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Zechau: Kritik am Pumpen

Zechau: Kritik am Pumpen

Die Zukunft des bereits 1959 aufgegebenen Tagebaus Zechau ist noch immer nicht abschließend geklärt. Die zuständige Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) ist bereits seit 2010 mit dem Erarbeiten eines Planfeststellungsverfahrens beschäftigt.

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Ein Frauenschuh: Angeblich laufen in Zechau zum Erhalt der seltenen Pflanze Entwässerungspumpen.

Quelle: Mario Jahn

Laut LMBV-Pressesprecher Uwe Steinhuber kann es auch noch weitere fünf Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Wichtigster Gegenstand der Planfeststellung ist die Flutung des Tagebaurestloches bis zu einem Endwasserspiegel von 193,20 Meter über Normalnull, was einem Anstieg von rund 15 Metern entspricht. Um das fürs Erste zu verhindern, laufen außer in den Wintermonaten seit Jahren ununterbrochen Pumpen. Das ist ein enormer finanzieller und personeller Aufwand, denn die Pumpen müssen täglich gewartet werden. Aus Sicht des Naturschutzbundes ist das völlig übertrieben.

Im ehemaligen Tagebau Zechau finden seltene Pflanzen und geschützte Tiere einen Lebensraum, deshalb ist das Restloch ein europarechtlich geschütztes Flora-Fauna-Habitat (FFH). Das weiß auch der Chef des Altenburger Mauritianums und Vorsitzender des Landesverbandes des Naturschutzbundes, Mike Jessat. Doch die Lebensräume durch Abpumpen künstlich zu bewahren, findet er abwegig. "Davon halte ich überhaupt nichts. Es hat meiner Auffassung nach auch wenig mit Naturschutz zu tun, mit viel Energie Lebensräume unnatürlich zu erhalten." Schließlich würden im gleichen Moment neue Lebensräume entstehen, in dem durch den Pegelanstieg die alten verschwinden.

Die Pumpen würden ausschließlich wegen des Naturschutzes laufen, informierte auf OVZ-Nachfrage die LMBV. Das dadurch erhaltene Kalk-Flachmoor ist unter anderem Heimat des extrem seltenen Frauenschuhs, der als eine der wertvollsten Gewächse dort gilt. Ob es ihn noch gibt, ist inzwischen unklar. Gegenüber der OVZ erklärt Margitta Pluntke, Botanikerin im Mauritianum, dass der Frauenschuh zumindest in diesem Jahr nicht mehr gesehen wurde. Zwar bedeute das nicht, dass es die Orchidee in Zechau nicht mehr gibt, doch es sei auch nicht auszuschießen. "Denn der Bewuchs verändert sich im Laufe der Zeit, und damit verändern sich auch die Lebensräume." Größer werdende Büsche und Bäume zum Beispiel würden auch mehr Schatten werfen.

"Doch der Frauenschuh ist nicht die einzige schützenswerte Art in Zechau", erklärt die Botanikerin und nennt beispielhaft den Bunten Schachtelhalm. Pluntke räumt aber ein, aktuell keinen exakten Überblick zu haben, welche Pflanzen im Restloch Zechau wachsen.

Das weiß auch Birgit Seiler, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis, nicht genau. Sie betont, Zechau sei ein europarechtlich geschütztes FFH-Gebiet, für das eigentlich die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (TLUG) verantwortlich ist. Das Landratsamt sei lediglich die Kontrollbehörde. "Und als solche kümmern wir uns eher darum, dass dort niemand zeltet oder angelt", erläutert Seiler.

Unterdessen erteilt die LMBV der Spekulation, die Pumpen liefen nur, um die Standfestigkeit der Böschungen nicht zu gefährden, eine kategorische Absage. Das Gegenteil sei der Fall, argumentiert LMBV-Geograf Max Wille. "Erst nachdem der endgültige Wasserstand erreicht ist, sind auch die Böschungen im Inneren flächendeckend und dauerhaft stabil." Für Objekte außerhalb der Tagebaukante sei bereits jetzt eine ausreichende Sicherheit vorhanden, betont Wille. Das sei in mehreren Gutachten nachgewiesen.

Neben den Belangen des Naturschutzes und den Fragen der Standsicherheit spielt auch das verseuchte Grundwasser aus dem benachbarten Schelditz eine gewichtige Rolle. Die Frage ist, inwieweit eine Flutung den Grundwasserspiegel im Rositzer Ortsteil beeinflusst. Und ebenso, ob die Schelditzer Schadstoffe im Restloch Zechau landen können. Letzteres sei praktisch ausgeschlossen, so Wille, weil das Grundwasser von Zechau Richtung Schelditz fließe und nicht umgekehrt. Diese Erkenntnis beruht auf dem hydrogeologischen Großraummodell vom Oktober 2008. Zwischenzeitlich wurde das Gutachten weiter vertieft und verfeinert. Es prognostiziert für Schelditz, dass sich der Grundwasserspiegel in den kommenden Jahrzehnten um circa 1,50 Meter erhöhen kann. Weniger als ein Drittel werde durch eine Flutung des Tagebaurestloches Zechau hervorgerufen, so LMBV-Sprecher Steinhuber.

Aus der Osterländer Volkszeitung vom 05.09.2015

Jörg Reuter

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