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Altenburg Zieh Leine – Fotos zwischen Socken und „Schlüppern“
Region Altenburg Zieh Leine – Fotos zwischen Socken und „Schlüppern“
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09:55 25.12.2016
Vor ihren ungewöhnlichen Wäscheleinen-Geschichten: Stephen Swartz, Kai-Uwe Hoffmann und Michael Kaleita (v.l.). Quelle: Jens Paul Taubert
Altenburg

Zieh Leine – und stell was aus! Es war eine bier- oder genauer guiness-launige Stimmung, bei der diese Idee im dicken Schaum dieses irischen Lebenselixiers Form annahm. Zudem war es im Altenburger Pub, auf der Terrasse, und auch noch sommerlich warm. Offensichtlich die beste „Petrischale“ für Ideen, oder besser Spinnereien aus denen handhabbare Ideen werden können. Hier jedenfalls wuchs sich die abendliche Spinnerei zu einer, noch in geistigen Sphären schwebend, Fotoausstellung mit Zusatz aus.

Kai-Uwe Hoffmann brachte beim sommerlichen Klönen alte Motive ins Spiel, die nur im Archiv liegen und verstauben und die mal „frisch gewaschen“ gezeigt werden könnten. Bei Stephen Swartz war da kein langes Überlegen, und Micha Kaleita war ebenfalls gleich Feuer und Flamme, nach der ersten Ausstellung, damals im Wasserwerk Remsa zu sehen, wieder mit Stephen auszustellen. Auch hatte Swartz, der seit zehn Jahren in Leipzig beziehungsweise Altenburg arbeitet und lebt, schon einmal mit Hoffmann und zwei anderen Künstler zusammengearbeitet – bei der Industriebrachenumgestaltung, kurz Ibug, in Limbach-Oberfrohna. „Ich will immer etwas machen, das mich herausfordert“, sagt er. Und so war man sich schnell handelseinig.

Das Trio zeigt seit Freitagabend in der Altenburger Johannisstraße 1, einem leerstehenden Ladengeschäft, 21 Foto-Arbeiten, die alle, einer Idee Hoffmanns folgend, auf Stoff gedruckt worden sind. Tja, und was macht man mit Stoff? Man hängt ihn auf. Auf eine Leine, eine Wäscheleine. Und hier ist der Zusatz zur Fotoausstellung, denn da gehört auch Wäsche hin. So kam zu den stoffgewordenen, angeklammerten Motiven Wäsche in ihrer normalsten Erscheinungsweise hinzu.

Diese erzählt Geschichten, wie es die Bilder auch tun. Wäscheplätze waren und sind vielleicht noch immer Orte der Kommunikation, des Redens über Gott und die Welt Genau das, Reden nämlich, wünschen sich die Macher und Aussteller für ihre Galerie „zwischen den Jahren“. Und einen Austausch. Besucher sollen mit ihren eigenen Augen auf Entdeckungsreise und mit Fragen auf die Macher zugehen. Der Betrachter soll zwischen gespannten Wäscheleinen und Textilstücken die Kunstobjekte selbst entdecken. Folgerichtig sind alle Motive ohne Titel, um der Expedition der Gäste in diese Bilderwelten keine Steine in den Weg zu legen.

Der Raum gibt vom Platz vielleicht wenig mehr her, aber mit der Reduzierung auf sieben Fotos von jedem Künstler bleiben auch die Kosten für solch unabhängige Aktivitäten in einer handhabbaren Größe. Stephen Swartz: „Ich finde es gut, wenn man Kunst, die aus der Reihe tanzt, eine solche Plattform geben kann.“

Die Ausstellung kann vom 25. bis zum 29. Dezember zwischen 14 und 16 Uhr besucht werden. Wobei der zeitliche Start fix ist, das Ende aber eher offen. Micha Kaleita meint: „Mir gefällt es gut, gewissermaßen einen Wäscheplatz zu imitieren, wo früher geklascht und getrascht wurde.“ Und Tratschen hat die Eigenschaft, auch mal länger zu dauern.

Die „Jungs“ hoffen und freuen sich auf zahlreiche und interessierte Besucher, mit denen genau solche Gespräche geführt werden können. Es darf natürlich auch getratscht werden. Und Kay Hoffmann findet: „Es ist sehr schön, eigene Kunst mal auf Stoff und in dieser Form ausgestellt zu sehen.“

Einer solchen Idee ist großer Zuspruch zu wünschen, zumal der Eintritt frei ist

Von Jens Paul Taubert

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