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Altenburg Zu Besuch am Stand des Obsthofes Martin
Region Altenburg Zu Besuch am Stand des Obsthofes Martin
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17:36 06.11.2018
Seit 2013 verkauft Jaqueline Eichhorn am Marktstand des Obsthofes Martin ihre Produkte. Bei ihr gibt es nur Obst aus eigenem Anbau. Quelle: Jörg Reuter
Altenburg/Zeitz

Erdbeeren, Spargel oder Orangen über zwölf Monate stets im Angebot – wer das sucht, ist bei Jaqueline Eichhorn falsch. Seit 2013 verkauft sie am Marktstand des Obsthofes Martin. „Bei uns gibt es nur Obst aus eigenem Anbau, wir kaufen keines dazu. Wenn eine Sorte alle wird, dann gibt es die eben erst in der kommenden Saison wieder“, sagt die 42-Jährige. Gerade sind es vor allem Äpfel und Birnen, Aprikosen oder die letzten Pflaumen der Saison, die sie vor sich im Angebot hat.

Obstbauer Christian Martin hat die Obstwirtschaft in Posa vor elf Jahren von seinem Vater übernommen. Quelle: Jörg Reuter

Alles stammt von den Plantagen am Kloster Posa bei Zeitz. Vor elf Jahren hat Christian Martin die Obstwirtschaft von seinem Vater übernommen. Dieser hatte auf den Flächen am Kloster Posa 1991 begonnen, den Betrieb aufzubauen. Mittlerweile bewirtschaftet Christian Martin mit acht Angestellten und acht Saisonkräften 22 Hektar. „Das klingt vielleicht nicht viel, aber für einen Direktvermarkter ist es viel Fläche“, findet der Firmenchef. Ein Hofverkauf, ein großer Verkaufsstand in Zeitz und fünf Transporter, die zwischen Halle, Leipzig und Gera auf Wochenmärkten unterwegs sind, sorgen für den nötigen Absatz.

Verkauf an Großhandel lohnt sich nicht

„An den Großhandel verkaufen wir seit Jahren nicht mehr“, sagt Martin. Das lohne sich einfach nicht, nicht bei seiner Betriebsgröße. Weil diese nicht erfolgreich mit dem internationalen Obst konkurrieren könne, das im Großhandel und den Supermarktregalen landet. „Da kannst du nur über Masse Geld verdienen“, meint Martin. Deshalb habe schon sein Vater die Direktvermarktung aufgebaut.

Nichtsdestotrotz löst das Stichwort Regionalität beim Obstgutbetreiber keine Euphorie aus. „Vom Trend hin zum Regionalen wird schon seit Jahren geredet. Doch am Ende wird es wohl immer Leute geben, die zum günstigen Obst im Supermarkt greifen, und welche, die ganz bewusst auf regionale Produkte achten“, sagt Martin und betont: „Nichtsdestotrotz: Wir bieten aber zu 100 Prozent Regionalität.“

Und das schmecke man, erklärt Martin. Was kein plumper Werbespruch sei, sondern sich aus der Art und Weise der Vermarktung ergebe. „Das ist ganz einfach: Wenn eine Frucht zwei, drei Wochen oder länger unterwegs ist, bis sie hier im Laden liegt, muss sie entsprechend eher gepflückt werden, damit sie in der Transportzeit nachreifen kann. Weil das bei uns aber wegfällt, können die Früchte länger am Baum ausreifen.“

Handarbeit wird bei der Ernte großgeschrieben

Geerntet wird im Obsthof Martin übrigens ausschließlich per Hand. Spezielle Erntemaschinen wie Rüttler habe er keine. Zum einen lohne sich das wohl nicht, doch noch entscheidender ist, dass es auch noch keine wirklich funktionierenden Automaten gibt. „Äpfel zum Beispiel müssen abgedreht oder Kirschen mit dem Stiel gepflückt werden. Das können momentan nur Menschen und keine Roboter“, erläutert Martin. Dazu kommt, dass nahezu alle Obstsorten empfindlich sind. Dabei geht es nicht zuletzt ums Verkaufen.

Martin baut auch kein Bio-Obst an. Er arbeite nach den Richtlinien des kontrolliert integrierten Anbaus, sagt er und bestätigt, dass er Mittel gegen Pilzerkrankungen einsetzt und auch Insekten bekämpfen muss. „Wie Bio-Äpfel aussehen, kann sich jeder am Straßenrand ansehen. Die sind so nicht verkäuflich. Das gleiche gilt für Kirschen oder Pflaumen, die voller Maden sind“, erklärt Martin. Letztlich hegt er auch Zweifel, ob für Obstsorten wie etwa Kirschen ein professioneller Bio-Anbau möglich ist. „Also ich würde gern auf die überteuerten Mittel verzichten.“

Apfelmus ohne jeden Zusatz als neuestes Angebot

Möglich ist es auf alle Fälle, Apfelmus ohne jeden Zusatz herzustellen, denn das gibt es auch bei Christian Martin. „Das mein neues Produkt, natürlich aus eigenen Äpfeln und ohne zusätzlichen Zucker oder Konservierungsstoffe“, preist er sein neues Angebot an. Die Saftpresse, die seit Jahren bereits die Säfte für ihn herstellt, hat eine solche Anlage zur Apfelmusherstellung umgebaut, erklärt Martin. Seit Jahren arbeitet er auch mit einem Imker zusammen. Der Imker stellt seinen Bienenwagen auf die Plantage, und Martin verkauft den Honig an seien Ständen. „Das Einzige, was ich dazukaufe, sind Gemüse und verschiedene saure Gurken.“

Von Jörg Reuter

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