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Altenburg Zum Schlafen gefesselt: Drei Kita-Erzieherinnen fristlos entlassen
Region Altenburg Zum Schlafen gefesselt: Drei Kita-Erzieherinnen fristlos entlassen
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20:44 15.11.2012
Die Kindertagesstätte "Spatzennest" in Altenburg-Südost. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Von Ellen Paul

Volker Kibisch (53), Geschäftsführer des Kreisverbandes Altenburger Land der Volkssolidarität, kann noch immer nicht fassen, was er auf Fotos ansehen musste: Kinder im Alter zwischen null und zwei Jahren aus der Kleinkindgruppe sind bis zur Schulter straff in Decken gewickelt, und um die Decken herum sind Windeln oder Bänder geschnürt. Die Kleinen können sich aus dieser Lage weder selbst befreien noch überhaupt bewegen. "Das erfüllt den Straftatbestand der Freiheitsberaubung. Einbinden und Fixieren von Kindern ist ein unakzeptables Verhalten, das mit dem Anliegen der Volkssolidarität und der Umsetzung des Thüringer Bildungsplanes in Kindereinrichtungen nicht einhergeht", sagt Kibisch,

Diese Form der Kindeswohl-Gefährdung, wie es in der Fachsprache heißt, hat eine Schülerin der Euro-Schulen Altenburg aufgedeckt. Sie absolvierte im "Spatzennest" im Oktober ein Praktikum und hatte die Aufgabe, die Einrichtung vorzustellen. Bei der Präsentation ihrer Arbeit sahen die entsetzten Lehrer nicht nur wunderschöne Fotos über die beliebte integrative Kindertagesstätte in Altenburg-Südost, sondern unter der Überschrift "So müssen die Kinder schlafen" auch eine Seite mit besagten Fotos. Kritisch sei auch das "Abfüttern" bewertet worden. Die Euro-Schule informierte sofort die Volkssolidarität und diese das Landratsamt. Warum die Praktikantin die von ihr beobachteten Vorfälle nicht sofort meldete, ist unklar.

Den drei Erzieherinnen wurde fristlos gekündigt. Laut Kibisch haben sie die Taten eingeräumt. Angesichts der Foto-Beweise sei ihnen auch kaum etwas anderes übrig geblieben. "Ich bin noch immer geschockt und fassungslos. Es waren alles gestandene Erzieherinnen", so der Geschäftsführer. Dass man Kinder nicht festbinden oder auf andere Art fixieren dürfe, gehöre schon zum Einmaleins der Ausbildung. Zum Glück habe keines einen körperlichen Schaden erlitten.

Wie viele der insgesamt 16 Kleinkinder, die in der Gruppe betreut werden, von den Vorfällen betroffen waren, ist derzeit noch nicht bekannt. Nur eines ist auf den Fotos eindeutig erkennbar gewesen. Mit dessen Eltern wurde bereits gesprochen, auch der Elternrat der Kita und der Vorstand der Volkssolidarität sind informiert.

Laut Aussage des Landratsamts hat es so etwas im Altenburger Land noch nicht gegeben. Die Behörde hat deshalb nicht nur Unterstützung bei der Suche nach neuen Erziehern, sondern auch bei der psychologischen und sozialpädagogischen Betreuung der Eltern und Kita-Mitarbeiter zugesagt.

"Es herrscht überall höchste Betroffenheit. Das Weltbild von Eltern und Erziehern ist auf den Kopf gestellt. So etwas will erst einmal verarbeitet sein", weiß Marion Fischer, Leiterin des Fachdienstes Jugendarbeit und Kindertagesbetreuung im Landratsamt. Außerdem gelte es, im Interesse der Kinder möglichst schnell wieder zur normalen Arbeit zurückzufinden und verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. "Man kann die Einrichtung doch jetzt nicht total verteufeln", sagt Marion Fischer.

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