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Altenburg Zwei glanzvolle "Sünden" im 7. Philharmonischen Konzert
Region Altenburg Zwei glanzvolle "Sünden" im 7. Philharmonischen Konzert
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18:10 21.05.2012
Martin Fischer-Dieskau dirigiert Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es-Dur.
Altenburg

Von Manfred Hainich

Johannes Brahms "Schicksalslied" op. 54 mit einem vertonten Gedichttext von Friedrich Hölderlin und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es-Dur - "Die Romantische" - standen auf dem Programm. Damit wurden gleich zwei musikalische "Sünden" begangen.

Brahms und Bruckner in einem Konzert war bis weit in die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts so gut wie unmöglich. Und ist auch heute noch selten. So unterschiedlich diese beiden Komponisten und Zeitgenossen sind - hier der maßvolle, die klassische Form Beethovens kopierende Traditionalist und da der mit Wagner sympathisierende Komponist mit überbordenden, musikalisch ungeordneten Einfällen - so unterschiedlich waren auch die musikalischen Lager, die sich in Wien ab 1880 bildeten und lange Bestand hatten. Das ficht heute nicht mehr an, und das Publikum konnte mit Genuss die kurze Musik des einen wie den sinfonischen Koloss des anderen erleben.

Die zweite "Sünde" beging nach Ansicht mancher Kritiker Brahms selbst, da er musikalisch den Dichter Hölderlin verraten habe. Dessen Gedicht "Schicksalslied" beschreibt in drei Strophen den Gegensatz von Götterglück und Menschenleid und ist auf Kontrastwirkung angelegt. Diesen Kontrast gestaltet Brahms auch in dem Chorteil, indem er nach langsamer, sehnsuchtsvoller Orchestereinleitung den Chor vierstimmig den Himmel der Götter schildern lässt, um dann einstimmig in apokalyptischen Stakkatoklängen menschliches Leid zu beklagen. Hier endet Hölderlin, und so müsste auch Brahms enden. Er fügt jedoch die musikalische Einleitung als Abschluss an und gibt damit zu erkennen, der Mensch könnte erlöst werden. Dieses Ende ist bis heute umstritten.

Der vom Chordirektor Ueli Häsler bestens vorbereitete Opernchor und der Philharmonische Chor Gera glänzten durch klares Singen und durch Wohlklang im ersten Teil. Das Orchester unter Martin Fischer-Dieskau begleitete sicher und gab das Vor- und Nachspiel poetisch schön.

Bruckner wird immer zum Ereignis, wenn man ein gutes, großes Orchester hat und den passenden Dirigenten dazu. Wir hatten beide. Dirigent und Orchester schenkten dem Publikum eine grandiose 4. Bruckner-Sinfonie in der Originalfassung, die selten gespielt wird und im Klangbild erheblich vom Gewohnten abweicht.

Fischer-Dieskau begann langsam, holte nach und nach alle Instrumentengruppen ins Spiel, steigerte merklich, erhöhte seine Schlagkraft und damit die Kraft des Orchesters und führte es in jedem Satz zum Fortissimo. Er dirigierte frei, er hat die Themen und Motive, die Pausen und Tempi, also die gesamte Partitur im Kopf und legte sie sehr frei und subjektiv aus. So konnte er sich ganz auf das Orchester konzentrieren und es zur Hochform führen. Er vermied Ausschweifungen, romantische Schwärmerei oder Tragik fanden nicht statt. Wenn man sich auf all das einlässt - und wir tun das - dann erlebt man etwas Außerordentliches.

Die musikalische Palette des Orchesters ist reich an diesem Abend. Lyrische Passagen, wunderbar gespielt von den Streichern und Holzbläsern, werden abgelöst von majestätischen oder wilden Blechbläsermelodien. Das ganze Orchester spielt technisch auf einer vollkommenen Höhe. Und die Hörner erst! Es gibt wohl kein Werk, in dem sie fast anderthalb Stunden technisch so hoch gefordert sind, mit Dutzenden von Einsätzen wie hier. Und sie spielen fast alles lupenrein an diesem Abend.

Der besondere Beifall ihrer Orchesterkollegen am Ende ist mehr als nur kollegiale Hochachtung. Dirigent und Orchester halten Kraft und Spannung über 80 Minuten. Das Finale ist ein einziger Sturm, wild und großartig. Und der lange Beifall mehr als verdient.

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