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Züchter trotzen am Sonnabend Sturm und Kälte

Altenburger Taubenmarkt Züchter trotzen am Sonnabend Sturm und Kälte

Wenn auf dem Altenburger Markt in aller Herrgottsfrühe der Hahn kräht, dann ist es der dritte Sonnabend des Monats Februar. An diesem Tag findet traditionell der Altenburger Taubenmarkt statt, wobei der Name etwas verwirrend ist, denn es sind auch andere Tiere erlaubt. In diesem Jahr mussten die gerade mal noch knapp 50 Züchter Sturm und Kälte trotzen.

Manfred Kahnt und Friedheim Kluge (r.) aus Monstab versuchen am Sonnabend ihre Züchtungen an den Mann zu bringen. Auch der sechsjährigen Marie aus Altenburg haben es die Tauben und kleinen Hühner angetan.

Quelle: Klaus Peschel

Altenburg. Wenn auf dem Altenburger Markt in aller Herrgottsfrühe der Hahn kräht, dann ist es der dritte Sonnabend des Monats Februar. An diesem Tag findet traditionell der Altenburger Taubenmarkt statt, wobei der Name etwas verwirrend ist, denn es sind – siehe Hähnekrähen – auch andere Tiere erlaubt. Den Markt gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts und seine Geschichte begann auf dem Roßplan. Inzwischen wird er vom Kreisverband der Rassegeflügelzüchter organisiert und am Leben erhalten.

Im vergangenen Jahr musste der Taubenmarkt ausfallen. Der Grund war die Vogelgrippe und die damit verbundene Stallpflicht. In den Jahren zuvor ging die Zahl der Aussteller drastisch zurück. Schuld daran seien die angeblich zu hohen Tierschutz-Auflagen. Waren es nach der Jahrtausendwende noch rund 300 Züchter, die den Markt bevölkerten, so zählte man am Sonnabend nicht einmal 50. „Der Amtstierarzt war morgens schon da und hat sich alles angesehen“, sagte Manfred Quaas. Für den 74-jährigen Züchter aus Monstab/Lödla ist Tierschutz eine Selbstverständlichkeit: „Die Tauben und Hühner brauchen eine Deckung nach hinten und Wasser.“ Manfred Quaas züchtet seit einem halben Jahrhundert Zwerg-Welsumer. Das ist eine Hühnerrasse, die aus Holland stammt und 1947 als Rasse anerkannt wurde. Quaas gehört zum Urgestein des Taubenmarktes. Wie fast alle anderen auch. Man kennt sich.

Dabei war der 74-Jährige nicht einmal der Älteste, der Wind und Kälte trotzte. Das war der 80-jährige Günter Zwintscher aus Lucka. Seit Jahrzehnten hält er dem Altenburger Taubenmarkt die Treue. Er züchtet kleine Hühner, Englische Zwergkämpfer. „Hier schaut man sich nach neuem Blut für die Zucht um und gibt Tiere ab“, erzählte er. Der Preis war in der Regel Verhandlungssache. Er lag zwischen zehn und 15 Euro. Und es wurde am Sonnabendvormittag ordentlich gehandelt und gekauft.

Viele sieht man mit zufriedenem Gesichtsausdruck und einem Transportbehälter in der Hand den Markt verlassen. Es sind ausschließlich Männer. Ist Rassegeflügelzucht reine Männersache? Es scheint so zu sein. Günter Voigt aus Nobitz stimmte dem zu. „Über 90 Prozent der Vereinsmitglieder sind Männer“, sagte der 77-jährige Züchter. Und diese Männer sind nicht mehr die Jüngsten. Damit die Rassegeflügelzüchter nicht zu einer aussterbenden Rasse werden, sucht man dringend Nachwuchs.

„Doch die Interessen der jungen Leute liegen heute ganz woanders als bei uns nach dem Krieg“, gab Manfred Quaas zu bedenken. „Schon aus der Not heraus hielt man sich damals Federvieh.“ Der 80-jährige Günter Zwintscher sah das ähnlich und merkte humorvoll an: „Auf dem Altenburger Taubenmarkt können junge Leute sehen, wie ein Huhn oder eine Taube aussieht, da müssen sie nicht erst in den Zoo gehen.“ Das wird den Rassegeflügelzüchtern kaum neue Vereinsmitglieder bringen. Vereinzelt sah man Mütter oder Väter mit ihren Kindern an den Ständen vorbei gehen. Sie blieben stehen, machten sogar Fotos. Doch der Besuch der jungen Leute war nicht gezielt. Meist kamen sie zufällig vorbei, weil man zum Einkaufen in der Altstadt war. Um die Zukunft seiner Zucht von Zwerghühnern der Rasse Chabos braucht sich Friedheim Kluge indes keine Sorgen zu machen. Der 68-jährige Züchter aus Monstab: „Die kleinen Hühner werden bei uns schon in dritter Generation groß gezogen, ich habe sie von meinem Vater übernommen, und mein Sohn setzt unsere Arbeit fort.“

Der diesjährige Altenburger Taubenmarkt war sauber und für die zufällig Vorbeigekommenen durchaus ein Blickfang. Es durften nur Federvieh, Karnickel und Meerschweinchen angeboten werden. Keine Schafe. Einer hatte aber welche, solche aus Kamerun. Die hatte er aber nicht mitgebracht, dafür einen Zettel an einen Käfig geheftet mit einer Telefonnummer zum Rückruf. Auf gleiche Weise wurde eine Ponykutsche für sechs Personen angepriesen. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Elf Uhr war der Taubenmarkt vom Winde verweht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Sturmbö fegte über den Markt. Die Züchter brachten ihre Tiere in den Transportkisten unter und traten die Heimreise an.

Von Klaus Peschel

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