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Altenburg Zwei Stunden anstehen für einen Kontrolltermin beim Augenarzt
Region Altenburg Zwei Stunden anstehen für einen Kontrolltermin beim Augenarzt
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00:21 06.03.2018
Auch im Altenburger Land sind Facharzttermine sehr gefragt. Quelle: dpa
Altenburg

Von der dritten Etage bis ins Erdgeschoss stehen die Altenburger an diesem Donnerstagmorgen an, reihen sich geduldig die Treppenstufen hinunter. Sie alle wollen einen Termin beim Augenarzt, ein begehrtes Gut im Landkreis. Die Praxis in der Johann-Sebastian-Bach-Straße vergibt diese Termine zwei Mal pro Jahr, jeweils für die kommenden sechs Monate. Dann kommen die Menschen frühmorgens und warten. Manche haben Klappstühle dabei, viele kommen mit dem Partner oder Freunden.

Eine Frau trägt sogar einen kleinen, samtgrün gepolsterten Hocker mit sich. „Seit sechs Uhr bin ich schon da“, erzählt sie. Zwei Stunden und zehn Minuten später hat sie endlich ihren Vorsorgetermin. Die 68-Jährige hat Erfahrung: Seit fünf Jahren mache sie die Prozedur zwei Mal pro Jahr mit, erzählt sie. Die Altenburgerin nimmt es gelassen: „Da muss man sich fügen, es hilft ja nichts“, sagt sie.

In der Realität ist der Bedarf nicht gedeckt – auf dem Papier schon

Sieben Augenärzte sind im Landkreis Altenburger Land niedergelassen, sie betreiben insgesamt fünf Praxen. Das reiche nicht, sagt Veit Malolepsy, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen. Aber: „Derzeit gibt es im Altenburger Land keine einzige freie Facharztstelle. Wir dürften keine Stelle ausschreiben und niemanden einstellen.“ Denn bei ihrer Bedarfsplanung muss sich die KV an gesetzliche Vorgaben halten. Im Altenburger Land gibt es der Bedarfsplanung zufolge genug Fachärzte – allerdings nicht in der Realität.

„Vor allem bei den Augenärzten zeigt sich drastisch, dass der Bedarf eben nicht gedeckt ist“, sagt Malolepsy. Viele andere Fachärzte, wie zum Beispiel Hautärzte, könnten in Zusammenarbeit mit den Hausärzten Kapazitäten gewinnen. „Zum Augenarzt geht man aber nicht mit Überweisung, sondern direkt. Das ist eine Besonderheit“, erklärt der Sprecher. Die Terminbücher der Ärzte seien voll, vor allem auf Routineuntersuchungen müssten die Patienten oft sehr lange warten, so Malolepsy. Die KV würde das gerne ändern: „Wir beklagen das schon lange. Aber die Politik ändert nichts.“

„Eine Schande“, schimpft ein älterer Herr

Das zeigt sich auch in Altenburg. Wer am Donnerstag im dritten Stock seinen Termin bekommen hat und mit dem Fahrstuhl wieder im Erdgeschoss ankommt, macht Witze: „Na, wo stehen denn die letzten? Ach, das geht ja.“ Manchmal reihen sich die Wartenden bis auf den Platz vor der Poliklinik, erzählt einer. An diesem Donnerstag ist das anders, vielleicht auch wegen der eisigen Temperaturen.

Früh kommen zahlt sich aus. Zwei Altenburgerinnen können um acht Uhr die Tür der Praxis schon fast sehen. „Seit halb sieben stehen wir hier“, erzählt eine von beiden. „Es geht ja nicht anders“, sagt sie. Um zwanzig nach acht laufen die beiden vergnügt wieder hinunter. „Wir haben es geschafft“, sagt eine von ihnen und lacht. Doch nicht alle sehen das so gelassen. „Es ist eine Schande mit dieser Art der Terminvergabe“, schimpft ein älterer Herr. „Stunden standen wir jetzt hier“, meint eine Frau entnervt.

Für Patienten, die mit akuten Problemen keinen Termin bei einem Facharzt bekommen, gibt es die Termin-Servicestelle der KV. „Das Telefon ist für Menschen gedacht, die innerhalb der nächsten vier Wochen akut einen Termin brauchen“, erklärt Malolepsy. Dann muss der Patient auch zu der Praxis gehen, die ihm zugeteilt wird.

Ärzte in Thüringen arbeiten im Schnitt 50 Stunden pro Woche

Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU soll – sofern die Große Koalition zustande kommt – das Problem der langen Wartezeiten nicht mit mehr Ärzten, sondern mehr Arbeit angegangen werden. In einem Sofortprogramm sollen die Sprechzeiten für Kassenpatienten in den Arztpraxen erweitert werden.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Thüringen ein falscher Ansatz. „Die ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Thüringen behandeln schon heute 20 bis 30 Prozent mehr Kassenpatienten als der Bundesdurchschnitt“, heißt es in einer Stellungnahme. Insgesamt ergebe das eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von mehr als 50 Stunden. „Neue Anforderungen müssen adäquat finanziert werden“, so die Kassenärztliche Vereinigung.

Von Sophie Aschenbrenner

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