Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Werke von Irene Suhr erstmals im Lindenau-Museum
Region Altenburg Werke von Irene Suhr erstmals im Lindenau-Museum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:35 15.04.2018
Die Weite der Natur, auf Leinwand gebannt: Im hohen Norden Europas ließ sich Irene Suhr zu ihren Kunstwerken inspirieren. Quelle: Foto: Mario Jahn
Anzeige
Altenburg

Wer kennt sie nicht, die Versuchung, die schönsten Momente im Leben, die faszinierendsten Stimmungen der Natur auf immer und ewig festhalten zu wollen? Doch vergebens jegliches Bemühen: Ein „Verweile doch!“ bleibt ein Traum.

Endspurt im Triathlon

Von solcherlei Werden und Vergehen, von Aufblühen und Verrinnen erzählt auch die jüngste Sonderschau des Lindenau-Museums, die unter dem Titel „Im Land Kalevas“ Arbeiten von Irene Suhr zeigt. Am vergangenen Donnerstagabend wurde sie unter beträchtlichem Besucherzuspruch eröffnet.

Die Zielgerade des Altenburger Frühlingstriathlons im Haus an der Gabelentzstraße ist erreicht. Drei, teils aufwendig große Expositionen hat das kleine Team des Lindenau-Museums in erstaunlich kurzer Zeit von nicht einmal vier Wochen bis zur „Premiere“ geführt: Auf die „Berliner Blätter“ aus der Sammlung Volker Sachse und einen neuerlichen Altenbourg-Dialog, diesmal offeriert im Spannungsfeld zu Exponaten von Rolf Szymanski, folgt in Komplettierung der aktuellen Trias ein Kennenlernen von Auszügen aus dem reichen Oeuvre der Künstlerin Irene Suhr.

Tänzerin, Heilpraktikerin, Hobbygärtnerin

Zustande gekommen ist die Präsentation in Zusammenarbeit mit Theater & Philharmonie Thüringen, auf Anregung von Generalintendant und Operndirektor Kay Kuntze. Dieser bringt Ende Mai im Landestheater eine Neuinszenierung von Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ heraus – und seine Bühnenbildnerin bei dieser Produktion ist Irene Suhr, die kreativ allerdings keineswegs nur auf dem Gebiet der Theaterszenografie tätig ist. Was also lag näher, als die seit Jahren gepflegte Zusammenarbeit zwischen dem Musentempel am Theaterplatz und dem Lindenau-Museum aufzufrischen und fortzuführen?

Die 1965 in Berlin geborene und bis heute dort lebende Suhr erweist sich als vielseitiges Multitalent. Von ihrer Bühnenbildnerei, die sich oft auch mit der Schaffung der kompletten Kostümausstattung verbindet, war schon die Rede. Zwischen Lübeck und der Dresdner Staatsoper, Essen und Brandenburg an der Havel vertrauten Theater bislang ihrer Kunstfertigkeit. Doch wie Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums, bei der Vorstellung der Multi-Begabten ausführt, ist sie auch als „Tänzerin, Heilpraktikerin und Hobbygärtnerin“ aktiv – und als Malerin und Schöpferin von Installationen, wie sie die derzeitige Sonderschau ins Zentrum rückt. Womit sich Altenburg erstmals einreiht in Ausstellungsorte von Berlin bis New York, von Zürich bis Tel Aviv, an denen Suhr ihre Spuren hinterließ.

Nationalepos als Titelgeber

„Im Land Kalevas“ überschrieb Ausstellungskurator Benjamin Rux, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, gemeinsam mit der Künstlerin die Präsentation – anspielend auf das Nationalepos der Finnen, „Kalevala“. Hinter diesem Oberbegriff verbirgt sich ein von Elias Lönnrot im 19. Jahrhundert auf der Grundlage von mündlich überlieferter finnischer Mythologie zusammengestelltes Epos. Es zählt zu den wichtigsten literarischen Werken in Landessprache. Das Kalevala trug maßgeblich zur Entwicklung des finnischen Nationalbewusstseins bei und hat auch über das Land hinaus Wirkung entfaltet. Die erste Fassung erschien 1835. Der Titel ist abgeleitet von Kaleva, dem Namen des Urvaters des besungenen Helden, und bedeutet so viel wie „das Land Kalevas“.

