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Altenburg Wildwechsel: Auch im Altenburger Land müssen Fahrer vorsichtig sein
Region Altenburg Wildwechsel: Auch im Altenburger Land müssen Fahrer vorsichtig sein
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05:31 05.11.2018
Wildwechsel ist auch im Altenburger Land ein Risiko im Herbst und Winter. (Symbolbild) Quelle: dpa
Altenburg

Herbstzeit ist Wildwechselzeit, weil das Nahrungsangebot geringer wird aber gleichzeitig die Tiere einen erhöhten Energieverbrauch haben, erklärt Karsten Schröder, Leiter des Forstamtes Weida. Dazu komme, das dann auch regelmäßig die Felder abgeerntet sind, auf denen Reh- und Schwarzwild den Sommer über einen üppig gedeckten Tisch vorfinden. „Und dann ‚drängen‘ sich im Herbst und Winter eben alle Tier im Wald“, erklärt Schröder.

Viel Futter, übermäßiger Paarungstrieb

Dort gibt es in diesem Jahr ein extremes Futterangebot, ergänzt er. Normalerweise treten die Ereignisse, die in der Jägersprache Eichel- oder Buchenmast heißen, alle fünf bis sieben Jahre auf. Offensichtlich hat sich in diesem Jahr die Natur nicht an diese Regel gehalten, denn bereits vor zwei Jahren gab es eine Mast, das heißt die Bäume trugen überdurchschnittlich viele Früchte. „In diesem Jahr sogar noch viel mehr“, so Schröder.

Zu vermehrten Wildwechseln führt es dann etwa, wenn das Lager der Tiere auf der einen Seite der Straße und das Futter auf der anderen Seite liegt. Vor allem deshalb laufen derzeit Autofahrer in der Nähe von Waldgebieten Gefahr, einem Reh oder Windschwein auf der Fahrbahn zu begegnen. Ein anderer Grund warum es zu bestimmten Zeit im Jahr zu vermehrtem Wildwechsel kommt, ist der Paarungstrieb der Tiere.

Die zahlenmäßig größten Populationen, nämlich Reh- und Schwarzwild, haben aber ihre Rauschzeit im Frühjahr. Lediglich Damwild sei im Herbst auf Partnersuche. Dammhirsche gibt es allerdings im Kreis nur im Leinawald, der in die Zuständigkeit des Forstamtes Weida fällt. „Doch Unfälle mit Hirschen sind extrem selten“, sagt Schröder.

Aufblenden hat keine abschreckende Wirkung

Laut Informationen der Polizei habe es in den vergangenen zwei Tagen überhaupt keine Wildunfälle im Altenburger Land gegeben. Nichtsdestotrotz raten Forstbehörde und Polizei eindringlich zum langsamen Fahren, besonders während der Dämmerung und in der Nacht. Risikogebiete sind praktisch alle Straßen entlang von Feldern und Wäldern, so die Behörden. Dazu weisen die Wildwechsel-Verkehrsschilder auf von Tieren besonders intensiv genutzte Übergänge hin, was in jedem Fall ernst zu nehmen sei.

Neben einer angepassten Geschwindigkeit helfe eigentlich nur Hupen. Gesichtete Tiere können dadurch am besten vertrieben werden. „Aufblenden hat überhaupt keine abschreckende Wirkung“, erläutert Schöder. Wenig effektiv seien auch Installationen an den Straßen, die die Tiere abschrecken sollen.

„Da wurde in der Vergangenheit einiges versucht, aber es hat sich gezeigt, dass es die Tiere nur eine kurze Zeit verunsichert. Danach haben sie sich an Gerüche, Geräusche und dergleichen gewöhnt.“ Das Einzige das nachhaltig hilft, seien Zäune, wie etwa an den Autobahnen. Der Nachteil: Ohne Wildbrücken kommen die Tiere dann nicht mehr von einem zum anderen Lebensraum.

Im Zweifel Kollision in Kauf nehmen

Die wichtigste Verhaltensregel, wenn ein Tier plötzlich auf der Fahrbahn auftaucht, sei zu bremsen und das Lenkrad festzuhalten. Im Zweifel solle man die Kollision in Kauf nehmen und nicht ausweichen. Denn in den allermeisten Fällen führt erst das zu schweren Unfällen, da man beim Ausweichversuch leicht unkontrolliert von der Fahrbahn abkomme.

Wenn es zu einem Unfall gekommen ist, gilt: Unfallstelle sichern, Polizei oder Jagdbehörden informieren und in keinem Fall das tote Wild mitnehmen. Wer das dennoch tue, erfüllt unter Umständen den Tatbestand der Wilderei, weist die Polizei auf die geltende Rechtslage hin.

Insgesamt wurden in diesem Jahr schon 272 Wildunfälle im Altenburger Land registriert. Bereits im Jahr 2016 hatte sich die Zahl auf 338 Unfälle zum Vorjahr fast verdoppelt und stieg 2017 weiter auf 354 Unfälle. Derlei Rekorde hängen direkt mit der Buchen- und Eichelmast zusammen. Durch diese kam es 2016 im Leinawald-Revier zu einem starken Anstieg der Schwarzwildpopulation. Durch das Überangebot an Nahrung, brachten die Bachen einer Rotte deutlich mehr Jungtiere durch.

Von Jörg Reuter

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