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Wilde Verfolgungsjagd mit Tempo 180

Wilde Verfolgungsjagd mit Tempo 180

14 Tatvorwürfe und 30 geladene Zeugen. Der Prozess, der in dieser Woche vor dem Amtsgericht Altenburg begann, hat es in sich. Und vielleicht könnte er dazu beitragen, dass eine ganze Reihe von Einbrüchen und Diebstählen im Landkreis aufgeklärt werden.

Angeklagt ist der 28-jährige und in Russland geborene Nikolai N., der mittlerweile einen deutschen Pass besitzt. Er soll diverse Gegenstände, wie Fahrräder, Computer, Werkzeuge oder Musiktechnik entweder selbst gestohlen oder an sich gebracht haben, obwohl er wusste, dass sie gestohlen sind. Außerdem saß er mehrmals hinterm Steuer, obwohl er keine Fahrererlaubnis besitzt, die Fahrzeuge nicht zugelassen und versichert waren und überdies auch noch ungültige Kennzeichen hatten.

 

Die Mehrzahl der Vorwürfe ließ der Vater zweier Kinder von seinem Anwalt bestreiten. Einen Fall aber gab er zu. Und zwar jenen von Anfang Januar letzten Jahres, als er die Kette eines Fahrrades in Gera mit einer Zange durchschnitt, die N. angeblich am Tatort zufällig gefunden haben wollte. Die gesicherten Spuren ließen nur ihn als Täter zu. In Luft aufgelöst hat sich am ersten Verhandlungstag dafür jene Schwarzfahrt mit einem Mofa im April 2013 in der Bahnhofsstraße. Jenes nicht zugelassene Kleinkraftrad hatte einen Defekt, weshalb es antriebslos den Berg nur hinunterrollte. Dass der Motor nicht lief, es sich damit sozusagen um eine Fahrradfahrt handelte, musste selbst jener Polizist als Zeuge einräumen, der N. an jenem Abend kurz vor Mitternacht stellte.

 

Dabei traf der Beamte auf keinen Unbekannten, denn den Angeklagten, der meist eine dunkle Brille trägt, kennen im Altenburger Land fast alle seine Kollegen. So auch jene beiden, die N., wieder mit dunkler Brille hinter dem Steuer eines BMW sitzend, am 4. Dezember 2013 in Meuselwitz an einer Ampel antrafen und ihren Streifenwagen sofort wendeten. Das sah auch der Angeklagte, der aus der Warteschlange sofort ausscherte, bei Rot über die Ampel fuhr und sich im Anschluss mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd lieferte, die erst im 15 Kilometer entfernten Groitzsch endete. Mit 180 Sachen sei man unterwegs gewesen, schilderten beide Polizisten, die auf der linken Seite mit Blaulicht und Martinshorn den entgegenkommenden Verkehr warnten, sofort anzuhalten. Wenn das nicht passiert wäre, wäre die Raserei nicht so glimpflich abgegangen, lautete die Einschätzung der Beamten. N. selbst wurde gestellt, als er in eine Sackgasse fuhr, noch durch das Tor in ein Grundstück bretterte, dort vor einer Brücke ausstieg, flüchtet und an einem Zaun endlich gestellt werden konnte. Dass er bei der Festnahme Widerstand leistete, quittierte der 28-Jährige mit einem Kopfschütteln. Das war die einzige Regung des Angeklagten am ersten Verhandlungstag, der ansonsten gelassen und mit einem völlig unbeteiligten Gesichtsausdruck der Verhandlung folgte.

 

Seelenruhig hörte sich N. auch die Schilderung eines Einbruchs in ein Haus in der Johannisstraße an, in der eine bekannte Altenburger Tanzlehrerfamilie wohnt. In einer Dezembernacht des letzten Jahres brachen dort Diebe ein, währenddessen fast alle Bewohner schliefen, und ließen diverse Musiktechnik mitgehen. Inwiefern der Angeklagte daran beteiligt war, blieb zum Prozessauftakt noch offen. Aufschluss könnte der zweite Verhandlungstag geben, der am Montag 9 Uhr beginnt.

Jens Rosenkranz

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