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Altenburg Wohnungswirtschaftler Emrich: „Neue Mieter kommen nicht von selbst“
Region Altenburg Wohnungswirtschaftler Emrich: „Neue Mieter kommen nicht von selbst“
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04:45 02.06.2018
Ländliche Idylle: Wie hier in Flemmingen lässt es sich auch im Altenburger Land durchaus gut leben. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Erfurt

Heute beginnen in Suhl die Tage der Thüringer Wohnungswirtschaft“. Schwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung, die vom Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft (vtw) organisiert wird: „Herausforderung ländlicher Raum – neue Konzepte für ein starkes Land“. Die OVZ sprach mit vtw-Verbandsdirektor Frank Emrich über Wege aus dem Leerstand und die Zukunft des schrumpfenden Altenburger Landes.

Frank Emrich Quelle: vtw/Michael Reichel

Die im vtw organisierten Vermieter im Altenburger Land verzeichnen im Schnitt 16 Prozent Wohnungsleerstand. Welches Konzept soll da Abhilfe schaffen?

Es sind zwei Ansätze. Zum einen organisatorisch: Die in Politik und Verwaltung Tätigen müssen sich dieser Aufgabe gemeinsam stellen, nicht jeder für sich allein. Es gibt zwar schon viele Vorstöße, aber die Abstimmung ist noch nicht optimal. Zum anderen inhaltlich: Wenn man mehr Entscheidungskompetenz direkt an die Basis im ländlichen Raum gibt, verbunden mit entsprechenden Budgets, ließe sich sicher viel erreichen. Beispiel Wohnumfeldgestaltung: Wenn sich Nachbarn zusammenfinden, um einen Grill- oder Spielplatz zu bauen, ist es schön, wenn sie dafür schnell und unbürokratisch ein paar Tausend Euro zur Verfügung bekommen.

Mindestens ebenso wichtig wie das Wohnumfeld ist die Infrastruktur. Da hinken die kleineren Gemeinden den großen Städten zum Teil ziemlich hinterher ...

Die öffentliche Hand ist hier gefordert, in Vorleistung zu gehen. Es muss investiert werden – in Schulen, in den Nahverkehr, schnelles Internet. Nur wo ein Angebot besteht, entwickelt sich Nachfrage. Schulen und ÖPNV abzuwickeln, weil weniger Leute da sind, verstärkt den Negativtrend. Neue Bewohner siedeln sich an, wo eine lebenswerte Umgebung existiert.

Auf dem Lande investieren wie in der Großstadt? Das wird ganz schön teuer.

Ich spreche nicht vom Gießkannenprinzip. Investieren ja, aber mit Konzept. Statt drei neuer Buslinien lieber die Option eines Anruf-Busses prüfen. Oder Kombi-Lösungen: Es laufen in Thüringen zum Beispiel Projekte, bei denen der Personennahverkehr mit Gütertransport verbunden wird. Sinnvoll sind zudem Investitionen in zielgruppenorientierten Wohnraum. Barrierefreie Räumlichkeiten haben Zukunft, nicht nur für Senioren, auch für junge Familien mit Kinderwagen. Thüringen hat hierfür das Förderprogramm Barrierereduzierung aufgelegt. Auch seniorengerechte Dienstleistungen und Mehrgenerationen-Wohnen gehören zu einer klugen Quartiersentwicklung. In Gera wurde für ein solches Projekt eine alte Schule umgebaut, in Kölleda hat eine Genossenschaft das alte Krankenhaus gekauft und umgestaltet. Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Also haben auch kleinere Orte aus Ihrer Sicht eine Zukunft, wenn man’s nur richtig anpackt?

Natürlich muss man sich fragen, ob langfristig jeder ländliche Ort zu den heutigen Bedingungen gehalten werden kann. Viele Orte in Thüringen werden sich in den nächsten ein bis zwei Generationen massiv verändern. In Kleinstädten wie Altenburg, Schmölln oder Meuselwitz wird die Infrastruktur ausgebaut, aber es wird auch Orte geben, in denen sich kaum noch etwas tut. Das bedeutet nicht, dass sie wüst fallen. Denn wo die Wege zur Apotheke oder zum Einkaufsmarkt länger sind, sind die Mieten niedriger, und es gibt Leute, die diese Bedingungen akzeptieren. Am Ende regelt sich das über Angebot und Nachfrage.

Bei sinkender Bevölkerungszahl im Altenburger Land muss die Nachfrage auch von außen kommen. Sind die Vermieter hier ausreichend kreativ und rege, wenn es um die Vermarktung ländlicher Wohnungen in den nahen Großstädten geht?

Neue Mieter kommen nicht von selbst, das ist richtig. Wir wollen den Wohnungsunternehmen helfen, sich nach außen zu öffnen, neue Vertriebskanäle auszubauen und Tendenzen zu nutzen, die sich zum Beispiel durch die S-Bahn-Anbindung an Leipzig ergeben. Natürlich muss auch ein passendes Wohnungsangebot dahinter stehen. Die Wohnraumförderung in Thüringen wird noch nicht in der Größenordnung abgerufen, wie wir und die Landesregierung das gerne hätten. Deshalb wird die Förderrichtlinie aktuell überarbeitet. Investitionen in Wohnraum müssen sich für den Vermieter rechnen, nur dann ist die Förderung attraktiv.

Von Kay Würker

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