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Altenburg Zuckertüten: Rositzer ABC-Schützen müssen Geduldsprobe bestehen
Region Altenburg Zuckertüten: Rositzer ABC-Schützen müssen Geduldsprobe bestehen
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13:44 14.08.2016
Aufstellen zum Erinnerungsfoto. Quelle: Nicole Rathge-Scholz
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Rositz

Fast 700 Kinder wurden am Sonnabend im Altenburger Land eingeschult. Strahlender Sonnenschein erwartete am Vormittag auch die 20 Erstklässler der Insobeum-Schule in Rositz.

Alle Mädchen und Jungen waren fein heraus geputzt, auch die Eltern, Verwandten und Bekannten hatten sich an diesem besonderen Tag in Schale geworfen. Während der Feierstunde wurden die ABC-Schützen in den Dschungel entführt und erfuhren, ob man sich ins Lesen verlieben kann oder sogar muss. Nachdem sie im Schulhaus das Klassenzimmer besichtigt und ihren Ranzen gepackt hatten, ging es in den bunt geschmückten Innenhof. Dort richtete Schulleiterin Annett Kunerl liebe Worte an die neuen Schüler und gab ihnen Kraft für ihren neuen Lebensabschnitt. „Fürs Lernen braucht ihre eine Prise Mut, dann wird auch alles gut“, lautete ihre Botschaft.

Gespannt waren die Mädchen und Jungen natürlich auf ihre Zuckertüten. Doch was war das? „Liebe Kinder, ich weiß gar nicht, was in diesem Jahr los ist. Vielleicht waren wir alle nicht brav oder es hat zu wenig Sonne geschienen. Die Zuckertüten sind in diesem Jahr ganz klein, so klein, dass sie in einen Korb passen“, meinte die Schulchefin zu den erstaunten Kindern. Die Lehrerinnen und Erzieherinnen verteilten die kleinen, von einem Radiosender gesponserten Zuckertüten. Dann fragte die Schulleiterin, ob denn alle Kinder zufrieden seien, was sie bejahten. Erst bei neuerlicher Nachfrage gab es zwei, drei mutige Kinder, die zugaben, sie seien enttäuscht. Also lüftete Schulleiterin Kunerl das Geheimnis und kündigte die Familie von Fiber-Trommel-Chef Rainer Pöhlmann mit ihrem Lanz Bulldog samt Planwagen an, der auch gleich um die Ecke getuckert kam. Natürlich mit wertvollem Gepäck: den großen Zuckertüten für die ABC-Schützen.

„Es ist eine wunderschöne Veranstaltung in einem tollen Rahmen, und das unterstützen wir gern“, sagte Anne Pöhlmann. Der Lanz Bulldog sieht aus wie ein großes Spielzeug, mit der Zuckertüte ein Foto davor, macht die Einschulung unvergesslich. Bereits seit elf Jahren bringt Familie Pöhlmann in Rositz die Zuckertüten. „Ich hatte damals für die Übergabe etwas Originelles gesucht. Eines Tages kam mir Herr Pöhlmann mit seiner Lanz entgegen, und ich habe in meinen Gedanken die Tüten daran hängen sehen. Also fackelte ich nicht lange und fragte ihn, und er sagte auch sofort zu“, so Schulleiterin Kunerl, die sich freut, dass diese Tradition weiterhin besteht.

20 Schulanfänger nahmen nun aufgeregt einer nach dem anderen die große Zuckertüte entgegen, alle so prall gefüllt, dass die Kinder sie kaum tragen konnten.

Insgesamt lernen im neuen Schuljahr 97 Kinder an der Insobeum-Schule. Sie werden von vier Lehrerinnen und drei Erziehern unterrichtet und betreut. „Ich freue mich, dass wir das neue Schuljahr mit strahlendem Sonnenschein starten können, bin aber auch traurig und wütend zugleich“, so Kunerl. Eine Kollegin falle krankheitsbedingt für längere Zeit aus, und der Schule werde kein Ersatz gestellt. „Die Kollegen müssen den Ausfall kompensieren. Ich hoffe, dass wir im Sinne der Kinder und auch des Kollegiums einen Ersatzlehrer gestellt bekommen.“

Nichtsdestotrotz erlebten Kinder, Pädagogen, Verwandte und Bekannte einen unvergesslichen Schulanfang auf dem Gelände des Insobeums. Klassenlehrerin der 20 neuen Schüler ist Petra Kränkel. „Wir starten am Montag nicht gleich mit dem Unterricht“, erklärte sie. Zunächst stünden organisatorische Dinge im Fokus. „Die Kinder müssen sich auch erstmal kennen lernen, ebenfalls die Arbeitsmittel und das Schulgebäude.“

Auch für die Eltern ist der Schulanfang ein besonderer Tag. „Es schwingt schon etwas Wehmut mit. Denn jetzt ist es kein kleines Kind mehr, sondern ein Schulkind“, meinte Beatrice Sagewitz, und ihr Mann Steven fügte hinzu. „Es beginnt nun ein neuer und spannender Lebensabschnitt für unsere Tochter Lilly-Sophie – wie auch für uns.“

Von Nicole Rathge-Scholz

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