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Altenburg Zu schmale Grünstreifen an Bachufern bei Altenburg sind Flut-Risiko
Region Altenburg Zu schmale Grünstreifen an Bachufern bei Altenburg sind Flut-Risiko
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13:21 01.10.2017
Die Grünstreifen an Gewässern,wie hier beim Gerstenbach, sind ein hohes Schadensrisiko bei Hochwasser. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Seit Jahren bereitet die Stadt Altenburg gemeinsam mit den Nachbargemeinden Gerstenberg, Kriebitzsch, Lödla und Nobitz ein Konzept für einen besseren Hochwasserschutz und eine Gewässerentwicklung vor. In diesem Jahr konnte nun der Auftrag nach einer europaweiten Ausschreibung vergeben werden. Das wurde am Rande eines Gewässer- und Nachbarschafttages bekannt, der kürzlich in der Kreisstadt stattfand. Danach sollen im kommenden Jahr das Konzept vorliegen und die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Dieses Konzept definiert Hochwasserrisiken und Schutzziele, ermittelt wirksame Schutzmaßnahmen sowie Gewässerentwicklungs- und -unterhaltungsprojekte entlang von Gerstenbach, Blauer Flut sowie Kleiner Jordan und dem Deutschen Bach. Als nächste Schritte stehen unter anderem die Ausweisungen von Überschwemmungsgebieten an.

Insgesamt sind es 19 Gemeinden, die Anlieger an diesen Bächen sind. Doch von diesen machen nur fünf mit. Dadurch werden auch die Kosten für die Studie – 240 000 Euro abzüglich 80 Prozent Fördermittel – nur durch fünf geteilt. Für Altenburg bleiben dabei 33 160 Euro übrig, obwohl die Skatstadt gerade hinsichtlich solcher Ausgaben „auf dem letzten Loch pfeift“, gestand Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) während der Tagung ein. Die zunehmenden Hochwasserrisiken erforderten, dass alle beteiligten Anrainer-Gemeinden sich an der Gewässerentwicklung beteiligten, machte Wolf deutlich.

Extreme Risiken für Hochwasserschäden könnten jetzt gesetzlich entschärft werden. Noch immer ackern Landwirte direkt bis an die Bachufer. Die Landesregierung bereitet nach Informationen der OVZ in ihrem neuen Wassergesetz vor, dass der Mindestabstand wieder auf zehn Meter bei einem Grünstreifen festgeschrieben wird. Eine Fünf-Meter-Grenze soll erlaubt sein, falls es in diesem Bereich Bäume gibt. Wenn Ackerland direkt an ein Gewässer grenzt, kommt es bei Starkregen oft zu einem massiven Eintrag von Schlamm, der bei Hochwasser meist in den Orten landet und dort für verheerende Verschmutzung sogt. Diese Schlammschäden seien meist die größten, schätzte Tino Möbius von der Thüringer Aufbaubank ein. Das habe sich bei der Schadensregulierung herausgestellt. Eigentlich seien die Landwirte laut Bodenschutzgesetz des Bundes sogar verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Böden bei Regen nicht abgetragen werden und in den Bächen landen. Verstöße dagegen seien auch im Altenburger Land oft zu beobachten, weil das kaum beachtete Gesetz nicht durchgesetzt werde, sagte Möbius.

Als zweites großes Risiko nannte er die jahrelangen Bachbegradigungen, die dazu geführt haben, dass die Gewässer nicht mehr mäandern, sondern schnurgerade verlaufen und ihr Wasser rasend schnell in Richtung der Ortschaften transportieren – zehnmal schneller als früher. Als Beispiel nannte der Fachmann den Gerstenbach. Möbius forderte, dass das Totholz in den Bächen nicht mehr beseitigt und dort liegengelassen wird. Diese so erreichte Staufunktion führe dazu, dass das Wasser bei Starkregen aufgehalten und nicht so schnell abgeleitet wird. Als Ausnahme nannte Möbius allerdings Bereiche vor Brücken, die durch herangeschwemmtes Holz verstopft würden.

Auch dem Altenburger Oberbürgermeister seien Fälle bekannt, wo Landwirte direkt bis an das Ufer ackern oder wo Drainage-Leitungen weggerissen wurden. Wolf betonte aber, dass man mit den Bauern im Gespräch bleiben und deren betriebswirtschaftlichen Druck berücksichtigen müsse. Sei das Hochwasser aber erst einmal in seiner Stadt, sei es schon zu spät für Gegenwehr. Denn die Kanalisation sei bei Starkregen oft überlastet. Der Stadt sei es nicht möglich, von heute auf morgen vom Mischwasser- auf das Trennsystem umzustellen oder alle Kanäle auf einmal zu erneuern. Der laufende Bau eines Regenrückhaltebeckens am Teichknoten sei allein schon eine gigantische Investition.

Von Jens Rosenkranz

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