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Wurden über den Leichengang tatsächlich nur Tote aus dem Altenburger Schloss geschafft?

Serie Schlossgeheimnisse Wurden über den Leichengang tatsächlich nur Tote aus dem Altenburger Schloss geschafft?

Verborgene Gänge in historischen Gemäuern faszinieren seit jeher Besucher und befeuern deren Phantasie. Auch das Altenburger Schloss besitzt solche Gänge. Einer der merkwürdigsten davon beginnt, wo man ihn nicht vermutet: In einer kaum beachteten Schuppenanlage hinter dem Hausmannsturm.

Geheimnisvoll: der Leichengang im Altenburger Schloss.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Verborgene Gänge in historischen Gemäuern faszinieren seit jeher Besucher und befeuern deren Phantasie. Auch das Altenburger Schloss besitzt solche Gänge. Einer der merkwürdigsten davon beginnt, wo man ihn nicht vermutet: In einer kaum beachteten Schuppenanlage hinter dem Hausmannsturm, die früher auch als Lagerstätte für Schiefer oder andere Materialien diente, auf den die Bauleute bei Schäden und Reparaturen angewiesen waren und sich deshalb dort damit bevorrateten.

Der Gang beginnt hinter einer hochwertig verarbeiteten Holztür, über der ein sehenswerter und gut erhaltener Rundstein prangt. Ohne künstliches Licht wird es von da an zappenduster. Der Durchschlupf ist etwa 24 Meter lang, bis zu 2,70 Meter hoch, unterschiedlich, meist aber um die zwei Meter breit, und führt in östliche Richtung. Der Boden besteht stellenweise aus handgestrichenen Ziegelsteinen, die schon zu Kaiser Barbarossas Zeiten verwendet wurden, so alt aber in diesem Fall nicht sind. Davon geht Schlossmuseumsleiterin Ute Künzl aus.

Das Gewölbe weist Risse auf, die darauf hindeuten, dass das alte Gemäuer arbeitet. Außerdem existieren zwei Entlüftungsschächte, die nach oben zum Zwingerbereich führen. Verbaut wurden Materialien aus verschiedenen Epochen, was nicht ungewöhnlich ist, ging man mit Baustoffen in der Historie sparsam um und nutzte sei immer wieder.

Das letzte Drittel des Weges führt über eine abfallende Treppe, die sich im Höhen-Niveau nun dem Burgberg anpasst und an einem rundbogigen Ausgang mündet. Dieser ist – ganz klar – durch eine massive Tür fest verschlossen, die mit einem dicken Rundbalken verkeilt ist und sich deshalb nie und nimmer öffnen ließe. Käme man hinaus, landete man am Hang gegenüber dem Forsthaus. Wer von dort genau hinsieht, kann den nur Insidern bekannten Eingang geradeso erkennen.

Nur: Wozu diente dieser Weg vom Schlosshof zum Burgberg? In einigen Aktenbelegen wurde er als Leichengang bezeichnet. Darauf hatte Ute Künzl bereits im 2011 erschienen Buch „Das Altenburger Schloss“ hingewiesen. Genutzt worden sein soll er für jene Bediensteten des herzoglichen Hofes, die im Schloss verstorben waren, während den verblichenen Adligen bei ihrem letzten Gang der Weg durch den Torturm vorbehalten blieb.

Letzteres mag stimmen. Nur warum durchörtert man mit großem Aufwand den Burgberg, nur um Leichen niedergestellter Leute aus dem Schloss zu schaffen? Wohl wissend, dass jeder Zugang zu einer befestigten Burganlage auch ein Sicherheitsrisiko im Falle eine Angriffs oder einer Belagerung darstellt und daher eine aufwendige Bewachung erfordert. Und warum ist der Gang mit 2,70 Meter so hoch?

Womöglich wurden über ihn tatsächlich Leichen hinausgeschafft. Sein eigentlicher Zweck dürfte aber ein anderer gewesen sein. Bis auf einen klitzekleinen Pforte auf der Nordseite ist es neben dem Haupttor die einzige Verbindung nach draußen. In historischen Burganlagen gab es häufig an einer verborgenen Stelle ein kleines, durch Buschwerk verdecktes Türchen, durch welches während einer Belagerung Bewohner heimlich nach draußen gelangten oder auch unbemerkt hineinkommen konnten.

Allerdings gibt es für das Altenburger Schloss keine Quelle, die diesen Zweck für den Fall des Leichenganges belegen. Abwegig aber erscheint er nicht. Bisher ist auch nicht bekannt, wann der Gang gegraben und ausgemauert wurde. „Auf einem barocken Grundriss von 1730 ist er noch nicht eingezeichnet“, heißt es im Buch „Das Altenburger Schloss“. Erst ein 1838 erstelltes Verzeichnis aller Schlossgebäude benenne den Gang. Sein konkreter Verlauf sei erstmals einem um 1850 entstandenen Grundriss zu entnehmen. Ute Künzl nimmt daher an, dass der Gang im 18. oder doch erst im 19. Jahrhundert angelegt wurde.

Interessierte haben die Möglichkeit, den Leichengang im Rahmen einer Sonderführung des Zwingers am 21. Mai zu besichtigen.

Von Jens Rosenkranz

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