Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Wollten die alten Altenburger Adelsbosse wirklich in die Fürsten-Gruft?
Region Altenburg Wollten die alten Altenburger Adelsbosse wirklich in die Fürsten-Gruft?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 15.05.2018
Die Särge in der Fürstengruft unter der Schlosskirche in Altenburg sind wegen Restaurierungsarbeiten mit Folien verhüllt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Prinz Christian von Sachsen-Altenburg war Mitte des 17. Jahrhunderts schon ein kleiner Star am Altenburger Fürstenhof. Der Knabe war hochintelligent, sprach italienisch und französisch und nahm bei seinen Reisen durchs Land bereits Huldigungen entgegen. In Gotha hielt der Filius von Herzog Friedrich Wilhelm II. eine Ansprache auf Latein. Der kleine Hoffnungsträger am Hof konnte seinen Vater als Chef des hohen Hauses leider aber nicht beerben. Am 5. Juni 1663 starb Christian mit elf Jahren an den Masern. Seine beeindruckende Leichenprozession hinauf zum Schloss ist auf einem Ölgemälde verewigt. Kurz darauf fand der kleine Prinz in der Fürstengruft seine letzte Ruhe.

Dort liegt er bis heute, seit 355 Jahren, neben seiner Mutter Magdalena Sibylle, die fünf Jahre später an des Prinzen Seite gebettet wurde. Zusammen mit dem Herzog, der seine Gattin nur um ein Jahr überlebte, sind dies die drei wichtigsten Personen in der Gruft. Das dunkle Gewölbe sehen kann die Öffentlichkeit aber sehr selten, nur hin und wieder zu Sonderführungen. Die Gänge hinunter sind eng, und auch die Totenruhe soll zumindest nicht ständig gestört werden.

Im Moment ist eine Besichtigung ohnehin nicht möglich. Denn die einst prunkvollen Särge sind – historisch eine kleine Zumutung – mit schwarzen Folien umhüllt. Zuvor waren die alten Begräbnis-Möbel von Spezialisten gereinigt und stabilisiert worden. Geöffnet werden aber sollten sie nicht. Auch ist im Moment unklar, wie lang die Restaurierungen noch dauern. Denn die Folien schützen die Särge auch vor Schmutz und Staub, die beim Abtragen des losen Putzes und seiner Erneuerung entstehen.

Die Gruft selbst ließen die Adligen um 1650 anlegen. Grund war wohl, dass der bisherige Begräbnisort, die Brüderkirche – der Vorgänger des jetzigen Baus – keinen Platz mehr bot. Als Erster fand seine letzte Ruhe aber niemand aus der Herrscherfamilie. Im bitterkalten Januar 1653 trugen Diener Sybylla Catharina von Metzschen hinab, eine Kammerhofmeisterin und Gemahlin des Oberhofmarschalls. Ob die Adelsbosse jemals vorhatten, sich dort einst selbst beisetzen zu lassen? Ganz sicher ist dies nicht. Denn die Gruft, die aus zwei Gewölben in unterschiedlicher Ebene besteht, hat äußerst bescheidene Ausmaße und offenbart ein nicht gerade herrschaftliches Ambiente. Drunten ist es eher trist und öde.

Ganz im Gegensatz dazu präsentieren sich die Särge der Hochwohlgeborenen, die in sechseckiger Form künstlerisch gestaltet wurden. „An die Ecken schmiegen sich vielfach Engel. Löwen halten Handhaben im Maul. Kartuschen, Wappen und Blumengirlanden überziehen den Sargkorpus“, heißt es im Buch „Das Altenburger Schloss“. Die teils farbigen Särge zierten Inschriften und Zitate.

Lange währte die klitzekleine Ruhestätte ohnehin nicht. 1777 war sie mit nun neun Särgen nämlich schon voll. Mit Prinz Moritz von Sachsen-Gotha-Altenburg schließt sich am 3. September jenes Jahres offiziell das letzte Kapitel der Gruft. Von da an wurden ihre Durchlauchten in Gotha beigesetzt. Denn 1672 starb die Herzogfamilie in Altenburg aus. Der in jenem Jahr verschiedene Herzog Friedrich Wilhelm II. war ihr letzter männlicher Vertreter, der ebenfalls in der Gruft bestattet liegt. Das Herzogtum wurde daraufhin geteilt, Herrschersitz war Gotha.

All dem zum Trotz diente die Fürstengruft noch einmal als historischer Schauplatz. 1806 grub man die Gebeine der 1486 verschiedenen Margarethe von Österreich in der Schlosskirche aus. Sie war die Mutter der im Altenburger Prinzenraub auch künstlerisch verewigten Nachwuchs-Herzöge Ernst und Albrecht. Die Störung der bis dahin 320 Jahre währenden Totenruhe Margarethes dauerte bis 1846. In diesen 40 Jahren bettete man die Gebeine der Stammmutter der ernestinischen und albertischen Linie vorübergehend in die Gruft. Danach kamen sie wieder in die Kirche, wo sich bis heute das Grab der Kurfürstin befindet.

Von Jens Rosenkranz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Altenburg Teichstraße in Altenburg - Auf Sperrung folgt Rechtsstreit

Vier Wochen war die Altenburger Teichstraße gesperrt. Doch erneuert wurde der kaputte Abwasserkanal nicht. Zwar kann der Verkehr vorerst wieder rollen, aber es folgt ein Rechtsstreit – und eine erneute Sperrung.

12.05.2018

Seit 25 Jahren arbeitet Uwe Melzer in der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue. Kein Wunder, dass dem 57-Jährigen der Abschied schwer fällt. Etwas erleichtert wird dieser aber durch die Aussicht, bald Chef des Altenburger Landes zu sein. Wie er sich darauf vorbereitet und was er als erstes bewegen will, verrät Melzer im OVZ-Interview.

14.05.2018

Die Deutsche Bahn hat den inzwischen gebührenpflichtigen Parkplatz am Altenburger Bahnhof an eine Firma aus Sachsen verkauft. Wie Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) sagte, sei diese auf die Bewirtschaftung solcher Flächen spezialisiert. Machen könne die Stadt aber nichts gegen die Gebühren.

11.05.2018