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Zuckersüß - doch nicht zum Naschen

Zuckersüß - doch nicht zum Naschen

"Aufgetischt! Lebenslust & Tafelfreuden" heißt es am Pfingst-Wochenende zu den Schlössertagen in Thüringen. Mit dabei ist auch das Altenburger Schloss - und hat dabei gar Spektakuläres zu bieten.

Altenburg.

 

 

 

Zu bestaunen ist im Festsaal nämlich das monumentale Zuckerbankett der Jülicher Hochzeit von 1585 in der Nachgestaltung von Georg Maushagen aus Düsseldorf.

 

Der renommierte Zuckerbäcker, der wegen seiner Kunstfertigkeit wie Schmackhaftigkeit der von ihm gefertigten Kreationen mittlerweile weltweit agiert, hat nach einer historischen Vorlage diese Form des Schau-Essens gefertigt, erläutert Museumsdirektorin Uta Künzl. "Geschirr, Besteck und mannigfach Zubehör sowie Dekor ist der historischen, originalen Hochzeit von Herzog Johann Wilhelm mit Jacobe von Baden nachempfunden."

 

Das Zuckerbankett wurde mit drei Autos aus Düsseldorf nach Altenburg geholt. "Und ist zum Glück völlig unbeschadet hier angekommen", freut sich Museumsmitarbeiter Toralf Keil, der zu den vier Skatstädtern gehörte, die den Transport begleiteten. Das ungewöhnliche Schauobjekt, das inzwischen 13 Jahre alt ist, wird vermutlich nicht nur über Pfingsten, sondern auch zur Museumsnacht ein Anziehungspunkt sein. Denn am 14. Juni kommt Maushagen persönlich, um sein Werk vorzustellen (siehe untenstehenden Beitrag). Danach wird das Bankett noch bis Ende August im Schloss zu sehen sein. "Es muss aber noch einmal umziehen, vom Festsaal in einen der herzoglichen Wohnräume. Darauf freuen wir uns jetzt schon", sagt Uta Künzl mit einem gewissen Galgenhumor angesichts der filigranen Kunstwerke.

 

Doch der Zuckerbäcker hat sich nicht nur von der Jülicher Hochzeit, sondern auch von Shakespeares Sommernachtstraum inspirieren lassen. Entstanden ist unter anderem ein zwei Meter hohes, in Altenburg erstmals zu sehendes Kunstwerk aus dem Spezialzucker Tragant. Auf sechs Etagen und von einem Pavillon überspannt, agieren die Protagonisten der Komödie, begleiten zahlreiche Musiker das Geschehen. Georg Maushagen, dessen bemerkenswerten gestalterischen Fähigkeiten während eines Design- und Bildhauerstudiums sowie zahlreichen Seminaren in Malerei und Grafik geschult wurde, verlieh den Figuren aus Isomalt eine bemerkenswerte Lebendigkeit, so Uta Künzl anerkennend.

 

Eröffnet wird am 7. Juni außerdem die Sonderausstellung "Von Steinzeug bis Porzellan - Geschirrteile aus vier Jahrhunderten", die einen kulturgeschichtlichen Streifzug zum Tafelzubehör bietet.

 

Zuzüglich gibt es Pfingsten anlässlich der Schlössertage noch eine Vielzahl von Veranstaltungen. So gestatten täglich stattfindende Themenführungen Einblicke in die streng organisierten Hofämter Küche und Keller. Lesungen lassen die Eindrücke und Erlebnisse des um 1900 in herzoglichen Diensten stehenden Mundkochs Robert Julius lebendig werden. Seine brillant formulierten Memoiren ziehen laut Künzl den Zuhörer unweigerlich in ihren Bann. Sie lassen nicht nur die Hofküchenatmosphäre nachempfinden, sondern widerspiegeln auch andere höfische Ereignisse.

 

Bereits am Freitag lädt das Residenzschloss zu einer kurzweiligen musikalisch-literarischen Veranstaltung ein. Höfische Tafelmusik und Tafelsitten stehen um 19 Uhr im Mittelpunkt eines Konzerts mit Lesung. Die bekannte Altenburger Schauspielerin Mechthild Scrobanita wird von den kulinarischen Sitten und Gebräuchen am Hofe berichten und der Solo-Oboist des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera, Günter Gäbler, steuert zusammen mit Schlossorganist Felix Friedrich am Orgelpositiv Tafelmusik aus dem 16. und 18. Jahrhundert bei. So werden die Renaissance-Tänze von Claude Gervaise und die Sonate g-Moll von Georg Philipp Telemann aus dessen musikalischem Zyklus Tafelmusik von 1733 zur Aufführung kommen. Daneben stehen Werke von Johann Wilhelm Hertel, Johann Ludwig Krebs oder Carl Philipp Emanuel Bach, dessen 300. Geburtstag die musikalische Welt in diesem Jahr feiert, auf dem Programm. Die Gäste können sich während der Pause an dem Zuckerbankett optisch erfreuen und erhalten eine Einführung in diese, heute fremdartig anmutende Thematik.

 

Am Pfingstsonntag dann lässt sich der Museumsbesuch tatsächlich mit einem lukullischen Genuss verbinden, wenn im Festsaal des Schlosses "Süßes aus dem Altenburger Land" kredenzt wird. Ute Beier, im Museum sonst fürs Management zuständig, wird dafür Altenburger Landkuchen backen, den man mit Blick aufs Zuckerbankett im Festsaal genießen kann. "So lange der Vorrat reicht, denn wir sind ja kein Café", lacht die Museumschefin.

 

Der Eintritt zur Tafelmusik kostet zehn Euro (ermäßigt acht Euro). Karten gibt es im Vorverkauf an der Museumskasse oder bei der Altenburger Tourismus-Information. Reservierungen werden unter Tel. 03447 512710 entgegengenommen. Zu den Führungen wird ein Aufpreis von zwei Euro zum regulären Eintrittspreis erhoben. Die Teilnehmerzahl ist hier jeweils auf 20 Personen beschränkt (Infos unter Tel. 03447 502712). Das Schloss- und Spielkartenmuseum ist zu Pfingsten an allen Tagen, also auch am Montag, von 9.30 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr) geöffnet.

Ellen Paul

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