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110 Jahre alte Rühlmann-Orgel nach Sanierung wieder in Betrieb genommen

110 Jahre alte Rühlmann-Orgel nach Sanierung wieder in Betrieb genommen

Die Augen von Christian Schmidt glänzen, als er von der Orgel in der Presseler Kirche erzählt. Am Sonntag war der Organist in seinem Element. Denn sein größter Wunsch ging in Erfüllung.

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Organist Christian Schmidt und Pfarrer Andreas Ohle an der Rühlmann-Orgel in der Presseler Kirche. Das Instrument wurde für rund 36 000 Euro restauriert.

Quelle: Steffen Brost

Pressel. Nach mehrwöchiger Restaurationszeit wurde die 1910 erbaute Kirchenorgel im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes wieder offiziell in Betrieb genommen.

Die Orgel hat 110 Jahre auf dem Buckel und war in die Jahre gekommen. Obwohl sie noch original erhalten ist, war sie technisch in Mitleidenschaft gezogen. "Am Blasebalg waren erste Risse und die Orgelpfeifen mussten dringend gereinigt werden. Außerdem wurden alle 43 Frontpfeifen erneuert", erzählte Schmidt. Im Fachjargon heißen die Prospektpfeifen. Die ursprünglichen wurden im Ersten Weltkrieg 1917 ausgebaut und zu Kriegszwecken gebraucht. "Die waren aus Zinn und wurden eingeschmolzen. Daraus wurden dann Kanonenkugeln hergestellt. 1921 wurden die Pfeifen ersetzt. Die waren aber aus Zink", so der Organist weiter.

Seit seinem 13. Lebensjahr befasst sich der 30-Jährige mit Kirchenorgeln. Er brachte sich das Spielen selbst bei. Zusätzlich nahm er ein paar Unterrichtsstunden bei Bad Dübens Kantor Norbert Britze. "Der Klang einer Orgel hat mich sofort in den Bann gezogen. Es gibt da so viele Variationen. Einfach toll", schwärmt der junge Presseler.

Seit nunmehr zwölf Jahren kümmert sich Schmidt um die Orgel in seinem Heimatdorf. Er hat sich um die notwendige Sanierung bemüht, Gespräche geführt, sich um das benötigte Kleingeld gekümmert. 2008 nahm das Projekt dann konkrete Pläne an. Rund 8000 Euro an Spenden kamen am Ende zusammen. Gemeinsam mit den Eigenmitteln sowie Fördermittel der Landeskirche konnten die Arbeiten im Frühjahr beginnen.

Fünf Monate liegen nunmehr hinter Orgelbaumeister Benjamin Welde aus Zittau, in denen er das Instrument wieder flott machte. "Es war vieles zerschlissen, aber sie funktionierte für ihr hohes Alter noch ganz gut. Das ist wie bei einem alten Auto, das nach langer Zeit zum Tüv rollt. Die Orgel würde jetzt auch den Tüv-Stempel bekommen, wenn sie ein Auto wäre", sagte Schmidt.

Vom tollen Klang konnten sich auch die Besucher des Gottesdienstes überzeugen. Dabei gab es Dankensworte von Pfarrer Andreas Ohle an den Organisten. "Ohne sein Engagement wären wir noch lange nicht so weit. Ich freue mich, dass sich auch junge Menschen um solche Projekte bemühen. Die Wiedereinweihung unserer Orgel ist ein symbolisches Zeichen. Denn eine Orgel und die Kirchen gehören ins Dorf", sagte der Pfarrer.

Doch nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Im Kirchspiel Authausen gibt es noch Orgeln in Görschlitz, Kossa und Authausen, die dringend auf eine Sanierung warten. "Die funktionieren noch, müssen aber überholt werden. Pro Orgel rechnen wir mit rund 20 000 Euro Kosten. Die müssen wir jetzt beschaffen", blickte Schmidt in die Zukunft.

Wer die Orgel hören möchte, ist zu einem Konzert am Freitag um 19 Uhr mit anschließenden Grillabend nach Pressel eingeladen. Das Kirchspiel Authausen hält damit an der Tradition der Veranstaltungsreihe "Sommerkirche" fest. An diesem Abend begrüßen Pfarrer Andreas Ohle und Christian Schmidt den Kantor von Jüterbog, Peter Michael Seifried, der auch Organist am Dom zu Berlin ist. Die darauf folgende "Sommerkirche" ist am 20. Juli um 14 Uhr in Kossa geplant. Anschließend findet ein gemütliches Beisammensein mit Kinderspielen im Bürgerbegegnungscenter statt. Am 7. September wird dann im Rahmen der letzten Veranstaltung traditionell der Schulanfängergottesdienst um 14 Uhr in Authausen gefeiert. Anschließend bieten Kinderkirche und Pfadfinder ein buntes Programm für die jüngeren Gäste im Pfarrgarten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.07.2014
Von Steffen Brost

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