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Wildschweine werden zum Problem im Altenburger Land

Gut im Futter Wildschweine werden zum Problem im Altenburger Land

Die Eichelvollmast im vergangenen Jahr sorgte für ein Überangebot an Nahrung im Winter und Frühjahr. Wegen der guten Bedingungen geht der Revierförster im Leinawald, Jörg Zippel, von etwa 300 Prozent Zuwachs bei Wildschweinen aus.

Die Zahl des Schwarzwildes ist in diesem Jahr etwa dreimal so hoch wie üblich.

Quelle: Archiv

Wichlitz. Den Jäg

Im vergangenen Jahr gab es eine Eichelvollmast, in diesem Jahr steht eine Buchenvollmast ins Haus. Es ist der absolute Zufall, dass beide Ereignisse direkt hintereinander stattfinden. Für die Schweine im Wald ist das der absolute Jackpot. Beginnend mit der Eichelreife im Herbst 2015 stand den Tieren Nahrung in Hülle und Fülle zur Verfügung. Wie der Revierförster des Leinawaldes erzählt, seien über den Winter die Eicheln im Wald diesmal nicht alle geworden. „Im zeitigen Frühjahr ist das Schwarzwild normalerweise ziemlich abgemagert. Dann haben die Tiere keinen Millimeter Fett mehr auf den Knochen“, beschreibt der Forstoberinspektor. Dieses Jahr war das anders. Selbst die jungen Sauen, die zum ersten Mal geworfen haben, zierte eine Zentimeter dicke Fettschicht.

In Jahren mit einem solchen Überangebot reagiert das Schwarzwild mit sehr viel Nachwuchs. Nicht nur, dass die Muttersauen, weil gut genährt, alle oder fast alle Frischlinge durchbringen. Die Bachen sind auch über ein längeren Zeitraum empfänglich, starten früher in die Rauschzeit, und viel mehr Tiere als sonst, auch gerade geschlechtsreife Tiere, kommen in solchen Jahren in Paarungsstimmung. Mit etwa 300 Prozent Zuwachs beim Schwarzwild rechnet Zippel.

Für die Landwirte und die Jagdpächter ist dies ein Problem, denn auch in normalen Jahren sorgen Wildschweine auf den Äckern für ärgerliche und teure Ernteausfälle. Die Bauern ziehen dann im Zweifel die Jäger zur Verantwortung, schließlich ist es deren Aufgabe, das Schwarzwild zu bejagen und zu dezimieren, damit keine Schäden entstehen. Keine einfache Aufgabe, denn Schwarzkittel gelten als sehr schlau und wissen genau, wie sie aus der Schussline kommen. Nichtsdestotrotz würden häufig die Jagdpächter für die Wildschweinschäden haften, weiß Zippel, weshalb es gerade in diesem Jahr notwendig sei, die Tiere intensiv zu bejagen.

Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Wildschweine auch im kommenden Winter mit reichlich Futter rechnen können, denn es folgt eben auf die Eichelvollmast, die alle zehn bis zwölf Jahre auftritt, eine Buchenvollmast, die es alle sieben bis zehn Jahre gibt. Übrigens sprechen Förster von Halbmast – neben der Vollmast – wenn etwa die Hälfte der Bäume fruchtet. Sprengmast nennen sie jene Jahre, in denen nur einzelne Bäume Früchte tragen, Fehlmast bedeutet, dass kein Baum oder nur wenige Bäume fruchten.

„Doch bei uns im Leinawald wird sich die Buchenmast nicht so stark auswirken wie die Eichelmast“, sagt Zippel. Denn es gibt dort weit mehr Eichen als Buchen. Rund 700 Hektar Eichen pflegt allein Zippel in seinem Revier. Das macht etwa 45 Prozent des Bestandes aus. Demgegenüber sind nur etwa zehn Prozent der Bäume im Leinawald Buchen. Dem Wald an sich tun die Vollmastjahre sehr gut. Zippel freut sich über eine starke Verjüngung des Bestandes, auf Grund der vielen Eicheln, die trotz des Appetits des Schwarzwildes ausgetrieben haben. Positiv hat sich auch ausgewirkt, dass der Eichenwickler in diesem Jahr witterungsbedingt kaum Schaden verursacht hat.

Rehe und Damhirsche reagieren derweil nicht so stark auf Schwankungen im Futterangebot. Das liegt daran, dass das Damwild regelmäßig pro Kuh und Saison nur ein Kalb zur Welt bringt. Rehe wiederum ernähren sich zu großen Teilen von Gras, weshalb ihr Futterangebot von Haus aus kaum schwanke, erläutert der Revierförster.

Von Jörg Reuter

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