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Altenburg Wildsau und Fuchs freut’s: Immer weniger Interesse an der Jagd
Region Altenburg Wildsau und Fuchs freut’s: Immer weniger Interesse an der Jagd
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00:32 28.04.2018
Wildschweinfleisch findet immer weniger Käufer – aus Angst vor der Afrikanischen Schweinepest. Quelle: Ansitz Verlag Leipzig
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Mehna/Altenburg

Die Beschlüsse wurden mit einer Ja-Stimme bei null Enthaltungen und keiner Gegenstimme gefasst. Der Bericht über die jüngste Sitzung der Jagdgenossenschaft in Mehna scheint kaum ernst gemeint. „Doch“, entgegnet die untere Jagdbehörde. Der Gesetzgeber habe Beschlüsse mit nur einer Stimme ausdrücklich zugelassen, damit Reviere bejagt, sprich an einen Jäger verpachtet werden können. „Es ist auch vorstellbar, dass es mit der Zeit in einer Jagdgenossenschaft nur noch zwei Mitglieder gibt. Die können ja schlecht einen vierköpfigen Vorstand aus ihren Reihen wählen“, erläutert Annett Kügler. Und die Situation in Mehna ist nicht neu.

Jagdgenossenschaften sind verpflichtet, einmal im Jahr Mitgliederversammlungen abzuhalten. Wie die Chefin der Verwaltungsgemeinschaft Altenburger Land, Stefanie Kranz, berichtet, folgte jüngst kein Genossenschaftler der Einladung. Womit es erneut nicht möglich war, einen Vorstand zu wählen. Immer dann, wenn sich kein Mitglied der Jagdgenossenschaft für den Vorstand finde, werde automatisch der Bürgermeister zum Notvorstand der Genossenschaft. Ein Zustand, den es in Mehna bereits seit Jahren gibt.

Die Probleme der Jagdgenossenschaften

Und die Gemeinde ist kein Einzelfall. Bei etwa einem Drittel – bis 2017 gehörten etwa auch Starkenberg und Dobitschen dazu – der rund 50 Jagdgenossenschaften des Kreises gebe es inzwischen Probleme, so Kügler von der Jagdbehörde im Landratsamt. Und immer weniger Grundstückseigner interessieren sich für die Jagdgenossenschaft. „Das ist auf die Überalterung der Mitglieder zurückzuführen und darauf, dass etliche Eigentümer nichts von ihrer Jagdgenossenschaft wissen.“

Dabei ist jeder Eigentümer jagdbarer Flächen automatisch zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft. Jagdbar sind Flächen außerhalb von befriedeten Bereichen, worunter Ortschaften, Gartenanlagen und dergleichen zählen. Ferner können eingezäunte Areale von der Jagd ausgeschlossen werden, was regelmäßig auf Friedhöfe zutrifft. Alles andere – Felder, Wälder, Wiesen – sind jagdbare Flächen, so Kügler. Wer weniger als 75 Hektar hat, ist dann Jagdgenossenschaftler.

„Der Gesetzgeber möchte, dass gejagt wird. Weil aber die meisten Reviere aus vielen Grundstücken bestehen, sind die Eigner in der Genossenschaft vereinigt, um das Revier an einen Jäger zu verpachten“, erläutert Kügler. Doch die Ausschüttung der Einnahmen abzüglich der Kosten seien kaum höher als zehn Euro pro Jahr und Mitglied. Kein großer Anreiz also, um in der Jagdgenossenschaft mitzuwirken.

Was aber letztlich für die untere Jagdbehörde kein Problem sei, weil es die Notvorstandsregel gibt. Die Eigentümer würden so lediglich auf Mitsprache verzichten. Dafür müssten die häufig ehrenamtlich tätigen Bürgermeister den Mehraufwand hinnehmen und die Aufgaben des Jagdvorstandes erledigen, wozu etwa das Führen des Jagdkatasters und das Gegenzeichnen des Abschussplans zählt.

Immer wenige Jäger für die Reviere

Mit dem Desinteresse an den Jagdgenossenschaften korrespondiert auch die Sorge um den Jägernachwuchs. Denn auch bei den Jagdpächtern sei eine Überalterung festzustellen. Annett Kügler nennt über 80-jährige Jäger. Noch gebe es zwar ausreichend Interessenten, die Tendenz sei aber abnehmend. „Das hat auch wieder zwei wesentliche Gründe: Zum einen geraten Jäger gesellschaftlich immer mehr unter Druck, werden angefeindet und ihre Ansitze zerstört, deren Reparatur für Jäger richtig teuer ist. „Zum anderen sind gerade die Reviere unserer Jagdgenossenschaften nicht besonders attraktiv“, räumt Kügler ein.

Große, auf über 75 Hektar zusammenhängende Flächen können zum Eigenjagdbezirk erklärt werden. Das trifft im Altenburger Land praktisch auf die wild- und artenreichen Wälder des Thüringen Forstes zu, der seine Jäger selbst bestimmt. Übrig bleiben in aller Regel Felder. „Frei jagdbar sind grundsätzlich nur Schwarzwild, Füchse, Waschbären oder Marder“, nennt Kügler Bespiele.

Nicht frei bejagt werden darf Großwild wie Rot- und Damhirsch oder Muffel, die es aber – abgesehen von Ausnahmen – auf Feldern nicht gibt. Dort stehen neben Wildschweinen hauptsächlich Rehe. Doch auch für das Niederwild gelten feste Abschusspläne. Es gebe kleine Reviere im Kreis, so Kügler, wo nur ein Reh pro Jahr geschossen werden darf. Bei Verkehrsunfällen verendete Tiere zählen als geschossen.

Ladenhüter Wildschweinbraten

Zum Decken der Unkosten, wie etwa die Pacht an die Jagdgenossenschaft, bleiben den Jägern für den Verkauf deshalb vor allem Felle und Wildschweinfleisch. Beides lässt sich aber nicht einfach absetzen. Felle stehen seit Jahren in der Kritik von Tierschützern, und Wildschweinfleisch ist weniger beliebt als etwa Rehbraten. „Und nun kommt noch die Angst vor der ASP – der Afrikanischen Schweinepest – dazu, weshalb die Leute noch weniger Wildschwein kaufen“, sagt Kügler.

Dabei müsste gerade jetzt besonders viel Wildschweinbraten gekauft werden, weil es sowieso zu viel Schwarzwild gebe und dieses präventiv weiter verringert werden soll, um das Ausbreiten der ASP zu verhindern. „Aber kein Jäger schießt gern für die Tonne“, meint Annett Kügler, die betont: Erstens sei die ASP noch nicht in Deutschland angekommen, und zweitens seien die Erreger für Menschen komplett ungefährlich.

Von Jörg Reuter

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