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Wiener Glanz im Landestheater

Wiener Glanz im Landestheater

Es ist, als hätte jemand ein Schleusentor geöffnet im Landestheater Altenburg mit diesem Neujahrskonzert. Frenetisch ist der Beifall, den die Besucher im vollen Theatersaal für diese Produktion spenden.

Altenburg.

Und lang anhaltend. Denn lange genug hatte das hiesige Publikum auf diese "Wiener Melange" aus der Feder des Kapellmeisters Thomas Wicklein warten müssen.

 

 

 

Nun serviert der sie zu Neujahr mit Opernchor, Philharmonischem Orchester und großem Solistenensemble. Und natürlich aufgepeppt mit ein paar Pointen zum Jahreswechsel. Äußerst liebenswürdig in jedem Falle.

 

Weil man beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ohnehin nicht singt, ist es gelungen, die beliebtesten Helden der Wiener Operette in die Altenburger Außenstelle zu holen: die Pompadour und Paganini, den berühmten Grafen Zedlau und den beliebten Vogelhändler und wie sie alle heißen mögen. Soweit der Plot. Dass sich ein Operettendirigent von Wickleins Schrot und Korn nicht entgehen lässt, den Damen und Herren die eine oder andere Interviewfrage zu stellen, ist klar.

 

Das ist der nette Rahmen eines ebenso netten Abends. Wicklein, den sein Publikum ohnehin als sympathisch geistvollen Moderator schätzt, hat auch das Textbuch zu dieser Konzertrevue geschrieben und lässt die Nummern mit einer pfiffigen Dramaturgie ineinanderfließen. Operettenhits von Johann Strauß (Sohn), Carl Zeller, Carl Millöcker, Franz Lehár, Nico Dostal und Leo Fall werden szenisch verknüpft.

 

Liebevoll haben Thomas Wicklein, der nicht nur am Pult für den nötigen Schmiss sorgt, sondern auch das Buch für diese Revuefolge schrieb, Heike Kley, die für szenische Einrichtung und Choreografie zeichnet, und Ausstatterin Hilke Förster - ganz im Sinne des ursprünglichen Konzertmottos - eine Welt auf die Bühne des Landestheaters gezaubert, die das Publikum einfach lieben muss. Die heile Welt der guten alten Operette mit ihren delikaten, aber lösbaren Problemen, die immer mit musikalischem Witz und Anspruch präsentiert werden. Katie Bolding, Katerina Friedland, Chrysanthi Spitadi, Johannes Beck, Bernardo Kim, Erik Slik, Alexander Voigt und Kai Wefer begeistern je in Auszügen aus Fachpartien und lassen mehrheitlich keine Wünsche offen, was Stimme und Interpretation betrifft. Gewiss haben die vergangenen Festtage mit Oper, Beethoven und Operette ihre Spuren bei Chor und Solisten hinterlassen, was Glanz und Strahlkraft betrifft, doch schmälert das Spiel- und Musizierfreude kaum.

 

Und auch der von Ueli Häsler und Holger Krause einstudierte Opernchor und das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera scheinen in ihrem Element. Flott und stimmig finden sie zu jener Leichtigkeit, die doch eigentlich ach so schwer zu erreichen ist, obwohl es Bühnensituation und Raumakustik keinem leicht machen. Das rechtfertigt das eine oder andere Klappern und kleine Unsicherheiten.

 

Dennoch bleibt das ein Abend, wie ihn sich das Publikum offenbar seit Langem gewünscht hat: Ein bisschen Wiener Ballsaalatmosphäre, ein bisschen derber Witz und ein wenig zuckersüße Sinnlichkeit. Alles, was die gute alte Operette braucht, um zu wirken. Dabei hat Wicklein jedem der beteiligten Sänger wunderschöne Möglichkeiten eingeräumt, sich zu präsentieren und auszuprobieren. Für viele ist auf diese Weise das neue Jahr gut losgegangen.

 

iNächste Gelegenheit, die Operettengala zu erleben, besteht am 21. Februar um 18 Uhr im Landestheater Altenburg. Hier zieht sogar der Theater-Joker: Jede Karte kostet nur 13 Euro. Die Theaterkassen sind allerdings bis einschließlich 20. Januar geschlossen. Karten gibt es in der OVZ-Geschäftsstelle am Kornmarkt 1 (Tel. 03447 574942) und im Internet unter www.tpthueringen.de.

Tatjana Böhme-Mehner

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