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Wirtschaftsprüfer und Bad-Betreiber streiten: Welchen Wert hat das Schmöllner Tatami?

Einschätzung der Stadtwerke Wirtschaftsprüfer und Bad-Betreiber streiten: Welchen Wert hat das Schmöllner Tatami?

Das Unternehmen Stadtwerke Schmölln, eine 100-prozentige Tochter der Sprottestadt, ist in den zurückliegenden Monaten und Jahren immer gut für eine Schlagzeile gewesen. Erst vergangene Woche erhitzte die Anhebung der Fernwärme-Kosten, die Gemüter in Schmölln. Kurz darauf heizte eine weitere Nachricht über die Bewertung des Freizeitbades Tatami die Gerüchteküche an.

Im Clinch: Betreiber und Wirtschaftsprüfer sind sich über den Wert des Tatami uneinig.
 

Quelle: Mario Jahn

Schmölln.  Das Unternehmen Stadtwerke Schmölln, eine 100-prozentige Tochter der Sprottestadt, ist in den zurückliegenden Monaten und Jahren immer gut für eine Schlagzeile gewesen. Erst vergangene Woche erhitzte die Anhebung der Fernwärme-Kosten die Gemüter in Schmölln. Kurz darauf führte die Nachricht, das städtische Unternehmen sei mit den Ergebnissen der Wirtschaftsprüfer zum Geschäftsjahr 2014 nicht einverstanden, zu Spekulationen. Dem stellten sich nun Bürgermeister Sven Schrade (SPD) und Stadtwerkechef Jürgen Ronneburger demonstrativ entgegen. Beide hatten am Donnerstag noch vor der Stadtratssitzung am Abend zum Pressegespräch geladen.

Es gebe unterschiedliche Auffassungen, wie die Bäder, speziell das Freizeitbad Tatami, zu bewerten sind. Und ja, deshalb sei die Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken, die Betreiber des Hallenbades sind, und dem Wirtschaftsprüfungsbüro nicht frei von Spannungen gewesen, bestätigte Schrade. „Es ist aber völlig legitim, in diesem Punkt verschiedener Auffassungen zu sein“, so der Bürgermeister mit Verweis auf die Aussagen der Steuerberaterin der Stadt.

Zankapfel ist der sogenannte Bestätigungsvermerk. Uneingeschränkt wird dieser gegeben, wenn die Wirtschaftsprüfer keine wesentlichen Beanstandungen haben. Doch die vor zwei Jahren beauftragten Fachleute sind zu der Einschätzung gelangt, dass der Wert des Tatami zu hoch eingeschätzt und in den Büchern geführt wird, deshalb gibt es von ihnen nur den „eingeschränkten Bestätigungsvermerk“. Aus Sicht der Prüfer hat die Einrichtung nur einen geringen beziehungsweise gar keinen steuerrechtlichen Wert. Sie begründen dies mit den notwendigen Zuschüssen aus der Stadtkasse.

„Doch das war von Anfang an politischer Wille. Seinerzeit beruhten die Kredit- und Fördermittelzusagen auf der Einschätzung, dass das Tatami ein dauerhaftes Zuschussgeschäft wird“, so Jürgen Ronneburger. Im Aufsichtsrat der Stadtwerke und der Gesellschafterversammlung sei darüber diskutiert worden, berichtete Schrade. Eindeutig hätten sich die Gremien geeinigt, das Freizeitbad ohne Abwertung zu führen. „Mir konnten weder unsere Steuerberaterin noch die Wirtschaftsprüfer erklären, welche Konsequenzen sich aus dem eingeschränkten oder dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk ergeben“, berichtete Schrade. Jedoch stehe fest, soll das Tatami kostendeckend wirtschaften, müsste der Eintritt verdoppelt werden. Und dies wiederum sei eindeutig nicht gewollt. Dementsprechend wird die Stadt auch weiterhin das Bad mit jährlich 500 000 Euro bezuschussen.

Wie Schrade und Ronneburger informierten, wird der fertige Jahresabschluss 2014, mit dem der Stadtrat spätestens im März gerechnet hat, nun aber erst im Mai vorliegen. Grund dafür sei das momentan hohe Arbeitsaufkommen im Prüfbüro. Ungeachtet dessen soll für den Jahresabschluss 2015 ein neuer Wirtschaftsprüfer beauftragt. „Das liegt aber nicht an den Spannungen, sondern an unserem Wunsch, eine dritte Meinung zur Bewertung des Tatamis einzuholen“, stellte Ronneburger klar und bekommt dabei Rückendeckung vom Rathauschef.

Was die Preiserhöhung der Fernwärme angeht, räumte der Stadtwerke-Geschäftsführer ein, dass diese schlecht kommuniziert wurde. Jedoch sei sie in keinem Fall eine heimliche Subventionierung der Biogasanlage oder des Tatamis. „Unser Problem ist vielmehr die geringe Abnahme. Es ist schizophren – weil die Leute sparen, müssen wir die Preise erhöhen“, so Ronneburger. Binnen drei Jahre sank die verkaufte Wärmeenergiemenge um etwa eine Million Kilowattstunden. Derweil blieben die rund 40 Prozent Fixkosten unverändert hoch. „Vor diesem Hintergrund waren wir gezwungen, die Preise anzuheben.“ Ein Problem, mit dem übrigens auch Strom- und Wasseranbieter zu kämpfen hätten. Dazu komme, so Ronneburger weiter, dass sich zuletzt 2011 die Heizkosten verteuerten.

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Von Jörg Reuter

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