der Schlussapplaus überhaupt nicht zu der zutiefst meditativen Stimmung dieses Konzertes. Aber da hätte zu Recht der mehr als verdiente Beifall für den Altenburger Motettenchor mit seinem Leiter Georg Wendt und dem Organisten Florian Zschucke gefehlt. Und das wäre dann doch sehr schade gewesen.

Felix Friedrich

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