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Zirkus Robini: "Unsere Existenz können wir nicht riskieren"

Zirkus Robini: "Unsere Existenz können wir nicht riskieren"

Für den zweijährigen Diego und seine zwei Jahre ältere Schwester Cheyenne ist die Welt in Ordnung - wenn sie nur beim Tiere-Verladen helfen dürfen, wie die großen Zirkusleute.

Leisnig.

Ihrer Mutter Ramona, nach außen beinahe gelassen wirkend, ist die Sorge ins Gesicht geschrieben: Mitten in der Spielzeit das Zelt abzubauen, um wegen des Hochwassers den Platz zu verlassen, das ist für das kleine Unternehmen eine Katastrophe.

 

"Wenn ich am Sonntag hier auf den Platz komme und dann steht hier gar kein Wasser - dann heule ich." Dies sagt die 23-Jährige dann doch sehr aufgebracht, wohl wissend, dass der Familienrat um ihren Schwiegervater und Seniorchef Robin Schmidt die richtige Entscheidung getroffen hat. "Unsere Existenz können wir nicht riskieren. Was hier auf dem Platz steht, ist alles, was wir haben, womit wir unseren Lebensunterhalt verdienen."

 

Das war in den vergangenen Monaten schwer genug, wie die junge Frau schildert: Am ersten Spielort der Tournee in Altenburg drohte die Schneelast das Zeltdach einzudrücken. In großer Höhe musste geschaufelt werden. Die Heizkosten drücken, Futter und Einstreu für die Tiere müssen immer da sein. Shoppen gehen, was andere Frauen ihres Alters zu ihren Hobbys zählen, das zählt für Ramona Schmidt gar nicht. "Wir geben lieber unser Geld für die Tiere aus. Aber auch dafür müssen wir spielen." Nach dem langen Winter kam das Unternehmen mit seinen 15 Erwachsenen und sechs Kindern im Alter von sechs Monaten bis 13 Jahren nur schwer in Tritt. Und jetzt auch noch das Hochwasser...

 

Als es im Radio und überall darum ging, meldete sich Seniorchef Robin Schmidt im Leisniger Rathaus und erfuhr: Die Muldenwiese ist tatsächlich nicht so hochwassersicher, dass man bei drohender Warnstufe vier nicht doch nasse Füße bekommt. "Das geht für uns gar nicht. Die Unterbauten fürs Zelt nehmen Schaden, die Einstreu im Stallzelt fault - darauf lassen wir es nicht ankommen." Thomas Schröder vom städtischen Bau- und Ordnungsamt: "Zusammen mit dem Wehrleiter haben wir den Platz mit dem Zirkus daraufhin in Augenschein genommen. Man muss schon damit rechnen, dass die Mulde kommt." Zwar sei der Festplatz an der Muldenwiese bei seiner Befestigung höher angelegt worden. Bei höheren Wasserständen wird es trotzdem knapp. Die Zirkusleute bauten gestern alles ab. Das Stallzelt steht nun am Schützenhaus-Rummelplatz. Der ist zu klein, um das Zelt für eine Vorstellung aufzubauen. Einige Wagen können, falls dort der Platz nicht reicht, ins Gewerbegebiet gestellt werden. So gibt es wohl wenigstens keine Sachschäden. Doch Ramona Schmidts Sorge ist noch eine andere: "Wenn wir nicht spielen, kommt kein Geld rein, um beispielsweise den Sprit für die Fahrt zum nächsten Spielort zu finanzieren." Und dort, so habe man schon in Erfahrung gebracht, sollen sie auf einem Wiesenplatz aufbauen. Der sei vom Regen vielleicht extrem aufgeweicht und mit den schweren Autos nicht befahrbar. Ob sie dann nicht lieber gleich noch einige Tage in Leisnig bleiben? "Da müssen wir später drüber nachdenken. Zuerst muss das Naheliegende erledigt werden." Das heißt unter anderem: Noch die Wäsche zusammen packen, Kostüme zum Verstauen ordnen und, und, und...

 

Wer im Vorverkauf Eintrittskarten für eine Leisniger Vorstellung hat, bekomme das Geld zurück, sagt die junge Frau. Sie weiß, dass auch ihre Gäste aufs Geld schauen müssen. Der Zirkus Robini wolle auf dem Platz am Schützenhaus auf jeden Fall das Stallzelt für die Tierschau öffnen. Und Ramona Schmidt wünscht sich auch, dass die Besucher dann ein paar Euro Spenden da lassen für die Tiere, "denn die sind unser Ein und Alles." Diego und Cheyenne jedenfalls haben das schon mit der Muttermilch aufgesogen. Sie wollen am liebsten beide den Führstrick in der Hand halten, damit der Kleine Donner auch gut auf den Hänger kommt. Die großen Zirkusleute machen das auch so.

Steffi Robak

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