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Wie Phönix aus der Asche: 81 Jahre nach der Bücherverbrennung erscheint der "Schlump" wieder

Wie Phönix aus der Asche: 81 Jahre nach der Bücherverbrennung erscheint der "Schlump" wieder

Sie ist tragisch, aber auch wunderschön, vor allem aber ist die Geschichte des Buches "Schlump" des Altenburgers Hans Herbert Grimm eines: bewegend.

Altenburg.

Vor 81 Jahren wurde das Werk von den Nationalsozialisten verbrannt, nur wenige Exemplare blieben erhalten. Deshalb geriet der Roman über den Ersten Weltkrieg nahezu in Vergessenheit - bis jetzt. Heute erscheint er in einer neuen Auflage - wie Phönix aus der Asche.

 

"Es ist eine unglaubliche Geschichte", sagt Christa Grimm strahlend. Noch immer kann sie es kaum fassen, dass das Buch ihres Schwiegervaters ab heute wieder im Buchhandel liegt. "Es ist, glaube ich, das letzte Buch dieses ersten großen Aktes der Bücherverbrennung, das nun wieder zugänglich und identifizierbar ist", schätzt die promovierte Germanistin die Bedeutung ein.

 

Dass der "Schlump" wieder gekauft werden kann, ist vor allem einer glücklichen Begegnung zu verdanken. 2008 griff Christa Grimm zu Volker Weidermanns "Buch der verbrannten Bücher", in dem die Lebensgeschichten der 131 Autoren der ersten Schwarzen Liste erzählt werden. Nur eine nicht: die von Hans Herbert Grimm. Denn, wer den "Schlump" geschrieben hat, blieb für Weidermann zunächst ein Rätsel. Doch Christa Grimm klärte den Journalisten in einem Brief auf. Bis sich die beiden zum ersten Mal begegnen würden, sollte aber noch einige Zeit ins Land gehen. Doch als es so weit war, zeigte sich Weidermann sofort fasziniert von der Geschichte, die im kollektiven Gedächtnis fast verschwunden war (OVZ berichtete).

 

Denn was seinerzeit vermutlich Hans Herbert Grimms Leben rettete, führte in späteren Jahren dazu, dass seine Autorenschaft nur noch wenigen bekannt war: Der 1896 geborene Grimm schrieb die "Geschichten und Abenteuer aus dem Leben des unbekannten Musketiers Emil Schulz, genannt 'Schlump'" unter eben jenem Pseudonym. Als 1928 der Roman, in dem Grimm auch eigene Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg verarbeitet, im Kurt-Wolff-Verlag erschien, fürchtete der Lehrer für Deutsch, Spanisch und Französisch nämlich um seine Anstellung. Die Autorenschaft sollte geheim bleiben, auch wenn der "Schlump" kein großer Erfolg wurde. Remarques "Im Westen nichts Neues" beherrschte den Markt. Im März 1929 schrieb Grimm einem Freund, dass gerade einmal 5500 Exemplare verkauft worden sind. Bedeutend war es dennoch: 1933 gehörte das Werk zu jenen, die die Nationalsozialisten öffentlich verbrannten. Grimm mauerte sein Buch in seinem Haus in Altenburg ein. Aus Angst vor Verfolgung trat er in die NSDAP ein, 1941 musste er wieder in den Krieg ziehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekannte er sich als Autor. Als Lehrer durfte er aber nicht wieder tätig sein. Eineinhalb Jahre war er Dramaturg am Theater, dann änderte sich die Kulturpolitik und er musste in einer Sandgrube arbeiten. Veröffentlicht hat er danach keine seiner Geschichten mehr. Auch der "Schlump" wurde nicht wieder verlegt - weder vor seinem Tod 1950 noch in den 60 Jahren danach.

 

Deshalb schwingt in dieser Geschichte auch ein bisschen Wehmut mit. Natürlich hätte sich Christa Grimm gewünscht, dass das Buch bereits früher wieder erschienen wäre, sodass ihr Mann Frank und seine Mutter Elisabeth es hätten miterleben können. Und dass noch viele andere dieses Buch lesen. Sie selbst erinnert sich gut an ihren ersten Kontakt mit dem "Schlump". 1961 war das; Christa Grimm wusste nicht, wer der Autor ist, als die Familie ihres späteren Mannes ihr eine Anthologie zum Thema Krieg gab. Als sie nach dem Lesen darüber sprachen, erwähnte Christa Grimm zuerst den "Schlump". "Der Auszug hatte eine ganz starke Wirkung auf mich", sagt sie heute.

 

Das Besondere ist für die Germanistin, wie das Buch geschrieben ist. "Es entspricht einer bestimmten Mentalität und einer bestimmten Form von Lebensmut", beschreibt sie. Und es stehe in der Tradition des europäischen Volksbuchs und sei somit für ein breites Publikum geeignet. Doch auch wenn das Werk für sie ausgezeichnet geschrieben ist, dass es noch einmal eine Chance hat, konnte sie sich nicht mehr vorstellen. Zwar hat es in Altenburg bereits Lesungen gegeben; eine Ausstellung im Karolinum, der ehemaligen Schule Grimms, zeigte die unterschiedlichen Ausgaben; Frank Grimm stellte die Geschichte seines Vaters im Geschichts- und Hauskalender vor. Doch das breite Echo in der Öffentlichkeit blieb aus. "Vielleicht war es einfach noch nicht die Zeit", sagt Christa Grimm heute mit einem Lächeln. "Von den Briefen und Manuskripten konnte ich mich nie trennen, aber wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben."

 

Umso erstaunter war sie, als sich nach einem Artikel von Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gleich eine Vielzahl von Verlagen meldete. Neben großen auch kleine Ein-Mann-Betriebe, die das Buch unbedingt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wollten. "Die Besorgnis, dass ein Text nach so vielen Jahren überholt wäre, war ganz schnell ausgeräumt, als die Verlage das Buch lasen." Letztendlich fiel die Entscheidung von Christa Grimm und ihrer Tochter Ute auf Kiepenheuer & Witsch, weil er sich "insgesamt der Wiederaufnahme von Buchgeschichte widmet", wie Christa Grimm sagt. Und eben auch, weil hier Remarques "Im Westen nichts Neues" erschienen ist - ein Buch, das Hans Herbert Grimm einerseits bewunderte, dessen Erfolg er aber auch beneidete. "Ich würde mir wünschen, dass es auch viele Altenburger lesen. Denn mein Schwiegervater war mit der Stadt sehr verbunden", sagt Christa Grimm. "Aber wir warten erst einmal ab. Es ist schon so unglaublich, dass das Buch nun wieder erscheint."

Jenifer Hochhaus

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Von Redakteur Jennifer Hochhaus

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