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Altenburg Wespenspinnen sind zurück in Altenburg
Region Altenburg Wespenspinnen sind zurück in Altenburg
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18:00 29.09.2017
OVZ-Leser Peter Wunderlich hat diese rund zwei Zentimeter große Wespenspinne am Großen Teich in Altenburg entdeckt und fotografiert.
Altenburg

Auch unter Tieren gibt es Einwanderer und Rückkehrer. Während Neozoen wie der Waschbär Probleme bereiten, weil sie nicht in die heimische Natur gehören, fallen Wiederkehrer kaum auf. Es sei denn, sie haben eine so eindrucksvolle optische Erscheinung wie die Wespenspinne, die OVZ-Leser Peter Wunderlich am Großen Teich fotografierte. Sie sticht mit ihrer gelb-schwarzen Färbung förmlich ins Auge. „Die Tiere sind typische Mimikry, sie gaukeln etwas vor, was sie nicht sind“, erläutert Mike Jessat, Chef des Thüringer Naturschutzbundes. So getarnt, halten Vögeln die harmlosen Spinnen für wehrhafte Wespen.

Auf dem Speiseplan der Wespenspinne selbst stehen Heuschrecken ganz oben. Deshalb bevorzugen sie als Lebensraum hohes Gras. „Zum Beispiel auf unseren Flächen, wo die Büffel nicht alles abgefressen haben, kommen die Wespenspinnen recht häufig vor.“ Das weiß Jessat, weil die Spinnen nicht nur eine auffällige Zeichnung tragen, sondern auch ihre Netze unverwechselbar sind. „Wespenspinnen weben ihre Räder gern zwischen etwas entfernt stehenden Grashalmen. Kennzeichnend für deren Netze ist ein deutlich erkennbares Zickzackband“, so Jessat.

Anfang der 90er-Jahre tauchten die Wespenspinnen vermehrt in der Region auf, was die Naturforscher des Mauritianums dokumentierten. „Davor waren sie vor allem im Mittelmeerraum zu finden und nur an ganz wenigen Stellen in Deutschland. Inzwischen sind Wespenspinnen aber in ganz Europa verbreitet.“ Ähnlich wie Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals war die Zebraspinne, wie sie auch genannt wird, ebenfalls weit verbreitet. Doch im Laufe des 19. Jahrhunderts zog sich die Spinne wie andere Tierarten in den Süden zurück. „Ein weiteres Beispiel dafür ist der Trauer-Rosenkäfer, vom dem wir ein vor über 100 Jahren hier gefundenes Exemplar im Mauritianum in der Sammlung haben“, berichtet Jessat. Viele Jahrzehnte gab es hierzulande dann keine Sichtungen mehr – bis vor etwa fünf Jahren. Seitdem sind die Trauer-Rosenkäfer im Altenburger Land wieder heimisch.

Ob die Rückkehr von Spinnen und Insekten auf eine Klimaerwärmung zurückzuführen ist, sei nicht bewiesen, werde aber vermutet, so Jessat. Der Nachweis ist schwer. Auch weil Verschwinden und Rückkehr nur bei wenigen Arten, nämlich den optisch auffälligen Exemplaren, wie der Wespenspinne, beobachtet wurde. Letztgenannte gehört übrigens zu den Aeronauten: Sie lassen sich vom Wind am langen Spinnenfaden hängend über weite Strecken tragen.

Von Jörg Reuter

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