Wind und Blaubeeren

In jenes Land im Norden Europas zog es 2011 auch Irene Suhr, die sich in abgeschiedener Einöde der reichen Naturvielfalt hingab und sich auf eine spielerische Entdeckungstour im Umgang mit dieser einließ. Höchst originell beispielsweise ihre „Windprotokolle“, die entstanden, als sie Filzstifte an Bäumen befestigte, die wiederum die den Luftzügen geschuldeten Bewegungen der Äste auf darunter befindlichen Zeichenblättern festhielten, woraus unterschiedlichste Linien und Strukturen resultierten.

Auch Blaubeeren fand sie nicht nur reichlich zum Verzehr – sie setzte sie ebenso als künstlerisches Mittel ein, wovon eine ganze Serie in der Exposition kündet, gleich neben einer Folge von Flachwasserdrucken, entstanden im Experimentieren mit Seerosenblättern.

Die Natur bleibt Grundthema

Die sich stetig wandelnde Natur, die bei der Künstlerin konsequent im Mittelpunkt steht, ist auch zentrales Thema auf großformatigen Gemälden und Collagen, die besagtem Finnland-Raum als Einstimmung vorangestellt sind. Ein Teil der Arbeiten zeigt schattenhafte Pflanzen, die wie hinter einem Vorhang oder Nebelschleier verborgen scheinen. Sie wirken wie Erinnerungen an eine lang zurückliegend erlebte, geliebte Landschaft, die sich nun im Geiste lediglich als vage Reminiszenz erhalten hat.

Oftmals überlagert von Rost, der bei Irene Suhr eine hervorstechende Rolle spielt: als Zeichen des Vergehens von Leben, das ebenso in ihren Herbarien-ähnlichen Installationen in der Raummitte dominiert. Als wirkungsvoll theatralisch hingegen, dem Grundthema Natur aber treu bleibend, erweisen sich die philosophischen Auseinandersetzungen der Künstlerin mit dem Mythos in Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“. Hier tritt die Natur des Menschen in den Mittelpunkt, vernetzt mit Naturmaterialien, Buchstabenserien und numerischen Codes.

All das wird nun im Lindenau-Museum regelrecht inszeniert, dem Spagat von bildender Künstlerin und Bühnenbildnerin entsprechend: „Wir bespielen die Wände“, sagt Benjamin Rux – und auch die Räume werden als Bühne begriffen, als Szene präsentiert.

Von Frank Engelmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Energie- und Wasserversorgung Altenburg sponsort 26 Projekte aus Altenburg und Region – vom Fußballturnier über ein Sommerhaus bis hin zu Aktionen zur Museumsnacht.

15.04.2018

Der Gemeinderat Lödla stimmte jetzt für die Beauftragung von Firmen für den zweiten Bauabschnitt in Rödigen. Das Gremium musste eine Teuerung von rund 54 000 Euro hinnehmen. Darüber hinaus passierte der Plan, den Friedhof der Kommune herzurichten, den Gemeinderat, und Bürgermeister Torsten Weiß informiert über neue Einsatzkleidung für die Kameraden der Feuerwehr.

11.04.2018

Ungewöhnliche, aber unübersehbare Aktion: Mit dem Projekt „Begrüßungsgeld“ sollen die Menschen zum Nachdenken angeregt werden. In einem großen Container werden Fotos von DDR-Flüchtlingen und syrischen Kriegsflüchtlingen gegenüber gestellt – und offenbaren teils deutliche Parallelen.

14.04.2018
Anzeige