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Altenburg Zum 60. Mal „Klassik bei Kerzenschein“ in Altenburg
Region Altenburg Zum 60. Mal „Klassik bei Kerzenschein“ in Altenburg
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18:01 03.04.2018
Der Jubilar: Kapellmeister Thomas Wicklein führte wie immer souverän durch die Veranstaltung, die inzwischen Kult-Charakter genießt. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Wenn andernorts ein 60-jähriges Jubiläum begangen wird, dann werden die Trommeln gerührt und die Fanfaren geblasen, werden Hymnen gespielt und Feuerwerke gezündet und es werden Orden und Medaillen vergeben.

Langer Atem über 18 Jahre

Wenn im Theater eine neue Veranstaltungsreihe installiert wird, die sich zur Kultveranstaltung entwickelt, meistens ausverkauft war und nun zum 60. Male in Altenburg im Spielplan steht, dann nimmt man dies zur Kenntnis und freut sich eventuell darüber, solch einen Mitarbeiter im Ensemble zu haben. Einen, der nicht nur die Idee dafür hatte, sondern der auch noch das Stehvermögen besitzt, über Jahrzehnte hinweg 60 verschiedene Programme zu entwerfen, hunderte von Solistinnen und Solisten dafür zu gewinnen und sein Orchester so lange bei der Stange zu halten, dass es zum 60. Mal noch mit genau so viel Begeisterung spielt wie bei der Premiere im Mai 2000. Über 18 Jahre an einem Theater eine Veranstaltungsreihe am Leben zu erhalten, die nach 60 unterschiedlichen Vorstellungen noch ausverkauft ist, bildet auch deutschlandweit eine Ausnahme.

Die Jubiläumsveranstaltung ging nach ihrem Umzug ins Große Haus, wodurch man zwar mehr Gästen die Teilnahme an dieser Reihe ermöglichte, aber nie die besondere Atmosphäre wie im Heizhaus erreichte, zum Jubiläum am Ostersonntag wieder in dieses zurück – wohl auch wegen der Reminiszenz. Das Publikum konnte den Musikerinnen und Musikern wieder auf die Hände schauen und erlebte die Musik ganz unmittelbar. Das Heizhaus war restlos gefüllt wie eh und je, das Publikum erwartungsvoll wie immer.

Gelungener Einstieg

Und es gab wieder musikalisch Unbekanntes zu Hören. Thomas Wicklein hatte sich auf rein Orchestrales festgelegt und das mit Instrumenten, die man so nur ganz selten in Konzerten findet: Balalaika, Bandonium und Kontrabass.

Zum Einstieg aber gab es Schubert – eine seiner beiden Ouvertüren im italienischen Stil, die in C-Dur D 591 aus dem Jahre 1817. Dieser wollte beweisen, dass er auch im Stile von Gioacchino Rossini komponieren könne, dessen Ouvertüren damals allerorten erklangen. Das gelang Schubert nur bedingt. Er konnte die gewisse Schwere, die jeder romantischen Musik inne liegt, nicht vermeiden und erreichte so nicht die geistreiche Leichtigkeit Rossinis, um die sich Wicklein mit dem großen Orchester erfolgreich bemühte.

Das war ein guter Einstand, zumal die nachfolgende Musik für alle unbekannt war – für das Orchester, den Dirigenten und für das Publikum einschließlich des Rezensenten. Von neuer, teilweise unbekannter Musik lebt ja „Klassik bei Kerzenschein“, das ist Wickleins Markenzeichen und macht diese Reihe auch so spannend.

Ausgefallene Instrumentierung

Eduard Tubin (1905-1982) war diesmal der Neue, ein estnischer Komponist, der im September 1944 an Bord eines Segelschiffes vor den heranrückenden sowjetischen Truppen nach Schweden floh und bis zu seinem Lebensende dort lebte und wirkte. So schrieb er zehn Sinfonien, Chorwerke, Ballette und Opern.

Thomas Wicklein stieß bei seinen musikalischen Ausgrabungen auf zwei seiner Konzerte, eines für Balalaika und eines für Kontrabass. Beide Werke zeugen von einer herben, modern geprägten Musik mit einer rhythmischen Vielfalt im Orchesterpart und den solistischen Teilen, wobei sie eine breite Virtuosität der Solisten erfordert, der sowohl Madin Adeniyi Johann Ogunlade – seit 1989 in Leipzig lebend – mit seiner kleinen Balalaika, als auch Philip Nelson, Sohn des Orchesterbassisten Peter Nelson und in London Kontrabass studierend, vollauf gerecht wurden. Für das Publikum waren das neue, hochinteressante Musiken.

Optimaler Abschluss

Dazwischen gab es zwei Tangos von Astor Piazzolla, Oblivion (Vergessen) und seinen Welthit, den Libertango, solistisch gespielt mit dem Bandoneon von dem Cellisten im Orchester, Matthias von Hintzenstern. Ein Ass auf zwei völlig unterschiedlichen Instrumenten, was so ganz selten ist.

Dazu die Interviews mit allen Solisten und mit interessanten und klugen Äußerungen und langem und herzlichem Beifall des Publikums und die üblichen Blumen. Darunter leider keine unüblichen zum 60. an den Jubilar.

Von Manfred Hainich

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