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Wilchwitzer Teiche: Fischer schlägt Schneise in den Schilfgürtel

Naturfreund irritiert Wilchwitzer Teiche: Fischer schlägt Schneise in den Schilfgürtel

Naturfreund Norbert Höser traute seinen Augen nicht, als er sah, dass am Oberen Münsaer Teich ein Teil des Schilfgürtels beseitigt wurde. Er fürchtet nun um die geschützten Arten, die hier einen Rückzugsraum gefunden haben. Der Fachdienst Natur- und Umweltschutz im Landratsamt verweist indes auf die Genehmigung für die Arbeiten.

Der Fischereibetrieb ließ eine Schneise ins Schilf schlagen, damit die Wilchwitzer Teiche besser mit Wasser versorgt werden.

Quelle: Mario Jahn

Nobitz. Dem Ornithologen und promovierten Biologen Norbert Höser hat wohl das Herz gestockt, als er neulich am Oberen Münsaer Teich im Wilchwitzer Teichgebiet eine frische Schneise im Schilf entdeckte. Umgehend schlug er Alarm und schickte eine Mail an die Untere Naturschutzbehörde. „Die Fläche existiert seit mehr als 55 Jahren als Schilfröhricht, das weit über dem Niveau der Sohle des Teichs stockt und stets von der fischwirtschaftlichen Praxis ausgenommen war“, so Höser. Röhricht sei Lebensraum mehrerer besonders und streng geschützter Tierarten, etwa von Zwergdommel, Wasserralle, Teichralle, Laubfrosch und Ringelnatter, erklärt er weiter und fordert einen sofortigen Stopp des Schilfeinschlags. Der Fischereibetrieb würde auch Ufergehölze beseitigen, wo im vorigen Jahr die gefährdete Beutemeise gebrütet habe, kritisiert der Naturfreund.

Birgit Seiler, die Chefin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz im Landratsamt, gibt allerdings Entwarnung. Die Beseitigung des Schilfs sei beantragt und genehmigt worden, weist sie auf die Sachlage hin. Maßgabe sei es gewesen, dass die Fischerei Altenburger Land den Einschlag vor der Brut- und Laichsaison vornimmt, also vor dem 1. März. Gleich nach Hösers Mail habe sie zwei Mitarbeiter an den Teich geschickt, „die Arbeiten sind korrekt ausgeführt worden“. Seiler lobt Naturliebhaber Höser aber für seine Aufmerksamkeit, im Frühjahr wolle ihr Amt mit ihm einen Kontrollgang im Teichgebiet vornehmen und schauen, ob die Arbeiten Auswirkungen auf die Fauna haben. „Wir bezweifeln, dass die Schilfbrüter fern bleiben.“

Laut Seiler wurde eine zwei Meter breite Schneise ins Schilf geschnitten, um den Wasserzufluss der insgesamt vier Fischteiche zu verbessern. Von den insgesamt 13 000 Quadratmetern Schilf seien 400 Quadratmeter entfernt worden. Zudem sei der durch Müll und Sedimente verlandete Zulauf des Niederleupter Baches ausgebaggert worden. Die Teiche, im Mittelalter für die Fischzucht angelegt, zählen heute zum EU-Vogelschutzgebiet „Nordöstliches Altenburger Land“. „Die Natur- und Bewirtschaftungsinteressen sind deshalb abzustimmen und das richtige Maß zu finden“, betont Seiler.

Steffen Schröer, Chef der Fischerei Altenburger Land, formuliert es etwas deutlicher: „Sie können die Biotope nur erhalten, wenn der Fischer tätig wird“, sagt er. „Wo würden denn der Schwan und geschützte Arten bleiben, wenn ein Teich zuwächst“, fragt er und sagt: „Hier geht es um eine Teichwirtschaft, und die muss gepflegt werden.“ Dazu gehöre es, Schilf zurück zu schneiden und im Winter die Schlammschicht am Boden auszufrieren. Die Arbeiten würden mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Schröer erklärt, dass der Bach ständig Müll und Schlamm mit sich führe und die Gewässer zusetze. Er will die vier Teiche im Wilchwitzer Gebiet, die er seit etwa fünf Jahre in seiner Obhut hat, nunmehr auf Vordermann bringen und damit aufholen, „was seit Jahren liegen geblieben“ sei. Der Häuschenteich sei vergangenen Sommer saniert worden, sagt er, Badeteich und Butterteich seien vorbereitet. Der Große Münsaer Teich soll seinen Worten zufolge im Herbst und Winter entleert und entschlammt werden. Und um den Wasserzulauf für alle vier Teiche zu gewährleisten, sei jetzt eben der Mittelkanal wieder aufgemacht worden, ohne die Wurzelstöcke des weggeschnittenen Schilfs zu beschädigen. „Wir sind auch dran, den Müll im Randbereich heraus zu holen“, sagt Fischer Schröer.

Das alles ist seinen Worten zufolge nicht ganz billig. „Wir investieren hier richtig.“ Pro Hektar könnten schnell mal um die 100 000 Euro weggehen.

Von Frank Prenzel

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