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"Wir können nicht mehr"

"Wir können nicht mehr"

Die Einbruchserie in Grillhähnchenstände in Altenburg und Lödla geht weiter und hat zugleich eine neue Qualität erreicht. Wie die Polizei gestern mitteilte, stiegen in der Nacht von Donnerstag zu gestern erneut Unbekannte in die Imbisswagen in der Kauerndorfer Allee und der Lödlaer Chaussee ein.

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In den Imbiss in Oberlödla ist genauso wie in den an der Kauerndorfer Allee in der Nacht zu Freitag erneut eingebrochen worden. Es dauerte Stunden, die Schäden zu beseitigen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Lödla. Doch diesmal beließen sie es nicht dabei, das Innere zu durchwühlen und Bratwürste, Broiler, Salat, Saft sowie Soßen im Wert von etwa 60 Euro zu stehlen. Vor allem im Stand auf dem Parkplatz der Einkaufsmärkte in Oberlödla beschädigten die Täter auch die Einrichtung und schmierten mit Ketchup und Mayonnaise ein Hakenkreuz und das Kürzel "ACAB", was für "All Cops Are Bastards" ("Alle Polizisten sind Schweine") steht, auf den Tresen. Garniert wurde das Ganze noch mit der Ankündigung "Bis bald".

 

"Das ist eine Frechheit", kommentierte der Ingolstädter Firmen-Inhaber, Roland Geiser, gestern auf Nachfrage die Schmierereien. Zwei bis drei Stunden hätten seine Mitarbeiter gebraucht, um alles wieder in Ordnung zu bringen. In einem Fax, das der OVZ vorliegt und das unter anderem an die Polizei, das Thüringer Innenministerium und Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) ging, schrieb er zudem: "Hier sieht man doch, dass sich diese Täter keine Sorgen und Gedanken machen, erwischt zu werden. Uns wurde, trotz deutlicher Bitte um Hilfe, erst kürzlich mitgeteilt, dass hier keine weitere behördliche Unterstützung zu erwarten sei. Sollte es hier keine schnelle Hilfe geben, werde ich die Filialen in Altenburg nicht mehr halten können. Wir, unsere Mitarbeiter und auch deren Familien können einfach nicht mehr."

 

Was Geiser mit dem letzten Satz meint, illustrierte sein hiesiger Betriebsleiter Thomas Kürbis gestern. Er sprach davon, wie nervenaufreibend es auf Dauer sei, morgens um 5 Uhr einen Anruf vom Lieferanten wegen eines erneuten Einbruchs zu bekommen: "Dann muss ich einen Mitarbeiter rankriegen und mich notfalls mitten in der Nacht auf die Socken zu ihm nach Hause machen."

 

Insgesamt 19-mal spielte sich dieses Szenario seit Sommer vergangenen Jahres ab. So oft wurde laut Altenburgs Polizeichef Andreas Pöhler inzwischen in die beiden Grillhähnchenstände eingebrochen. Auch wenn man im September jugendliche Täter in flagranti erwischte (OVZ berichtete), ging es im November und Dezember weiter. "Durch den Vandalismus kommt jetzt eine neue Qualität und Begehungsweise hinzu", erklärte Pöhler, der die Ermittlungen aufgrund der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole an die Kriminalpolizei abgegeben hat. Er geht jedoch nach wie vor davon aus, dass der Hintergrund auch hier hauptsächlich die Beschaffung von Nahrung ist. "Vielleicht aus sozialer Not, möglich ist aber ebenso jugendliches Rowdytum." Den Vorwurf Geisers über mangelnde Unterstützung könne er aber nicht gelten lassen. "Wir sind an der Problematik dran und bestreifen das Gelände zu unterschiedlichen Zeiten", so Pöhler, der einen Lösungsansatz darin sieht, die Ware nicht mehr über Nacht in den Ständen zu lagern. Darüber und über andere Möglichkeiten will er nächste Woche mit dem Betriebsleiter sprechen.

 

Das hält auch OB Wolf für sinnvoll. Allerdings seien seine Möglichkeiten zu helfen begrenzt, sagte der Rathaus-Chef. "Mir ist es aber nicht egal und jede Straftat macht mir Sorge, weshalb wir etwas tun und uns noch stärker vernetzen." Als Beispiel führte er das Aktionsbündnis Drogen mit der Polizei und dem Landratsamt an. Dass es angesichts von sich häufenden Einbrüchen und kaputten Schaufenstern ein Problem gebe, unter dem Gewerbetreibende leiden, sieht er aber nicht. "Altenburg ist keine Kriminalitätshochburg. Hier passiert nicht mehr als anderswo." Thomas Haegeler

 

© Kommentar

Thomas Haegeler

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