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Altenburg Wintersdorfer Altlast verschwindet unter zig Tonnen Sand und Schlacke
Region Altenburg Wintersdorfer Altlast verschwindet unter zig Tonnen Sand und Schlacke
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00:20 29.09.2017
Mit mehreren Schichten aus Sand und Schlacke werden die Altlasten abgedeckt. Damit soll das Grundwasser vor Schadstoffen geschützt werden. Quelle: Mario Jahn
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Wintersdorf

„Wir sind wirklich froh, dass die Sanierung der Deponie langsam zu Ende geht“, sagt Angelika Kügler und ist erleichtert. Die Wintersdorferin wohnt nur ein paar Schritte weg von der einstigen Sonderabfalldeponie des damaligen Bezirks Leipzig. Erst, so erinnert sie sich, war es der Gestank, der vor allem zu DDR-Zeiten zu ihr herüber wehte. „Wir konnten deshalb manchmal kein Fenster öffnen“, plaudert sie mit Blick auf den inzwischen abgedeckten Müllberg aus den 70er- und 80er-Jahren. Nach der Wende dann die Belastungen, die mit der Sanierung der Abfalldeponie verbunden waren. Das Ringen um ein Ende dieses schmutzigen Kapitels währt inzwischen länger als ein Vierteljahrhundert.

Doch ein Ende ist in Sicht. Im Sommer 2018 werden die Arbeiten abgeschlossen sein, informierte Kai-Uwe Barth von der Thüringer Sonderabfalldeponiegesellschaft. Dann soll bereits der erste grüne Flaum auf der Müllhalde wachsen.

Um der Bevölkerung einen Eindruck zu geben, was sich vor Ort getan hat, luden die Sanierer sowie das Land als Eigentümer kürzlich zum Tag der offenen Baustelle ein. „Wir haben gewissermaßen eine Glocke über dem Müll geschaffen, die den Abfall nach oben hin abdichtet, so dass kein Wasser mehr eindringen kann“, erläutert Jürgen Forster von der ausführenden Baufirma. Damit sei für die Zukunft ausgeschlossen, dass Schadstoffe ins Grundwasser ausgewaschen werden.

Der dafür betriebene Aufwand ist enorm. So besteht eine der verschiedenen Abdeckschichten aus Schlacke. Diese kommt per Bahn in Altenburg an. Rund 5000 Tonnen mussten und müssen täglich aus der Kreisstadt nach Wintersdorf gekarrt werden. Eine weitere Schicht ist aus Sand, direkt aus einer nahen Sandgrube. Vier Laster sind dafür im Einsatz. Jeder fährt die Sandgrube 15 Mal am Tag an, um jeweils 27 Tonnen auf den Deponiekörper zu schaffen. Das ist nicht billig: Weit über sieben Millionen Euro muss der Freistaat unterm Strich für die Sicherung der Altlasten im Meuselwitzer Ortsteil ausgeben. Das sind etwa 3,5 Millionen Euro mehr als veranschlagt.

„Wir mussten aber auch viel mehr Abfall umlagern als angenommen“, erklärt Projektleiter Marcus Waclawczyk. Denn um die Mülldeponie, die in einer alten Sandgrube angelegt wurde, zu sichern, musste verhindert werden, dass von unten Grundwasser eindringt. Weshalb 120 000 Kubikmeter umgelagert werden sollten, die sich unterhalb der Grundwassergrenze befanden. Durch Zufall wurde 2015 weiterer Müll entdeckt. Sage und schreibe zusätzliche 150 000 Kubikmeter, mit denen laut Aussagen der Fachleute vor Ort niemand gerechnet habe. Weil dieser Überraschungsfund nun auch gehoben werden musste, kam es zur Verteuerung und zu einer weiteren Verzögerung um rund zwei Jahre.

Eigentlich sollte die Deponie schon 1997 saniert sein. „Kurz nach der Wende hatte sie angefangen mit schwelen. Den Brand zu löschen, war eine der ersten aufwendigen Maßnahmen“, dachte Ortsteilbürgermeister Thomas Reimann zurück, der als Kind noch in der Sandgrube baden konnte, bevor sie mit Haushalts- und Industriemüll verfüllt worden ist. Doch wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten startete die Sanierung erst 2014. Der Meuselwitzer Bürgermeister Udo Pick (BfM) ist froh, dass nun dieses Ärgernis bald Gras wächst. „Die Arbeiten sind super gelaufen“, schätzte Pick ein. „Es hat regelmäßige Absprachen gegeben, an die sich alle Beteiligten gehalten haben.“

Von Jörg Reuter

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