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Wohnpark Lindenau: Stadtrat Altenburg macht Weg für 20-Millionen-Projekt frei

SWG-Neubau Wohnpark Lindenau: Stadtrat Altenburg macht Weg für 20-Millionen-Projekt frei

Der Altenburger Stadtrat hat grünes Licht für den Wohnpark Lindenau gegeben. Trotz einiger Kritik machte das Gremium mit klarer Mehrheit den Weg für das mit knapp 20 Millionen Euro bisher teuerste Neubauprojekt der Städtischen Wohnungsgesellschaft frei. Allerdings verhindert der Denkmalschutz bisher den Verkauf der Ex-Gagfah-Siedlung in der angrenzenden Südstraße.

SWG-Chef Michael Rüger auf dem Grundstück parallel zur Südstraße hinter Kaufland in Altenburg-Südost, wo unter dem Namen „Wohnpark Lindenau“ demnächst zehn Häuser mit 90 Wohnungen entstehen werden.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten Beschluss zum Wohnpark Lindenau hat der Altenburger Stadtrat nun grünes Licht für das Neubauvorhaben gegeben. Mit der klaren Mehrheit von 27 Ja- zu sieben Nein-Stimmen machte das Gremium auf seiner jüngsten Sitzung den Weg für das bisher größte Projekt in der Geschichte der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) frei. Bis auf der 1,6 Hektar großen Fläche zwischen der Südstraße und dem Kaufland in Südost Bagger rollen, werden aber noch Wochen vergehen. Schließlich darf erst gebaut werden, nachdem der Beschluss im Amtsblatt veröffentlicht und vom Landratsamt als Aufsichtsbehörde geprüft wurde.

Trotz des deutlichen Votums gab es – wie schon im Vorfeld – durchaus Kritik am Wohnpark. Diese kam vor allem aus den Reihen der Fraktion Stadtforum/Grüne. „Wir haben größte Bedenken“, sagte Stadträtin Jutta Penndorf stellvertretend. „Es ist unverständlich, dass man sich nicht an die eigenen Richtlinien hält.“ Statt die Innenstadt zu stärken und Eigenheimplätze zu schaffen, gewinne sie durch das Projekt eher den Eindruck, es gehe der SWG nicht um die Stadtgestaltung. „Wenn man das Gebiet zusammen mit der Südstraße entwickelt hätte, wäre es eine gute Lösung gewesen.“ Aber offenbar sei die SWG daran nicht interessiert. Daher wertete sie den Wohnpark Lindenau – in einer Reihe etwa mit dem geplanten Supermarkt in der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Pauritzer Straße 4 – als „dramatische Fehlentwicklung in der Stadtplanung“ und warf die Frage auf, ob sich die kommunale Tochter nun aus der Innenstadt zurückziehe.

Das verneinte Michael Rüger entschieden. „Wir stehlen uns nicht aus der Verantwortung, wie das Beispiel Puschkinstraße zeigt“, erklärte der SWG-Geschäftsführer. Bisher sei man auch stark mit der Instandhaltung von Bestandsimmobilien in Nord und Südost sowie mit dem Abriss beschäftigt gewesen. Zudem empfahl er den Kritikern, sich besser zu informieren. Denn entgegen deren Informationen plant man die Häuser der unter Denkmalschutz stehenden Ex-Siedlung der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah) am Anfang der Südstraße nicht mehr einzeln sanieren und/oder verkaufen zu wollen, sondern den gesamten Bestand an einen Investor zu veräußern, der die Immobilien parallel zum benachbarten eigenen Vorhaben entwickeln will.

„Er hat sich im Aufsichtsrat vorgestellt und in anderen Städten bereits ähnliche Projekte vorangetrieben“, sagte Rüger, nannte aber keinen Namen. „Er will die Immobilien erwerben, sanieren und im Bestand behalten.“ Bisher sei das Geschäft jedoch noch nicht zustande gekommen. Hauptsächlich weil der Denkmalschutz verhindere, dass die Grundrisse der Wohnungen verändert werden. „Es gibt aber bescheidene Signale, dass sich das ändern könnte.“

Der Investor jedenfalls sei noch nicht abgesprungen. Folglich laufe die Kritik, dass man nicht versuche, das Gebiet zusammen zu entwickeln, fehl. Darüber hinaus betonte Rüger nochmals, dass der SWG sanierte oder neu gebaute Objekte förmlich „aus den Fingern gerissen“ werden, wie etwa in der Lessingstraße, und man reihenweise Interessenten für den Wohnpark Lindenau habe.

Eine ganz andere Sache beschäftigte Wolfgang Preuß. Der Chef des Regionalverbands der Kleingärtner im Kreis stellte fest, dass neben den angrenzenden „Günthers Gärten“ ein Spielplatz geplant sei und die Pächter daher Lärm befürchten. Damit zog er sich nicht nur den Unmut von Linke-Stadträtin Mandy Eißing zu, die befand, dass es nicht sein könne, dass sich Kleingärtner an Kinderlachen störten. „Da habe ich mich doch jetzt verhört, oder?“, fragte sie rhetorisch. Dieser Diskussion schob Rieger einen Riegel vor, indem er sagte, dass man jetzt noch nicht so weit sei, den genauen Standort für einen Spielplatz festlegen zu können. Diesen Monat schreibe man den Generalplanervertrag aus. Nächstes Jahr soll es dann losgehen.

Bisher hat sich der Plan aufgrund von Einwänden von Anwohnern oder dem Naturschutz schon mehrfach geändert. So wollte man die vier Campusse, die aus insgesamt zehn Häusern mit 90 Wohnungen bestehen sollen, ursprünglich durch eine Ringstraße erschließen. Da diese aber zu nah an einem Grundstück vorbei führte und zudem der Höhenunterschied zu groß ist, geschieht dies nun durch eine Stichstraße, die von der Südstraße durch das Areal führt und eine Sackgasse mit Wendehammer ist. An deren Anfang entstehen öffentliche Parkplätze, die die Tiefgaragen ergänzen sollen. Jeder der vier Komplexe verfügt zudem über einen eigenen Aufzug. Erschlossen werden die Wohnungen, die alle unter anderem über Fußbodenheizung und Balkone verfügen sollen, durch Laubengänge.

Gebaut wird das knapp 20 Millionen Euro teure Vorhaben, das 2019 fertig werden soll und über eine eigene Wärmeversorgung verfügt, laut SWG hauptsächlich aus natürlichen Rohstoffen. Wegen des Wäldchens, was man hinter Kaufland in Südost bereits Anfang des Jahres roden ließ, muss man außerdem bis Anfang 2018 in Altenburg-Nord eine ein Hektar große Ausgleichsfläche mit adäquaten Bäumen und Sträuchern bepflanzen, diese ein Jahr pflegen und dort Vogelnistkästen einrichten. An den neuen Häusern müssen zudem Fledermausquartiere angebracht werden.

Von Thomas Haegeler

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