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Altenburg Weniger Gäste, mehr Wünsche
Region Altenburg Weniger Gäste, mehr Wünsche
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20:33 04.05.2014

Hinter der Statistik verstecken sich andere Probleme: Die schlechte interne Kommunikation und die schwierige Zusammenarbeit zwischen den Partnern bremsen die Entwicklung des Tourismus.

Entweder sieht man das Glas halb voll oder halb leer. Halb voll ist es für Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). "Altenburg muss sich nicht verstecken", sagt er über seine Tourismus-Statistik. Halb voll ist das Glas auch für die Altenburger Tourismus-Information (ATI). Geschäftsführerin Christine Büring ist sogar erleichtert. "Ich bin froh, dass es nur fünf Prozent Rückgang im Altenburger Land sind und nicht mehr." Das schlechte Wetter mit dem langen Winter und der Flut sind für beide der erste Grund, warum die 2013er Zahlen negativ ausfielen.

Die zweite Erklärung ist die sehr starke Zunahme des Tagestourismus. Laut Thüringer Tourismus-Statistik gab es zwischen Mai 2012 und April 2013 64,7 Millionen Tagesreisen nach und innerhalb von Thüringen. Zwei Drittel dieser Touristen reisten in Städte mit weniger als 100 000 Einwohnern sowie ländliche Regionen. "Altenburg punktet im Städtetourismus. Menschen kommen, um Sehenswürdigkeiten zu erleben. Sie verbringen den ganzen Tag in der Stadt und dann fahren sie wieder weg", sagt Michael Wolf.

Dabei ist die Erfassung der Tagestouristen nicht leicht, ein Indiz ist die Anzahl von Stadtführungen, die die ATI anbietet. "Wir hatten 2013 rund 17 000 Teilnehmer. Das ist schon gewaltig", erklärt Christine Büring. Mit der S-Bahn-Eröffnung sollten noch mehr Tagestouristen kommen.

Im Hotel Altenburger Hof hat Geschäftsführer Dietrich Wieland 2013 mehr Umsatz mit weniger Gästen gemacht. Die Besucher haben mehr getrunken und gegessen. Für ihn ist das Wetter nicht der Hauptgrund der negativen Übernachtungszahlen. "Christine Büring macht ihr Ding, ohne Ab- und Rücksprache mit den Hoteliers. Egal was die anderen denken, wollen und machen", erklärt er. "Dieses Jahr haben wir uns noch kein einziges Mal getroffen. Die intern mangelhafte Kommunikation ist der Hauptgrund, warum es in Altenburg schlecht funktioniert." Der geplante monatliche Tourismus-Stammtisch sei ein Flop gewesen. "Viele Hotels nahmen nicht teil, weil es persönliche Differenzen mit der Chefin der Tourismus-Information gibt. Von den zwölf Treffen, die geplant waren, haben nur vier stattgefunden."

Auch Sylvia Mielisch, die Geschäftsführerin des Hotels Am Roßplan, war nicht dabei. "Ich habe nicht teilgenommen, weil ich wenig Zeit hatte", begründet sie. Mit der ATI arbeite sie aber sehr gut zusammen, und mit ihrer Auslastungsquote 2013 ist sie auch zufrieden.

Eine Zusammenarbeit mit mehr gegenseitigem Vertrauen ist für Michael Wolf die einzige Lösung des Problems. "Wir können als Stadt sicher moderieren, aber nicht ATI und Hoteliers an den Händen nehmen, damit sie miteinander kooperieren", sagt der OB.

Damit mehr Touristen in Altenburg übernachten, wünscht sich Christine Büring "ein anderes Angebot" in der Innenstadt, das auch für das Publikum des Lindenau-Museums und des Theaters passt. Das fordern auch der OB und Tino Scharschmidt, sein Referatsleiter Wirtschaftsförderung.

"Wir brauchen alle Hotel-Kategorien in Altenburg, von einem bis zu fünf Sternen", nennt Scharschmidt einen weiteren Punkt. Ein Fünf-Sterne-Hotel gibt es in Altenburg aber nicht. "Es muss gar nicht ein riesiges Hotel sein, sondern es müsste ein gewisses Ambiente haben", fügt der OB hinzu. "Warum haben wir so viele historische leere Gebäude und versuchen nicht, etwas daraus zu machen?", fragt sich auch Christine Büring, die sich wiederum mehr politischen Druck in diese Richtung wünscht. "Die Sache mit den Hotels schreibe ich dem OB seit Jahren, aber wir haben weder das Geld noch den Kopf, um zu investieren", sagt sie.

"Wir können Rahmenbedingungen liefern, aber nicht Druck erzeugen, dass jemand privat investiert", hält Michael Wolf entgegen. Die Stadt sei schon sehr engagiert im Tourismus-Bereich und gebe "jährlich rund 100 000 Euro in Richtung Tourismus-Information." Er wünscht sich eine stärkere Kooperation mit Partnern außerhalb Thüringens. "Wir müssen im mittel- deutschen Raum, mit Sachsen-Anhalt und den sächsischen Nachbarregionen, sehr viel stärker zusammenarbeiten."

© Kommentar

Adeline Bruzat

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