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Wird Grün noch Rot - Stadtrat befürwortet Modemarkt, aber Landesbehörde muss entscheiden

Wird Grün noch Rot - Stadtrat befürwortet Modemarkt, aber Landesbehörde muss entscheiden

Sie kommt ziemlich bürokratisch-trocken und unspektakulär daher, die sechste Änderung des Flächennutzungsplanes eines Teilbereichs im Gewerbegebiet Nord-Ost I und II, die der Altenburger Stadtrat vorgestern Abend mit klarer Mehrheit beschlossen hat.

Altenburg. Von Ellen Paul

Wenn es - ein Ja vorausgesetzt - irgendwann zur Einweihung des 4000 Quadratmeter großen, neuen Einkaufstempels an der Leipziger Straße kommen sollte, dann dürfte eines der hässlichsten Kapitel des jüngsten Oberbürgermeister-Wahlkampfs endlich abgeschlossen sein. Der Streit um den neuen Modemarkt mit seinem innenstadtrelevanten Sortiment hatte im Frühjahr Ausmaße angenommen, die für manch einen unerträglich waren und in einem Youtube-Video gipfelten, in dem Amtsinhaber Michael Wolf mit dem fiesen Joker aus "Batmans Beginn" verglichen wurde. Das Tischtuch zwischen OB und dem Altenburger Werbegemeinschaftschef Gebhard Berger ist seither durchschnitten, wahrscheinlich auf Lebenszeit.

Nicht von ungefähr forderte Pro-Altenburg-Stadtrat Christian Götze deshalb am Donnerstag, dass solcherart persönliche Verunglimpfungen aufhören müssten. "Sie bringen die Stadt keinen Schritt voran." Der neue Modemarkt am Stadtrand seiner Meinung nach indes auch nicht. Eine der größten Investitionen im Einzelhandel der letzten Jahre in Altenburg würde den Innenstadthändlern massive Probleme bescheren. "Können wir das verantworten für mehr Steuereinnahmen?", fragte Götze.

Der FDP-Abgeordnete Johannes Frackowiak befürchtet gleichfalls einen Verdrängungswettbewerb. Außerdem würde das Gewerbegebiet damit hochattraktiv auch für Nachfolgeeinrichtungen. "Röther gehört in die Innenstadt", sagt er. Nicht umsonst habe das Thüringer Landesverwaltungsamt auch nach der Reduzierung der Verkaufsfläche von 4900 auf 4000 Quadratmeter seine Einwände aufrecht erhalten.

Und dies könnte tatsächlich der Knackpunkt sein. Denn die Behörde, die das endgültige Okay gibt oder eben verweigert, sieht rechnerisch keinen zusätzlichen Verkaufsflächenbedarf - weder für Textilien noch für Schuhe. Dafür würden die meist inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt schwere Probleme bekommen. Zudem wirft das Amt der Stadtverwaltung vor, mit der geplanten Ansiedlung dem Landesentwicklungsplan und dem Raumordnungsplan Ostthüringen zuwider zu handeln.

Für die SPD-Fraktion im Stadtrat sind solche Argumente völlig unverständlich. Es werde der Eindruck erweckt, als könne man einem Investor ein Konzept vorschreiben. "Ich staune, dass gerade die FDP versucht, die Marktwirtschaft auszuhebeln. Und ich habe große persönliche Hochachtung vor Michael Röther, dass er trotz des lauten und teils unverschämten Widerstands weiter bereit ist, hier zu investieren", so Fraktionschef Nikolaus Dorsch. "Die Bürger entscheiden, wo sie einkaufen. Und wenn der Einkaufstourismus an den Stadtrand von Altenburg geht, ist es mir wesentlich lieber, als wenn er nach Leipzig geht." Und sein CDU-Kollege André Neumann forderte, die Innenstadt vor allem für Bewohner attraktiv zu machen. Davon würden die Händler viel mehr profitieren. Käme Röther in ihre unmittelbare Nachbarschaft, hätten sie doch die gleichen Probleme.

Nach anderthalb Jahren Hin und Her sowie angesichts der fortgeschrittenen Zeit - aufgrund der vierstündigen Diskussion um die Zukunft der Altenburger Festspiele begann die Diskussion zu Röther erst 23.30 Uhr - waren die Stadträte zu keinen großen (Schau)-Kämpfen mehr bereit. Die Fronten waren ohnehin klar und die Argumente längst ausgetauscht. Mit 24 Ja- und acht Nein-Stimmen bei einer Enthaltung gaben sie grünes Licht für die Ansiedlung.

Losfahren, sprich bauen, kann Röther wie gesagt trotzdem noch nicht.

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