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Zebra-Auftritt in Altenburg: Zirkusverband und Stadt lassen die Muskeln spielen

Wildtierverbot Zebra-Auftritt in Altenburg: Zirkusverband und Stadt lassen die Muskeln spielen

Nächste Runde im Streit ums Altenburger Wildtierverbot: Nachdem die Stadt dem Zirkus Aeros wegen des Auftritt zweier Zebras gekündigt hatte, schaltete sich der Verband deutscher Circusunternehmen ein.

Stein des Anstoßes: Der Auftritt dieser beiden Zebras des Zirkus Aeros wird wohl ein juristisches – und offenbar auch ein politisches – Nachspiel haben.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Der Streit um das Gastspiel des Zirkus Aeros in Altenburg geht in die nächste Runde. Nachdem die Stadtverwaltung dem Unternehmen wegen des unerlaubten Auftritts zweier Zebras Ende vergangener Woche gekündigt hatte (die OVZ berichtete), hat sich nun der Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU) zu Wort gemeldet. Dabei widerspricht VDCU-Chef Dieter Seeger Aussagen von Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und kündigte zudem eine juristische Auseinandersetzung für den Fall an, dass gegen den Zirkus Aeros tatsächlich ein Bußgeldbescheid ergeht.

Eingeschaltet hat sich der Verband übrigens auf die Bitte von Aeros-Direktor Bernhard Schmidt hin. „Wir sind um Vermittlung gebeten worden, obwohl der Zirkus Aeros kein Mitglied bei uns ist“, erklärte Seeger, der auch die Tourneeleitung für die Branchengröße Charles Knie inne hat und schiebt nach: „Noch nicht, aber hoffentlich bald.“

Seiner Meinung nach sei die Sache in Altenburg jedenfalls anders gelaufen als von OB Wolf dargestellt. Demnach habe es keine fristlose Kündigung gegeben, so dass der Zirkus sein Gastspiel habe durchziehen können. „Dafür hätte man vorher auch eine Abmahnung aussprechen müssen“, erklärte der VDCU-Chef. Vielmehr habe man das sofortige Verlassen des Platzes abwenden können und vereinbart, dass das entsprechende Schreiben an die Hausanschrift des Zirkus’ gehe und nach dem Ende des Gastspiels ankomme. „Im Gegenzug haben wir vereinbart, dass auf die Aufführung der Zebras für die übrigen Vorstellungen verzichtet wird und das, obwohl es dafür eigentlich aus rechtlicher Sicht keinen Grund gibt.“ Man habe jedoch eine weitere Eskalation vermeiden wollen.

„Derartige Beschlüsse sind unwirksam“, sagte Seeger mit Bezug auf kommunale Auftrittsverbote für Zirkusse mit Wildtiere, wie das in Altenburg. „Denn sie greifen in Bundesrecht ein.“ Dort gebe es aber kein Wildtierverbot. „Einen entsprechenden Antrag hat nun auch der Umweltausschuss des Bundestages abgelehnt.“ Dazu verwies er unter anderem auf unanfechtbare Entscheidungen der Oberverwaltungsgerichte Lüneburg und Greifswald von Anfang März beziehungsweise Anfang dieses Monats.

In ihren Urteilen erklärten beide Gerichte die jeweils von den Städten Hameln und Schwerin erlassenen Wildtierverbote für unwirksam. Hauptsächlich deswegen, weil eine Kommune einem reisenden Zirkusunternehmen, das mit tierschutzrechtlicher Erlaubnis Wildtiere dabei hat, aus Tierschutzgründen nicht verbieten darf, städtische Flächen zu nutzen. Weder im Allgemeinen, noch im Speziellen.

„Der Zirkus ist auch fest entschlossen, falls etwas wie ein Bußgeld kommt, mit rechtlichen Schritten dagegen vorzugehen“, kündigte Seeger an und sicherte dabei die Unterstützung des von ihm geleiteten Verbands zu. „Wir haben bereits die Klagen in Hameln und Schwerin begleitet.“ Denn bei Wildtieren habe eine Kommune kein Selbstverwaltungsrecht. In Richtung Altenburgs Stadtoberhaupt Wolf sagte er: „Der OB sollte vielleicht mal überlegen, warum nicht jeder Dorfschulze Gesetze machen kann.“

Den hiesigen Stadträten empfahl er zudem, sich mal in einem Zirkus die Haltung, Pflege und den Transport der Tiere anzuschauen. „Die Debatte ist eine regelrechte Verfolgungsjagd und Hetze von Tierrechtsorganisationen“, sagte Steeger. „Diese läuft auf rein emotionaler, ideologischer Ebene ab und hat mit der Realität nichts zu tun.“

OB Wolf zeigt sich in der Sache unbeeindruckt. „Das Bußgeldverfahren ist jetzt eine reine Verwaltungsgeschichte, die wir in angemessener Form umsetzen werden“, erklärte der Rathauschef. „Der Zirkus wird deswegen aber nicht in Insolvenz gehen müssen. Aber ohne geht es auch nicht.“ Dass Seeger gegen den Bescheid klagen will, sieht er gelassen: „Das soll er tun. Ich bin aber nicht verrückt und setzte deswegen einen Stadtratsbeschluss nicht um.“

Von Thomas Haegeler

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