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Bad Düben 111 Jahre "Paul Streubel" - ein Bad Dübener Traditionsgeschäft
Region Bad Düben 111 Jahre "Paul Streubel" - ein Bad Dübener Traditionsgeschäft
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14:03 19.05.2015
Annett Mazanec zeigt historische Spielsachen aus früheren Jahren. Diese sind heute Raritäten und werden zu bestimmten Anlässen im Schaufenster ausgestellt. Quelle: Steffen Brost

"Wir haben uns überlegt, nichts Großes zu machen, sondern unsere Kundschaft für ihre Treue zu belohnen." So gab es anlässlich des Stadtfestes 20 Prozent Rabatt auf Spielwaren. "Das wurde dankend angenommen und gut genutzt", so Mazanec. Parallel stellte sie auch einen kleinen Fundus an historischen Materialien rund um das Geschäft in den Schaufenstern aus. So konnte man einen alten Rechenschieber, Schiefertafel, alte Locher sowie die bekannten Heiko-Füllfederhalter von anno dazumal bestaunen. Für die historischen Spielsachen im Schaufenster klopfte sogar ein Sammler an Mazanecs Tür. "Wir hatten Spielsachen aus verschiedenen Epochen aufgebaut, darunter eine Triola, eine magische Tafel, Liederbücher und eine Lkw-Autorennbahn aus DDR-Tagen, die damals stolze 162 Ostmark gekostet hat. Die wollte mir ein Sammler unbedingt abkaufen. Ich bin aber hart geblieben. Schließlich ist das auch ein Stück Ladengeschichte."

1903 eröffnete das Geschäft. Käthe und Paul Streubel hatten das kleine Haus in der Kirchstraße gekauft. Darin hatte ein gewisser Carl Renner seit 1880 Schreibutensilien verkauft. Vorher war ein Modegeschäft darin und davor wiederum eine Zinngießerei. Streubel war damals Buchbindermeister und bot neben Drucksachen auch Ansichtskarten, Spielsachen und vieles mehr an. 1929 kaufte der spätere Begründer des Dübener Museums Willy Winkler das Haus und baute die heutige Druckerei an. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren machte die Not erfinderisch. So wurden Schaukästen am Geschäft angebracht, in denen die Dübener für ein paar Pfennige Annoncen anheften konnte. Paul Streubel arbeitete bis zu seinem Tod in den 1950er-Jahren in seinem Geschäft. "Die 60er-Jahre waren eine schwierige Zeit. Man kam nur schwer an Ware heran. Später lief es besser. Neben Schreibmaterialien gab es auch viel Kunstgewerbe. Wachsblumen waren der Renner", erinnert sich die heutige Inhaberin.

1964 wurden der Laden und die Druckerei getrennt. Adeldheid Fritzsche, die Mutter von Annett Mazanec, übernahm das Schreibwarengeschäft und Willy Winkler die Druckerei. Fritzsche hatte zuvor bei ihrem Vater gelernt. Das Geschäft überstand die Wende ohne größere Blessuren und sah sich plötzlich einer riesigen Angebotspalette aus dem Westen gegenübergestellt. "Plötzlich gab es alles. An Ware zu kommen, war überhaupt kein Problem mehr. Also expandierten wir, eröffneten 1992 eine Filiale in der Baderstraße und drei Jahre später eine im Lidl-Markt in der Schmiedeberger Straße. Mittlerweile haben wir uns wieder gesundgeschrumpft und sind nur in der Kirchstraße vertreten. Die damalige Erweiterung war gut und richtig. Ebenso auch die Schließung", erzählt die Chefin.

Annett Mazanec leitet das Geschäft seit 1994 in der dritten Generation. Ob es eine vierte geben wird, weiß die 48-Jährige noch nicht. "Mein größerer Sohn käme da schon in Frage und würde das auch machen. Aber ich habe noch ein paar Jahre und so muss noch keine Entscheidung getroffen werden."

Von den Anfangsjahren ist außer dem Ladenzuschnitt nicht mehr viel zu sehen. Nur das große Holzregal, in dem das Spielzeug auf Käufer wartet, ist noch original. "Das hat Paul Streubel teilweise aus alten Zigarrenkisten zusammengebaut", weiß Mazanec. Auch heute gibt es Schreibwarenartikel sowie Spielzeug im Geschäft. Um mit der Zeit zu gehen, bietet die Inhaberin ihre Artikel mittlerweile auch in einem Internetshop an. Bei den Glückwunschkarten gibt es zudem eine Handelsvertretung, die von Ehemann Torsten geleitet wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2014
Von Steffen Brost

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