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Wiedersehen mit Buddy-Holly-Darsteller Rainer Koschorz

Gastspiel der Leipziger Pfeffermühle Wiedersehen mit Buddy-Holly-Darsteller Rainer Koschorz

Wenn man einen unliebsamen Mitbürger gerne loswerden möchte, wünscht man sich diesen dorthin, „wo der Pfeffer wächst.“ Will man einem angenehmen Menschen etwas Gutes tun, sollte man ihn dahin schicken, wo der Pfeffer gemahlen wird, zum Beispiel in die Leipziger Pfeffermühle. Dort wird er kabarettistisch rundum gut versorgt, wie am Freitagabend im Altenburger Logenhaus ein zahlreiches Publikum, das keinen Stuhl mehr freiließ. Fazit: In Altenburg gibt es viele angenehme Menschen (das wird leider zu selten gesagt) und seit langem ein leidenschaftliches Kabarettpublikum, das jeder derartigen Veranstaltung zum Erfolg verhilft.

Elisabeth Sonntag, Dieter Richter und Rainer Koschorz (v.l.) bei ihrem Gastspiel im Altenburger Logenhaus.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wenn man einen unliebsamen Mitbürger gerne loswerden möchte, wünscht man sich diesen dorthin, „wo der Pfeffer wächst.“ Will man einem angenehmen Menschen etwas Gutes tun, sollte man ihn dahin schicken, wo der Pfeffer gemahlen wird, zum Beispiel in die Leipziger Pfeffermühle. Dort wird er kabarettistisch rundum gut versorgt, wie am Freitagabend im Altenburger Logenhaus ein zahlreiches Publikum, das keinen Stuhl mehr freiließ. Fazit: In Altenburg gibt es viele angenehme Menschen (das wird leider zu selten gesagt) und seit langem ein leidenschaftliches Kabarettpublikum, das jeder derartigen Veranstaltung zum Erfolg verhilft.

Das Programm begann nach goethescher Manier mit einem Vorspiel im Himmel: Die göttliche Zentrale schickte drei Engel hierher aus dem reduzierten Bestand der himmlischen Heerscharen, nachdem Gottes neues und noch sehr junges Weib ihn aufgefordert hatte, wieder mal was Produktives zu tun und die Welt zu erschaffen, damit sie shoppen gehen und der himmlischen Langeweile entfliehen könne.

Nach dem Schöpfungsakt wurde deutlich, dass da manches in der Welt im Argen liegt, besonders im Bereich D wie Deutschland, das sie vor dem Absturz retten sollten. Die drei Engel hatten viel zu tun, um die Mechanismen des allmächtigen und alles bestimmenden Finanzsektors deutlich zu machen und mit Korruption und anderen Misslichkeiten aufzuräumen. Vor allem ersteres war nicht ganz einfach. Der Text brachte zwar eine genaue wissenschaftliche Analyse des Wesens des Finanzsystems und der Rolle der agierenden Banker, war aber von der Sache her zu theoretisch, um daraus für das Publikum nachvollziehbares kabarettistisches Geschehen zu entwickeln.

Will sagen, das Programm lief etwas zäh an, denn „beim Denken ans Vermögen, leidet oft das Denkvermögen“, was aber überhaupt nicht an den drei Akteuren auf der Bühne lag. Elisabeth Sonntag, Dieter Richter und Rainer Koschorz sind Vollblutkabarettisten, die jedes Kabarettprogramm zu dem machen, was das Publikum erwartet.

Dabei wurden die Probleme, die die Menschen in der sogenannten Eurozone betreffen, klar benannt: die Kriege, die von Afghanistan bis Syrien geführt werden, die Rolle der Salafisten, private und gesetzliche Krankenkassen im Gesundheitswesen, Verfassungsschutz und braune Vergangenheit. Dabei demonstrierten die Akteure eine erstaunliche satirische Bandbreite: A-cappella-Gesang mit dem alten Landser-Lied im neuen Text „Lili Marleen“ für die Soldaten, die Deutschlands Freiheit am Hindukusch und in Syrien verteidigen, eine Hitler-Parodie durch die großartige Elisabeth Sonntag, was ja durch ideologische Freigabe seit einiger Zeit wieder möglich ist, und eine genau so außergewöhnliche Darstellung einer renitenten Politesse mit sächsischem Charme bei der täglichen Suche nach Verkehrssündern.

Viele der Anwesenden freuten sich über das Wiedersehen mit Rainer Koschorz, der am Altenburger Landestheater viele Jahre erst als Ensemblemitglied, später als Gast in seiner Paraderolle „Buddy Holly“ für Furore sorgte. Koschorz hat es geschafft, als Musical-Star und Schauspieler ohne Probleme ins Kabarettfach zu wechseln, was nur wenigen gelingt. „Ich bin sehr froh darüber“, sagte er in einem anschließenden Gespräch. „Ich bin jetzt fünf Jahre ganz dabei, mache Kabarett mit viel Freude und habe diese auch, weil ich wieder mal in Altenburg bin, zumal in so einem schönen Saal, den ich noch nicht kannte.“

Die gesamte Veranstaltung war eingebettet in eine weitläufige gastronomische Versorgung in mehreren Räumen, die jeglichen Stau und langes Warten auf Bedienung vermied. Dies trug zum kulturvollen Ambiente bei, was das Publikum zufrieden quittierte.

Von Manfred Hainich

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