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"Wir haben Platz" - Landrätin sieht in Zensus-Ergebnissen durchaus Chancen für den Kreis

"Wir haben Platz" - Landrätin sieht in Zensus-Ergebnissen durchaus Chancen für den Kreis

Landrätin Michaele Sojka (Linke) sieht durch die Ergebnisse des Zensus' 2011 keine negativen Auswirkungen für das Altenburger Land. "Von sinkenden Schlüsselzuweisungen aufgrund der nach unten korrigierten Einwohnerzahlen ist mir nichts bekannt", sagte die 50-Jährige auf OVZ-Nachfrage.

Daher kenne sie auch keine Kommune, die gegen die Zahlen klage. Daneben zieht sie überwiegend positive Schlüsse aus den erhobenen Daten.

 

Laut Thüringer Landesamt für Statistik (TLS) hatte das Altenburger Land zum Zensus-Stichtag am 9. Mai sowie Ende 2011 1,7 Prozent weniger Einwohner als zuvor angenommen (OVZ berichtete). Dass man damit unter dem landesweiten Schnitt von minus 1,8 Prozent lag, ist für Sojka auch der Grund, warum nicht mit weniger Geld aus Erfurt zu rechnen ist. "Die Änderungen sind marginal, acht von 40 Kommunen haben sogar ein Plus an Einwohnern zu verzeichnen", sagt die Landrätin. "Das ist schön und spricht für das Ambiente, in dem man hier kulturvoll alt werden kann."

 

Damit spielt sie auf den Fakt an, dass das Altenburger Land der älteste Kreis in Thüringen ist. Denn hierzulande ist fast ein Drittel der Einwohner über 65 Jahre und etwas mehr als die Hälfte hat 50 Lenze oder mehr auf dem Buckel.

 

Doch auch diesem Umstand und der thüringenweit zweithöchsten Leerstandsquote bei Wohnraum (12,2 Prozent) kann die Landrätin noch etwas Positives abgewinnen: "Den Senioren, die in Großstädten immer weniger bezahlbare Wohnungen finden, kann ich nur sagen: Kommt zu uns. Wir haben Platz und insbesondere in Altenburg ein hervorragendes Lebensumfeld. Wohnraum ist bezahlbar und das Kunst- und Kulturangebot vergleichbar mit dem größerer Städte." Diese Aufforderung gelte insbesondere in Verbindung mit dem Fakt, dass die durchschnittliche Wohnungsgröße im Kreis mit 75,1 Quadratmetern eher klein ausfällt, während sie in Thüringen bei 81 und bundesweit bei 90,6 Quadratmetern liegt.

 

Dass 60 Prozent der fast 24 000 Häuser im Kreis vor 1950 erbaut wurden, im Schnitt 1927, freut die Landrätin. "Ich bin stolz auf die vielen historischen Gebäude", meint sie. "Diese sind schützenswert und könnten noch stärker, etwa durch ein Zwischenerwerber-Modell wie es die Stadt Altenburg praktiziert, saniert werden." Angesichts dieser Voraussetzungen und der reichen Geschichte schwebe ihr ein Image ähnlich dem Weimars vor - als Alterssitz Kulturbeflissener oder als "Schlafstadt" für Leipzig und Zwickau.

 

Nicht erklären kann sich die Linken-Politikerin hingegen die extrem niedrige Ausländerquote im Kreis. Der vom TLS ermittelte Anteil von 1,1 Prozent, der bis Ende 2011 auf 1,2 Prozent anstieg, ist einer der niedrigsten in ganz Deutschland. "Ich habe keine Ahnung, warum das so ist", so Sojka. "Aber es zeigt, dass wir etwas bei der Willkommenskultur ändern müssen, denn wir brauchen ausländische Fachkräfte."

 

Daneben gelte es, den Weg der Familienfreundlichkeit weiterzugehen, Schulen und Berufsschulen zu erhalten oder auch Internatsprojekte voranzutreiben, diese zu bewerben sowie hochwertige, kleinere Unternehmen anzusiedeln und vergleichbare Löhne zu erreichen. "Irgendwann müssen wir uns aber auch entscheiden, ob wir die Kreisstraßen erhalten, wie sie sind, oder daraus ein Ast-System machen, bei dem man dort, wo man reinkommt, auch wieder rausfährt." Die demografische Entwicklung sei nicht aufzuhalten, erklärt die Landrätin weiter. "Insgesamt gesehen, ist das Hauptziel, den vorhandenen Standard trotz sinkender Einwohnerzahlen so gut es geht zu halten." Dementsprechend müsse ein Leitbild entstehen. "Die Basis dafür ist aber ein Haushalt, der festlegt, worauf wir uns konzentrieren." Dieser soll im Dezember beschlossen werden.

Thomas Haegeler

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