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Altenburg Yoga ist viel mehr als ein bisschen Dehnen
Region Altenburg Yoga ist viel mehr als ein bisschen Dehnen
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00:20 03.04.2018
Ursula Krause (r.) mit einem ihrer Kurse. Die 59-jährige Altenburgerin ist nicht nur Yogalehrerin, sondern bildet auch selbst aus. Quelle: Sophie Aschenbrenner
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Altenburg

Ursula Krause erinnert sich noch genau an den Moment, in dem sie dem Yoga verfiel. Das war bei einer Weiterbildung, die die damalige ausgebildete Physiotherapeutin besuchte. Das erste Mal kam sie in diesem Kontext mit Yoga in Berührung, und sie merkte sofort: „Das ist es!“ Im Jahr 2000 war sie die Erste in Altenburg, die eine solide Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht hat, erzählt sie. Heute ist die 59-jährige Altenburgerin nicht nur Yogalehrerin, sondern bildet auch selbst aus.

Die freundliche Frau, der die honigblonden Locken über die Schulter bis zum Schlüsselbein fallen, wohnt direkt über ihrem kleinen Yogastudio in der Geraer Straße 45 in Altenburg. Der Übungsraum ist lichtdurchflutet, violette Matten liegen auf dem Boden bereit, an der Wand hängen Hilfsmittel wie Gurte, im Regal stapeln sich Decken und Holzblöcke. Täglich bietet Krause hier Kurse an, dazu kommen die Ausbildungsklassen. Klein sind diese hier in Altenburg, viel familiärer als in Großstädten wie Dresden oder Leipzig, sagt Krause. Das ist ihr lieber – „nur so kann ich wirklich individuell auf jeden einzelnen eingehen, nur so entstehen spannende Diskussionen, in die sich jeder einbringt.“

Das stimmt. Als an einem Montagabend im März Krauses aktuelle Ausbildungsklasse im zweiten Lehrjahr vor dem Unterricht beim Tee zusammensitzt, ist die Stimmung vertraut. Auf dem Plan der Ausbildung steht nicht nur praktischer Unterricht, sondern auch viel Theorie – Anatomie zum Beispiel, wie an diesem Montag. Es geht gerade um die Hauptursachen für einen Herzinfarkt. Die Auszubildenden haben dicke Ordner vor sich liegen, schreiben mit, fragen nach, diskutieren miteinander. Ganz unterschiedlich sind die vier Schüler, und sich doch in ihrem Ziel sehr einig: mehr zu sich selbst finden, Yoga ganzheitlich praktizieren, und nicht als reine Abfolge von Bewegungen zu sehen, wie es manche andere tun.

Uwe macht schon seit 2005 Yoga. „Am Anfang habe ich Yoga vor allem als Sport gesehen. Das ist jetzt komplett anders“, erzählt er. Die Gedanken zur Ruhe kommen lassen, meditieren, Mantras singen, all das ist für ihn ebenso Yoga wie der Verzicht auf Fleisch, Nikotin und Alkohol. „Das habe ich von Ursula gelernt“, sagt er begeistert. Krause lächelt bescheiden. Im Rahmen der Ausbildung vegetarisch zu leben und auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten, ist Bestandteil des Verbands Yoga Vidya, wo Krause sich vor Jahren zur Yogalehrerin ausbilden ließ und der sie jetzt bei der Ausbildung unterstützt, unter anderem durch das Abnehmen der Prüfungen. Dafür zahlt Krause einen geringen Teil ihrer Bruttoeinnahmen an Yoga Vidya.

Krause unterrichtete zuerst in der Volkshochschule in Nobitz, wagte dann irgendwann „den Sprung ins kalte Wasser“, wie sie sagt, und machte sich selbstständig. Heute hat sie 70 bis 80 Stammkunden. Ihre erste Schülerin hatte sie im Jahr 2006, mittlerweile leitet sie ihre 10. Ausbildungsklasse. „Jeder, der kommt, ist für mich eine Bereicherung“, sagt Krause. Manche wissen schon bei Beginn der Ausbildung, dass sie als Yogalehrer arbeiten möchten, wie Uwe. Andere wollen erst einmal richtig tief in die Materie einsteigen, wie Julia, die ebenfalls im zweiten Ausbildungsjahr ist. Die 35-jährige Sozialpädagogin hat einen festen Job, den sie nicht aufgeben möchte. „Die Ausbildung mache ich für mich. Ich habe unheimlich viel über mich gelernt bisher“, sagt sie. Knapp 4500 Euro zahlen die Auszubildenden für die komplette zweijährige Ausbildung.

Insgesamt ist die Ausbildungslandschaft zum Yogalehrer in Deutschland sehr „bunt“, wie Maylin de Buhr vom Berufsverband der Yogalehrenden (BDY) in Deutschland sagt. Von kurzen Intensivblocks hält der Berufsverband wenig. „Eine ordentliche Ausbildung sollte zwei Jahre gehen und um die 500 Unterrichtseinheiten umfassen“, sagt de Buhr.

Die Ausbildung bei Krause beschränkt sich nicht nur auf die Theorie- und Praxiseinheiten in ihrer Schule. „Natürlich gibt es Hausaufgaben – Literatur lesen, die Theorie wiederholen, meditieren, die eigene Yogapraxis verbessern“, zählt die Lehrerin auf. Ihre Schüler finden das gut. „Yoga praktizieren, meditieren, das ist mittlerweile ein Bedürfnis für mich“, sagt Auszubildende Kathrin. „Ich habe das alles mit in den Alltag genommen.“

Mehr Infos unter www.yoga-vidya.de

Von Sophie Aschenbrenner

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