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Zu wenige Lehrlinge: Pierer-Berufsschule kann keine Klassen für Köche und Friseure einrichten

Zu wenige Lehrlinge: Pierer-Berufsschule kann keine Klassen für Köche und Friseure einrichten

Lehrlingsmangel an der Pierer-Berufsschule: Geplante Klassen können nicht gebildet werden. In ganz Thüringen steht Berufsschulen aus den gleichen Gründen eine Welle von Schließungen und Fusionen bevor.

Altenburg/Erfurt. Von Robert Büssow

Für angehende Köche und Friseure sah es in diesem Schuljahr in Altenburg düster aus. Roger Pröhl, Schulleiter am beruflichen Schulzentrum "Johann Friedrich Pierer", wollte zwar Klassen einrichten - konnte es aber nicht. Zu wenige Lehrlinge. "Auch wir haben Probleme, Fachklassen zu besetzen", sagt Pröhl. Nun müssen die Azubis nach Gera pendeln.

Die Demografie schlägt in Altenburg voll durch: Von 1650 Schülern Mitte der 90er-Jahre sind an der Pierer-Berufsschule nur noch 900 übrig. "Im Baugewerbe hatten wir damals 120 Schüler - heute null. Auch das Handwerk und Gastgewerbe sind betroffen", sagt Pröhl. Manche Klasse besteht inzwischen aus weniger als zehn Schülern.

Nach OVZ-Informationen durfte auch eine Klasse der Höheren Berufsfachschule für kaufmännische Assistenten, Fachrichtung Betriebswirtschaft, laut Beschluss des Bildungsministeriums am Standort Altenburg nicht gebildet werden. Die betroffenen 14 Schüler sollen nach Möglichkeit in duale Berufsausbildungen oder Vollzeitausbildungen umgelenkt werden. In Jena hingegen wäre auch der ursprünglich gewünschte Bildungsgang zu absolvieren.

In der Tat sind die Mini-Klassen Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) ein Dorn im Auge. Die vorgeschriebene Mindestgröße beträgt eigentlich 15 Schüler. Laut Ministerium reißen in diesem Jahr 512 von 3328 Klassen in Thüringen diese Vorgabe und wurden nur per Sondergenehmigung eröffnet. Damit will Matschie nun Schluss machen, denn kleine Klassen sind teuer. Rund 225 Millionen Euro kosten ihn die Berufsschulen im Jahr.

Matschie wirft den Landkreisen als Schulträgern vor, die Demografie verschlafen zu haben: Seit 2003 hat sich die Zahl der Berufsschüler von 80 600 auf 46 700 an staatlichen Einrichtungen fast halbiert, aber nur jede fünfte Schule wurde geschlossen. "Ich will keine Überkapazitäten finanzieren müssen", so Matschie. Er kündigte eine neue Richtlinie zur Schulnetzplanung an, um bei den Mindestgrößen härter durchzugreifen. "Diese Richtlinie tritt mit dem Schuljahr 2013/14 in Kraft", so das Ministerium. Bis dahin haben die Träger Zeit, selbst zu reagieren.

Altenburgs Landrätin Michaele Sojka (Linke) hat den Warnschuss gehört und einen Vorort-Termin mit Bildungsstaatssekretär Roland Merten vereinbart. "In die zwei Berufsschulen in Altenburg wurden Millionen investiert, sie sind top aufgestellt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt Sojka. In Erfurt geschmiedete Fusionspläne lehnt sie ab, sie könne sich aber vorstellen, Synergien zwischen beiden Schulen zu erschließen.

Ihr Ziel sei es, mehr Azubis nach Altenburg zu locken. "Wenn alle Schulabgänger mit sehr guten Voraussetzungen beispielsweise auch wieder gern Elektriker würden oder sich in anderen gefragten Berufen die Ausbildung vorstellen könnten, wäre vielen Unternehmen, die händeringend Bewerber suchen, und auch unserer Pierer-Berufsschule geholfen", meint sie.

Auch Direktor Pröhl betont, man sei nicht untätig gewesen. Das Altenburger Land hat sich vor drei Jahren der Berufsbildungsregion Ostthüringen angeschlossen und einer gewissen Fächer-Konzentration zwischen den Kreisen zugestimmt. Bereits heute beherberge die Pierer-Schule eine Landesfachklasse für Land- und Baumaschinen-Mechaniker sowie Textilmechaniker aus Thüringen sowie eine Fachklasse Papier und Verpackung für alle neuen Bundesländer.

Schließungen von Klassen, geschweige ganzen Schulen - ein hochsensibles Feld, weiß Bildungsminister Matschie. Nicht nur Eltern und Schüler steigen auf die Barrikaden, auch die Wirtschaft. Da werden mitunter große Unternehmen vorgeschickt und drohen sogar mit Abwanderung.

Bei der IHK Erfurt ist man gespalten: "Kleine Klassen sind gut für die Wissensvermittlung, aber es muss auch ökonomisch sein", sagt Thomas Fahlbusch, Abteilungsleiter Weiterbildung. "Am wichtigsten ist die Planbarkeit. Uns ist eigentlich egal, ob die Lehrlinge nach Jena oder Weimar müssen, nur bisher haben die Unternehmen das oft zu spät erfahren."

Um die Schüler nicht für die Demografie zu bestrafen, sollte das Land die Kosten für Anfahrt und Übernachtung übernehmen, fordert Fahlbusch. Bisher kommt das Bildungsministerium nur im Härtefall auf - und so soll es auch bleiben, heißt es. Die Mindestgrenze auf zehn Schüler zu reduzieren, wie die IHK Gera vorgeschlagen hatte, wurde ebenfalls abgelehnt.

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