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Altenburg Zeugnisse aus der NS-Zeit in Altenburg vor dem Abriss
Region Altenburg Zeugnisse aus der NS-Zeit in Altenburg vor dem Abriss
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19:06 19.10.2012
In der Fachwerk-Baracke am Eingang des ehemaligen Armaturenwerkes waren in den Jahren 1944 und 1945 KZ-Häftlinge untergebracht. Quelle: Henning Gans

Doch der Leipziger Heimatforscher Henning Gans schlägt Alarm. Denn auf dem Gelände stehen noch Baracken aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als insgesamt 13 000 KZ-Häftlinge in dem angrenzenden Hasag-Werk unter Zwang Waffen und Munition herstellen mussten. Vor Kurzem erst hat der Heimatforscher eine, nach eigenen Angaben bisher unentdeckte, Inschrift gefunden, die er auf die Zeit um 1945 datiert.

Auch Wolfgang Böhm, Vorsitzender des Altenburger Geschichtsvereins, sieht ein Problem in dem Abriss: "Die jetzt laufenden Abrissarbeiten sind vorschnell und unbedacht." Der Heimatforscher beschäftigt sich seit Längerem mit der Aufarbeitung des KZ-Außenlagers in Altenburg.

Seitdem steht dabei die Frage im Raum, wie eine gebührende Erinnerung an die NS-Zwangsarbeiter am Ort des Geschehens aussehen kann. Seit 2006 ist zwar eine Gedenktafel am ehemaligen Verwaltungsgebäude des Rüstungskonzerns angebracht, ein öffentlich zugänglicher Erinnerungsort fehlt aber weiterhin. "Wir haben mit der Stadtverwaltung besprochen, dass wir uns vorstellen könnten, eine Baracke zu erhalten oder eine andere Form für einen Erinnerungsort zu finden", so Böhm. Doch zu weiteren Gesprächen sei es nicht gekommen.

Im Rathaus sieht man derzeit allerdings keinen Handlungsbedarf. "Das Thüringer Amt für Denkmalpflege hat das Gelände vor Jahren begutachtet und konnte keinen Denkmalcharakter feststellen", erklärt Wirtschaftsförderer Tino Scharschmidt. Für die Stadtverwaltung gebe es keinen Anlass, die Entscheidung infrage zustellen.

Jürgen Fröhlich von der unteren Denkmalschutzbehörde der Kreisstadt war bei mehreren Besichtigungen dabei: "Nach damaligem Kenntnisstand wurde das Gebiet als nicht denkmalrelevant für Thüringen erklärt", erläutert der Fachmann. "Das heißt aber nicht, dass der Ort nicht stadthistorisch von Bedeutung sein könnte." Sollte es neue Erkenntnisse geben, müssten die auch geprüft werden.

Auch Böhm ist klar, dass nicht alle Zeugnisse der Vergangenheit erhalten werden können. Doch gerade in der Zeit von 1938 bis 1945 gebe es noch viele weiße Stellen in der Geschichtsschreibung Altenburgs. Er sieht hier die Stadtverwaltung in der Pflicht. "Die Stadt sollte auf jeden Fall irgendwie involviert sein. Das, was passiert ist, ist von den damaligen Stadträten gebilligt worden, es ist eine Altenburger Geschichte", behauptet der Heimatforscher. Generell gäbe es viele Möglichkeiten, um den Opfern der NS-Zeit würdevoll zu gedenken. "Man könnte zum Beispiel Stelen an den jeweiligen Orten aufstellen, dafür bräuchten wir aber die Unterstützung der Stadtverwaltung", sagt Böhm.

Derweil schreiten die Abrissarbeiten im Gewerbegebiet Poststraße weiter voran. Bis zum Ende des Jahres soll eine Fläche von elf Hektar freigeräumt sein. Die Erschließung des Gewerbegebietes könnte nach Angaben der Stadt bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein. Florian Theis

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