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Bad Düben 20 Jahre Verein Dübener Heide - Heimatpflege und der Status Naturpark
Region Bad Düben 20 Jahre Verein Dübener Heide - Heimatpflege und der Status Naturpark
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00:00 19.02.2010
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Bad Düben

Seither ist er gewachsen, ohne jemals seine Grundprinzipien über Bord zu werfen.

Zwei, die von Anfang an dabei waren, sind Herbert Meyer und Axel Mitzka. Meyer, als Ingenieur für Maschinenbau tätig, und der junge Mitzka, der gerade studierte, folgten einem Zeitungsaufruf der Forst zum ersten Grünen Tisch nach Bad Düben. Warum ausgerechnet hierher, weiß heute keiner mehr so recht. Doch 68 Heidefreunde, die wenigsten kannten sich untereinander, kamen im damaligen Volkshaus zusammen, um als Bürger gegen den Raubbau der DDR-Kohleindustrie vorzugehen. „Ich bin damals spontan hingefahren, weil ich mich für das Thema schon immer interessierte“, erzählte der 74-jährige Meyer, der in Schköna geboren wurde. Die Stimmung sei gereizt gewesen. „Das ging damals hoch her“, erinnerte sich der heutige Ehrenvorsitzende des Heidevereins. Denn mit am Tisch saßen Vertreter der Kohlekraftwerke und des Bitterfelder Chemiekombinats. Und die hatten freilich offiziell ihre Linie zu vertreten. Und die besagte: Der Tagebau Gröbern soll erweitert werden bis in das Naturschutzgebiet Jösigk, dann einen Schwenk nach Hohenlubast machen und weiter bis nach Radis. „Damit wären große Teile der Dübener Heide vernichtet worden“, sagte Meyer. Und so ging es am Grünen Tisch höchst kontrovers zu. Der heutige Vereinsvorsitzende Mitzka erinnerte sich, dass noch am selben Tag ein Zwölf-Punkte-Programm beschlossen wurde. Das Braunkohlekombinat sollte seine Pläne offenlegen, die Grenzen des Tagebaus Gröbern einhalten und das Naturschutzgebiet Jösigk nicht antasten. Des Weiteren ging es um die Offenlegung von Schadstoffbelastungen der Industriebetriebe des Chemiekombinats Bitterfeld und um einen Punkt, der bis heute prägend ist: „Gründung eines Heidevereins als öffentliches Gremium zur Interessenvertretung mit der Bezeichnung Verein Dübener Heide“, stand unter Punkt fünf. „Den haben wir dann noch am Abend symbolisch gegründet“, sagte Meyer. Offiziell dann am 30. März.

Dass die Bagger Monate später tatsächlich Halt machten, sei ein Verdienst der Grünen Tische und des späteren Heidevereins gewesen. „Aber nicht nur“, schränkte Meyer ein. „Das politische System war am Ende und die Wirtschaft ebenso. Wir als Verein haben einen Anteil daran, dass alles so ist wie es ist. Mehr aber nicht.“ Die damaligen Ziele der Heidefreunde haben derweil noch heute ihre Gültigkeit: Liebe zur Heimat wecken, die Heide als Lebens- und Erlebnisraum, Natur- und Bodendenkmäler erhalten, den Natur-, Landschaft- und Umweltschutz pflegen und einen ökonomisch und ökologisch ausgewogenen Fremdenverkehr fördern. Vieles ist seither umgesetzt worden. Eines der größten Verdienste des Heidevereins ist das Erreichen des Schutzstatus Naturpark für die Dübener Heide.

Kritisch sieht Meyer die Mitgliederentwicklung. Dem Heideverein fehlten junge Leute zwischen 20 und 40 Jahren. Große Hoffnung setzt er in Aktionen wie das Patenschulprojekt oder die Junior Ranger. „Das alles macht sich vielleicht nicht gleich spürbar bemerkbar. Aber in ein paar Jahren erinnern sich die dann erwachsenen Leute durchaus, wo ihre Wurzeln liegen.“ Das bevorstehende Jubiläum will der Heideverein im März begehen. Im Hotel Schützenhaus soll es eine Festveranstaltung geben, bei der auf das Vereinsleben und -wirken zurückgeblickt wird. Die Festrede hält Herbert Meyer. Und sicher wird er viel zu erzählen haben über die 20 Jahre, die er wie die anderen Mitglieder vielfältig gestaltete.

Die Ortsgruppen

Der Heideverein besteht aus neun Ortsgruppen. Das sind Bad Düben, Bad Schmiedeberg, Gräfenhainichen, Möhlau, Rösa, Prettin, Schlaitz, Schwemsal, Söllichau und Tornau. Diese gelten als Säulen des Vereins, setzen sich unter anderem für Heimat- und Brauchtumspflege ein, wandern gern und sind gesellig beisammen. Des Weiteren ist die Interessengemeinschaft Natur und Umwelt Bergwitz Mitglied im Verein. Zudem gibt es zahlreiche Einzelmitglieder und Kommunen, die eine Vereinsmitgliedschaft haben. Insgesamt ergeben alle zusammen 400 Mitglieder. Neue sind dabei jederzeit willkommen, denn dem Verein droht die Überalterung. Wer Interesse hat, kann sich für weitere Informationen an die Geschäftsstelle in Tornau wenden unter der Telefonnummer 034243/50881.

Der Naturpark

Seit dem Jahr 2002 ist die Dübener Heide in Sachsen und Sachsen-Anhalt Naturparkregion. Davon gibt es 101 in ganz Deutschland. Die Besonderheit hier: Der Naturpark Dübener Heide war lange Zeit einer der einzigen, der in Trägerschaft eines Bürgervereins ist. Leiter ist Thomas Klepel. Laut Definition sind Naturparks eine Schutzgebietskategorie nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Sie verbinden den Schutz und die Nutzung von Natur und Landschaft. Die Balance zwischen intakter Natur, wirtschaftlichem Wohlergehen (sanfter Tourismus) und guter Lebensqualität wird durch Naturparks angestrebt. Sie sind damit Vorbildlandschaften für die Entwicklung ländlicher Regionen insgesamt. So sind in der Dübener Heide in den vergangenen Jahren zahlreiche Netzwerke entstanden: „Heidemagneten“, „Bestes aus der Dübener Heide“, Naturheilanbieter und Arbeitsgruppe Tourismusmarketing, um nur einige zu nennen. Ebenso ist der Verein im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (Ile) in Sachsen und Leader in Sachsen-Anhalt aktiv und steuert über ein Management Projekte von Kommunen, Vereinen und Privatpersonen, die mit EU-Geldern finanziert werden. Naturpark Dübener Heide

Nico Fliegner

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