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Altenburg Wintersdorfer Deponie zeigt erstes zartes Grün
Region Altenburg Wintersdorfer Deponie zeigt erstes zartes Grün
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17:05 28.10.2018
Kurz vor Abschluss der Sanierung der Wintersdorfer Deponie führte Planer Walter Lükewille die Besucher über das Gelände. Quelle: Mario Jahn
Wintersdorf

„Ich bin wirklich froh, dass die Arbeiten hier endlich fertig sind“, sagt Angelika Kügler, während sie den Blick über die ehemalige Wintersdorfer Mülldeponie schweifen lässt, über zartes neues Grün und den beeindruckenden Hügel. „Und es ist wirklich schön geworden“, findet sie.

„Teils kein Fenster öffnen können“

Ein Urteil, das durchaus Gewicht hat. Denn die 62-Jährige kann sich noch gut erinnern, wie es vorher ausgesehen hat. Vor der Sanierung, als auf dem Gelände im Schnaudertal Müll aus dem gesamten damaligen Bezirk Leipzig verkippt wurde. Kein Hausmüll zwar, dafür reichlich anderes Unappetitliches – Abfälle aus der Arzneimittelerzeugung, Werkstättenhandschuhe, Öle und Fette, teils auch Sonderabfälle. „Es gab Zeiten, da konnte man teils kein Fenster öffnen, so sehr stank es“, blickt die Seniorin zurück, deren Haus unweit der Deponie steht.

17,5 Millionen Euro Gesamtkosten

Dafür, dass man inzwischen wieder ohne Bedenken die heimischen vier Wände lüften kann, war einiges an Arbeit nötig, flossen Mittel in Millionenhöhe. 17,5 Millionen Euro um genau zu sein, bilanziert Raik-Steffen Ulrich, zuständiger Projektleiter beim Thüringer Umweltministerium, beim Rundgang über die Deponie – „von der Planungsphase bis zur finalen Ausführung“. Nicht eingerechnet ist darin selbstverständlich die Zeit, die verging, bis die Arbeiten 2014 endlich starten konnten.

Zuvor lähmte ein jahrelanger Zuständigkeitsstreit das Projekt, als man endlich bereit war, machte ein steigender Grundwasserspiegel einen Strich durch die Rechnung. Zusätzlich wollten rund 270 000 zuvor nicht bekannte Kubikmeter Müll ebenfalls in höhere Schichten umgelagert werden.

2,10 Meter dicke Abdeckung

Dafür, versichert Walter Lükewille vom ausführenden Planungsbüro, sei das Gelände nun bestmöglich saniert. „Der Müll ist mit mehreren Schichten abgedichtet“, erklärt er. Insgesamt 2,10 Meter liegen zwischen den Besuchern, die zum Informationstag am Freitag die angelegten Wege entlangstapfen, und dem Müll.

Damit kein Oberflächenwasser eindringen kann, sei der Müllkörper mit 2,5 Millimeter dickem Kunststoff abgedichtet, unter dem Abfall verhindert eine schon zu Tagebauzeiten aufgebrachte Lehmschicht das Eindringen von Wasser. „Zusätzlich haben wir ein Sickerwasserfass-System installiert, das das noch im Abfall befindliche Wasser zur Kläranlage transportiert. Dort wird es gereinigt“, führt er aus.

Ein neuer Berg

Niederschläge hingegen können nicht direkt im Boden versickern. Damit sich auf dem Gelände über die Zeit kein See bildet, wird jenes Wasser in ein mit 30 000 Schilfpflanzen bestücktes Becken geleitet, wo es verdunsten kann. Um auch künftig ganz sicher zu gehen, dass nicht doch irgendwann Gefahr vom Grundwasser droht, sind, so Lükewille, mehrere Messstellen auf dem Gelände verteilt. „So können wir auch überprüfen und gewährleisten, dass tatsächlich keine etwaigen Schadstoffe in die Umgebung gelangen.“

Ohnehin sei beim Umschichten des Mülls aufgefundener Sondermüll bereits in entsprechende Deponien gebracht worden. Der knapp 198 Meter hohe, künftig wieder begrünte Müllberg sei nicht mehr belastet. Auch gegen womöglich auftretende Gase ist man gewappnet: An der höchsten Stelle des Hügels sorgt ein Entlastungspunkt mit Kompostfilter dafür, dass etwaig auftretende Dämpfe entweichen können.

Noch 30 Jahre in Verantwortung

Bis zum Jahresende soll nun noch ein Zaun um das Gelände gezogen werden, auch um zu verhindern, dass sich Unbefugte an den Pumpensystemen oder den anderen technischen Einrichtungen zu schaffen machen können. Und auch darüber hinaus wird die Deponie weiter im Blickpunkt sein. „Für die nächsten 30 Jahre ist die Landesentwicklungsgesellschaft in der Nachsorgepflicht“, so Lükewille.

Neben regelmäßigen Mäharbeiten werde auch die Technik gewartet. Daneben wird kontrolliert, ob sich der Hügel weiter als die noch erwarteten 30 bis 40 Zentimeter absetzt. Abgesehen davon jedoch, sei nun endlich Ruhe auf der Wintersdorfer Deponie eingekehrt – nach fast 25 Jahren.

Beinahe 25 Jahre nach ihrer endgültigen Schließung ist die Wintersdorfer Deponie de facto fertig saniert. Am Freitag überzeugten sich zahlreichen Besucher im Rahmen eines Informationstages von den Ergebnissen der Arbeit.

Von Bastian Fischer

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