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Wunderwerke von Wunderkindern – Schlosskonzert im Doppelpack

Altenburg Wunderwerke von Wunderkindern – Schlosskonzert im Doppelpack

Das Wirken des Komponisten Franz Liszt (1811–1886) in Thüringen wird aller zwei Jahre zu Pfingsten durch die Liszt-Biennale gewürdigt – in Altenburg am Sonnabend und Montag mit dem beliebten Philharmonischen Schlosskonzert im Doppelpack. Vielleicht etwas zu viel, denn im Festsaal blieben an beiden Tagen doch etliche Stühle leer.

Thomas Wicklein und das Philharmonische Orchester – für beide gab es der Hitze wegen „Spielerleichterung“.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg.  Das Wirken des Komponisten Franz Liszt (1811–1886) in Thüringen wird seit 2011 regelmäßig durch die aller zwei Jahre zu Pfingsten an wichtigen kulturellen Orten es Freistaats stattfindende Thüringer Liszt-Biennale gewürdigt. In diesem Jahr war Schwerpunktort Weimar, 2021 wird es Altenburg sein. Dafür lief am Sonnabend und Montag mit dem Philharmonischen Schlosskonzert schon einmal ein erfolgreicher Probelauf, auch wenn im Festsaal an beiden Tagen doch etliche Stühle leer blieben.

Das Programm war ungewöhnlich. Es brachte bis auf einen Straußchen Schlussgalopp Werke dreier musikalischer Wunderkinder: Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Liszt. Sie begannen schon als Kinder zu komponieren. So war das Programm auch geprägt durch musikalische Jugendwerke.

Den Aufgalopp machte Franz Liszt mit der Ouvertüre zu seiner einzigen Oper „Don Sanche oder das Schloss der Liebe“. Es ist die Oper eines 13-Jährigen. Wer da Musik im Stile der harmonisch hochkomplexen symphonischen Dichtungen Liszts erwartet, ist bei Don Sanche auf dem falschen Weg. Aber jeder Besucher im Festsaal konnte mit dem stolzen Bewusstsein nach Hause gehen, diese Musik einmal in seinem Leben gehört zu haben. Ohne die Biennale wäre ihm dies sicher verwehrt geblieben.

Die Ouvertüre begann dramatisch, danach gab es ein liebevolles Auf und Ab, einen siebenminütigen Mischmasch im Stile italienischer Belcantomusik. Aber schön klang es, zumal sich das Orchester unter Leitung von Thomas Wicklein dafür kräftig ins Zeug legte. Gut, dass dem Dirigenten-Allrounder für solch ein wichtiges Konzert die musikalische Verantwortung übertragen wurde, denn er bringt dafür die Routine und Erfahrung mit, auch für die Moderation. Und selten hat man ihn so agil dirigieren gesehen, wie bei diesem Konzert.

„Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt,“ so Robert Schumann über seinen Freund und Kollegen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847). Dieser konnte in einer angesehenen musikalischen Familie sein Genie entfalten und schon mit neun Jahren in einem Konzert auftreten.

Die Kompositionen seiner jungen Jahre, vor allem die Streichersinfonien, von denen die Nr. 2 in D-Dur im Programm war, zeigen schon eine Souveränität, die den erwachsenen Mendelssohn erschrecken sollte und von denen er einige später ablehnte. Wir können heute ohne Skrupel auf sie blicken und genießen ihre Vorzüge, die das Orchester mit schönen Phrasierungen, mit klarer Stimmführung und auch mit Esprit deutlich machte.

Mozarts (1756–1791) Klavierkonzert Nr. 9 in Es-Dur KV 271 ist das letzte seiner Salzburger Periode und das vielleicht mozartschste aller seiner Werk. Es scheint, als wolle er damit sich und sein Werk in Wien vorstellen. „Schaut her, so schreibe ich Musik!“ Dieses Konzert gehört heute nach wie vor zu seinen beliebtesten, bekanntesten und meistgespielten. Seine melodische Schönheit und die musikalische Frische werden im besonderen in der Interpretation der russischen Pianistin Dina Ivanova deutlich, die vor zwei Jahren den 2. Preis beim internationalen Franz-Liszt-Wettbewerb gewann. Ihre Sensibilität und die mit virtuoser Technik unterlegte Natürlichkeit ihres Spiels zauberten ein Klangbild von überlegener Qualität in den Festsaal. Da Wicklein durch das Orchester mit der Solistin gleich zu atmen verstand, gab das ein harmonisches Ganzes voller musikalischer Poesie. Dass es nie gleichförmig wurde, verhinderte die Pianistin mit den Kadenzen und kurzen Solopassagen. Pianistin wie Orchester wurden diesem musikalischen Wunderwerk voll gerecht.

Ein ebensolches, doch von ganz anderer Art, begegnete dem Publikum mit Liszts Malediction für Klavier und Streicher, ein einsätziges Werk. Es ist herb und kantig und voller starker Kontraste. Das hinderte Rolf-Dieter Arens, den Präsidenten der Deutschen Liszt-Gesellschaft und ehemaligen Rektor der Musikhochschule Weimar, nicht, es grandios und mit geradezu verschwenderischer Klangfülle darzubringen. Dabei wurde er von Wicklein und seinem Orchester passgenau und kongenial exakt bei seiner Tastenschlacht zur Vertreibung des Fluches – so die Bedeutung von „Malediction“ – unterstützt. Es brauchte schon ein beträchtliches akrobatisches Geschick und eine hohe technische Virtuosität, um einem Stück dieses Schwierigkeitsgrades einen Schein von Leichtigkeit zu geben. Arens mangelte es glücklicherweise an beiden nicht. Dafür erhielt er starken, nicht enden wollenden Beifall.

Drei Klavierstücke Liszts waren als Zugaben im Programm schon eingeplant. Die Ouvertüre zu Mozarts Oper „Idomeneo“ und ein Galopp mit Liszt-Motiven von Johann Strauß (Vater) ergänzten das Programm.

Von Manfred Hainich

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