Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zwei glanzvolle "Sünden" im 7. Philharmonischen Konzert

Zwei glanzvolle "Sünden" im 7. Philharmonischen Konzert

Das 7. Philharmonische Konzert des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera am Freitag, dem 18. Mai 2012, im Landestheater kann in die Musikgeschichte eingehen.

Voriger Artikel
Herber Rückschlag für Motor Altenburg
Nächster Artikel
Bürger im Altenburger Land produzieren wenig Hausmüll

Martin Fischer-Dieskau dirigiert Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es-Dur.

Altenburg. Von Manfred Hainich

Johannes Brahms "Schicksalslied" op. 54 mit einem vertonten Gedichttext von Friedrich Hölderlin und Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es-Dur - "Die Romantische" - standen auf dem Programm. Damit wurden gleich zwei musikalische "Sünden" begangen.

Brahms und Bruckner in einem Konzert war bis weit in die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts so gut wie unmöglich. Und ist auch heute noch selten. So unterschiedlich diese beiden Komponisten und Zeitgenossen sind - hier der maßvolle, die klassische Form Beethovens kopierende Traditionalist und da der mit Wagner sympathisierende Komponist mit überbordenden, musikalisch ungeordneten Einfällen - so unterschiedlich waren auch die musikalischen Lager, die sich in Wien ab 1880 bildeten und lange Bestand hatten. Das ficht heute nicht mehr an, und das Publikum konnte mit Genuss die kurze Musik des einen wie den sinfonischen Koloss des anderen erleben.

Die zweite "Sünde" beging nach Ansicht mancher Kritiker Brahms selbst, da er musikalisch den Dichter Hölderlin verraten habe. Dessen Gedicht "Schicksalslied" beschreibt in drei Strophen den Gegensatz von Götterglück und Menschenleid und ist auf Kontrastwirkung angelegt. Diesen Kontrast gestaltet Brahms auch in dem Chorteil, indem er nach langsamer, sehnsuchtsvoller Orchestereinleitung den Chor vierstimmig den Himmel der Götter schildern lässt, um dann einstimmig in apokalyptischen Stakkatoklängen menschliches Leid zu beklagen. Hier endet Hölderlin, und so müsste auch Brahms enden. Er fügt jedoch die musikalische Einleitung als Abschluss an und gibt damit zu erkennen, der Mensch könnte erlöst werden. Dieses Ende ist bis heute umstritten.

Der vom Chordirektor Ueli Häsler bestens vorbereitete Opernchor und der Philharmonische Chor Gera glänzten durch klares Singen und durch Wohlklang im ersten Teil. Das Orchester unter Martin Fischer-Dieskau begleitete sicher und gab das Vor- und Nachspiel poetisch schön.

Bruckner wird immer zum Ereignis, wenn man ein gutes, großes Orchester hat und den passenden Dirigenten dazu. Wir hatten beide. Dirigent und Orchester schenkten dem Publikum eine grandiose 4. Bruckner-Sinfonie in der Originalfassung, die selten gespielt wird und im Klangbild erheblich vom Gewohnten abweicht.

Fischer-Dieskau begann langsam, holte nach und nach alle Instrumentengruppen ins Spiel, steigerte merklich, erhöhte seine Schlagkraft und damit die Kraft des Orchesters und führte es in jedem Satz zum Fortissimo. Er dirigierte frei, er hat die Themen und Motive, die Pausen und Tempi, also die gesamte Partitur im Kopf und legte sie sehr frei und subjektiv aus. So konnte er sich ganz auf das Orchester konzentrieren und es zur Hochform führen. Er vermied Ausschweifungen, romantische Schwärmerei oder Tragik fanden nicht statt. Wenn man sich auf all das einlässt - und wir tun das - dann erlebt man etwas Außerordentliches.

Die musikalische Palette des Orchesters ist reich an diesem Abend. Lyrische Passagen, wunderbar gespielt von den Streichern und Holzbläsern, werden abgelöst von majestätischen oder wilden Blechbläsermelodien. Das ganze Orchester spielt technisch auf einer vollkommenen Höhe. Und die Hörner erst! Es gibt wohl kein Werk, in dem sie fast anderthalb Stunden technisch so hoch gefordert sind, mit Dutzenden von Einsätzen wie hier. Und sie spielen fast alles lupenrein an diesem Abend.

Der besondere Beifall ihrer Orchesterkollegen am Ende ist mehr als nur kollegiale Hochachtung. Dirigent und Orchester halten Kraft und Spannung über 80 Minuten. Das Finale ist ein einziger Sturm, wild und großartig. Und der lange Beifall mehr als verdient.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
Außenansicht der Agneskirche
Ein Spaziergang durch die Region Altenburg
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr