Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Feinste Kammermusik und sinnlicher Fandango im Residenzschloss
Region Altenburg Feinste Kammermusik und sinnlicher Fandango im Residenzschloss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:28 10.10.2018
Das philharmonische Schlosskonzert im Festsaal des Altenburger Schlosses mit dem Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera und Takahiro Nagasaki beendete den Tag der Altenburger mit einem fulminanten musikalischen Feuerwerk. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Am Ende eines jeden Bauernreitens zu Ehren der Altenburger Herzöge gab es durchgängig prächtige Feuerwerke. Am Tagesende des 200-jährigen Jubiläumsreitens am vergangenen Sonntag gab es im Festsaal des Residenzschlosses auch eines, nämlich ein musikalisches Feuerwerk beim 17. Philharmonischen Schlosskonzert des Orchesters des Theaters. Es war in vielerlei Hinsicht kein gewöhnliches Konzert und vielleicht gerade deshalb so wirksam auf das Publikum, das am Ende voller Begeisterung den Festsaal verließ.

Das Ungewöhnliche lag schon in der Programmgestaltung. Man hörte nur Musik eines Komponisten, das heißt fast nur, nämlich von Luigi Boccherini (1743-1805). Der Italiener wurde mit nur einem Menuett allgemein bekannt, das den alten englischen Kriminalschinken „Ladykiller“ musikalisch unterlegte und so zum Welterfolg wurde.

Boccherinis Musik erinnert an die Musik von Haydn

Seine Musik ist jedoch nur ganz selten in sinfonischen Konzerten zu hören. Wie alle Konzertbesucher am Sonntag erfahren durften, hatte Luigi Boccherini jedoch einiges mehr zu bieten als das eine bekannte Menuett. Sein musikalisches Gesamtwerk besteht aus 20 Sinfonien, zwölf Divertimenti, Konzertarien, vier Violincellokonzerten und je einem Konzert für Flöte, Cembalo und Violine. Der Wert des Schlosskonzertes bestand auch darin, diese weniger bekannten musikalischen Schätze wieder ins Gedächtnis des Publikums zu rufen.

Es gibt nicht wenige Musikwissenschaftler, die in der Musik des Italospaniers Spuren deutschen Einflusses, vor allem die Haydns, feststellen. Im Grunde ist er aber der empfindsame italienische Komponist geblieben, dessen Musik sich für uns so angenehm hören lässt. Das Konzert bewies das.

Orchester spielt auch Frühwerk des Komponisten

Johann Sebastian Bach war der Ansicht, dass Gott mit jeder Musik geehrt werden solle. Andernfalls sei sie nur teuflischer Krach und Lärm. Andere konnten der „teuflischen Versuchung“ nicht widerstehen. Auch nicht Boccherini. Er machte kein Hehl daraus, dass in seiner Sinfonie „La casa del diavolo“ (das Haus des Teufels), dieser mitten im Orchester sitzt. Es ist ein frühes Werk, das den Dualismus Don Juan – Teufel musikalisch bearbeitete. Auffällig sind betont leidenschaftliche, fast dramatische Züge, die im Gegensatz zu der fast schwärmerischen Melodik stehen und die vom verantwortlichen Dirigenten der Schlosskonzerte, Takahiro Nagasaki, deutlich herausgearbeitet wurden.

Boccerinis Cellokonzerte stehen heute noch öfters in den Konzertprogrammen. So auch in diesem 9. in B-Dur, gespielt von der hier bekannten Anna Hermann, die mit zuverlässiger Technik und makellosem Ton eine begeisternde Wiedergabe offerierte. Es war eine Freude, diese melodisch gefühlvolle Musik zu hören. Dass die Solistin auch noch Geburtstag hatte und vom Generalintendanten Kay Kuntze einen Blumenstrauss zum Geburtstag überreicht bekam, erhöhte noch den Beifall des Publikums.

Konzert bietet feinste Kammermusik und...

Dann folgte also das Streichquintett mit dem bekannten Menuett. Als virtuoser Cellist bevorzugte Boccherini die Quintettbesetzung mit zwei Celli anstelle von zwei Bratschen, die man bei Mozart findet.

Hört man das ganze Stück, dann kann man verstehen, warum die anderen Sätze keine Hits geworden sind. Sie sind erlesene Kammermusik, aber keine für ein breites Publikum. Judith Eisenhofer, Anne-Sophie Kühne, Jan Kögelmann, Ji In Choi und Jesus-Antonio Clavijo spielten das Menuett betont zurückhaltend und fast wie nebenbei, wahrscheinlich um deutlich zu machen, dass das Werk aus vier gleichberechtigten Sätzen besteht.

... sinnlichen Fandango

Olav Kröger hat sich zu Luigi Boccherini gesellt und eine Musik für ein kleines Orchester nach Inspirationen von Boccherinis Fandango geschrieben. Das war die Uraufführung. Fandango ist ein alter spanischer Tanz, der für seine sinnlichen Bewegungen bekannt geworden ist. Krögers stark rhythmisch geprägte Musik gibt diese Sinnlichkeit sowohl in den Bläsern wie in den Streichern wieder und erhielt viel Beifall.

Sängerin Miriam Zubieta bietet gesangliche Höchstleistung

Boccherini hat auch Vokalwerke geschrieben, darunter mindestens 18 Konzertarien, wovon Miriam Zubieta zwei der bekanntesten sang. Für die Konzertarien sind extrem umfangreiche Stimmen notwendig. Die Spanierin hat eine solche. Ihre Stimme - gekennzeichnet durch ihre dunkle Farbe und ein leichtes Fibrato – ist zu kontrastreichen Färbungen fähig, und sie führt sie zu Koloraturen beliebiger Höhe.

Ihre zweite Konzertarie „Se dùn amor tiranno“ ist extrem schwierig. Nichts ist seit Beginn der neuen Spielzeit besser gesungen worden als diese Arie. Und das Besondere: Dies geschah im Duett mit dem Cello. Anna Hermann musste noch einmal ran und beide gestalteten einen fulminanten Abschluss, der geprägt war von der sängerischen Glanzleistung der Miriam Zubieta. Das Publikum erjubelte eine Zugabe der beiden aus dem „Stabat mater“ Boccerinis. Das setzte dem ganzen die Krone auf. Sie war diamantbesetzt.

Von Manfred Hainich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es war offenbar noch Glück im Unglück, was sich am Dienstagnachmittag in Bocka in der Gemeinde Windischleuba ereignete. Ein sechsjähriges Kind hatte dort mit dem Feuer gespielt – die Flammen loderten an einem Fachwerkhaus.

10.10.2018

Ein Glas Honig, eine Bienenwachskerze, ein Plausch über die Kinder oder über Bienen, das alles gibt es jeden Mittwoch bei Ronny Böttcher auf dem Altenburger Wochenmarkt. Dazu hat der Imker aus Bad Köstritz auch noch einen frischen Kaffee für die Kollegen an den Nachbarständen und für jeden ein nettes Wort, ganz wie sein Großvater, der Imkerei und Stand aufgebaut hat.

10.10.2018

Fünf Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser wird in Windischleuba nun der Hochwasserschutz verbessert. Seit 8. Oktober rollen die Bagger. Bei einem Infoabend wurden auch die Bürger über die Bauarbeiten unterrichtet.

09.10.2018