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Zankapfel mit Altenburg: Deponie stinkt Wintersdorf gewaltig

1992 Zankapfel mit Altenburg: Deponie stinkt Wintersdorf gewaltig

„Wintersdorf wird Klage gegen Altenburg erheben“: So titelte die OVZ (Osterländer Volkszeitung) in ihrer ersten Ausgabe am 20. Januar 1992. Es ging um die soeben stillgelegte Schadstoffdeponie in Wintersdorf. Auch 25 Jahre danach ist das Müllproblem noch aktuell, doch Ortschef Reimann ist heute guter Dinge.

Auf der Deponie läuft aktuell die Umlagerung von Müll sowie die Abdeckung mit Elektroofenschlacke.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Wintersdorf.  Den Auftakt unserer Serie macht das OVZ-Gründungsjahr 1992. In ihrer ersten Ausgabe am 20. Januar berichtete die Osterländer Volkszeitung übers Neujahrsgespräch des Wintersdorfer Bürgermeisters Thomas Reimann. Titelzeile: „Wintersdorf wird Klage gegen Altenburg erheben“. Der Gemeindechef kündigte juristische Schritte gegen die Stadt an, die damals die Eigentümerin der örtlichen, soeben stillgelegten Schadstoffdeponie des ehemaligen Bezirkes Leipzig war. Eine Geschichte, die auch ein Vierteljahrhundert später noch nicht am Ende ist. „Aber auf gutem Wege. Ich bin guter Dinge, dass das Thema in Kürze erfolgreich abgehakt werden kann“, sagt Thomas Reimann, immer noch Wintersdorfer Ortschef, nun als Ortsteilbürgermeister im Gefüge der Stadt Meuselwitz.

So viel vorweg: „Ich habe dann meines Wissens doch keine Klage eingereicht. Denn bevor es so weit war, hatten sich die Rahmenbedingungen schon wieder verändert“, erinnert sich Reimann. Tatsächlich ist die Sanierungsgeschichte dieser Deponie eine ziemlich bewegte – vor allem geprägt von Rechtsstreitigkeiten und immer neuen jähen Wendungen. Zunächst stritt sich Altenburg mit dem Freistaat Thüringen. Denn bereits 1997 waren Vermögen und Grundstücke der Deponie dem Land zugeordnet worden – eine Entscheidung der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben. Doch Thüringen zog vor Gericht. Erst 2003 ging die Altlast offiziell ins Eigentum des Freistaates über. Und auch dort wechselten die Zuständigkeiten. Erst kümmerte sich die landeseigene Thüringer Sonderabfalldeponie GmbH, ab 2007 die Landesentwicklungsgesellschaft, wenig später griff auch das Thüringer Umweltministerium ins Steuer.

Entsprechend wechselhaft ist auch die Historie der Sanierungsideen. Mitte der 1990er-Jahre sollte die Deponie aufgefüllt und abgedeckt werden, zum Beispiel mit dem Abbruchmaterial alter Brikettfabriken. Das scheiterte an der Finanzierung. 2008 wurde deutlich: Der Müll – darunter 25 Tonnen Altreifen und etliche Fässer mit Lacken und öligen Flüssigkeiten – muss aus tieferen Schichten geborgen und umgelagert werden, um auch bei steigendem Grundwasserspiegel Sicherheit zu haben. Gestritten wurde auch über die Art der Oberflächenabdichtung und die künftige Entwässerung. Und immer wieder ging’s ums Geld.

So verzögerte sich der ursprünglich für 1997 avisierte Sanierungsstart bis 2014. Seitdem werden in Wintersdorf jene 16 Hektar Fläche auf Vordermann gebracht, die von 1972 bis 1989 als Kippe dienten. Und weil an manchen Stellen der Müll noch tiefer lag als angenommen, läuft die Sanierung noch immer. Aktueller Fertigstellungstermin: Sommer 2018. Eine Geduldsprobe für Wintersdorf und Thomas Reimann. „Ich musste in all den Jahren immer wieder kämpfen. Auch um Informationen zum Stand der Arbeiten. Doch jetzt habe ich keinen Grund mehr zu klagen“, bilanziert der 61-jährige Ortsteilbürgermeister. Und erinnert sich noch immer gern an die Zeiten vor der Deponie-Eröffnung, als er mit Freunden im Tagebaurestloch baden gehen konnte.

Von Kay Würker

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