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Bad Düben 200 Polizisten üben nahe Bad Düben gefährliche Einsätze
Region Bad Düben 200 Polizisten üben nahe Bad Düben gefährliche Einsätze
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15:10 16.03.2018
Mehrere Einsatzhundertschaften der Bundes- und Landespolizei trainieren im Übungsgebiet Buche in Kossa Einsatzlagen bei Demonstrationen. Quelle: Steffen Brost
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Kossa

Flaschen fliegen, Rauch steigt auf und Wasserwerfer kommen zum Einsatz. Auf einem Übungsgelände in einem Waldstück nahe der Stadt Bad Düben haben rund 200 Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Polizeimeisteranwärter des Bundespolizei aus- und -fortbildungszentrum Eschwege, Außenstelle Bad Düben, trainiert.

„Das Übungsszenario soll eine Veranstaltungslage rechter und linker politischer Strömungen widerspiegeln“, sagt Michael Marx, Sprecher der Bundespolizeiabteilung Bad Düben. Das Szenario: Ein Aufzug der rechten Szene sei angemeldet und genehmigt worden. „Wie im richtigen Leben auch rufen Kräfte der linken Szene zu Gegenveranstaltungen und Protestaktionen auf. Offiziell ist keine Veranstaltung angemeldet. Es soll auf effiziente Stör- und Blockadeaktionen gesetzt werden. Ziel ist die Verhinderung des Aufzuges. Ein gewaltsames Vorgehen gegen Demonstranten sowie gegen Polizeibeamte wird nicht ausgeschlossen“, so Marx.

Geübt wird das Zusammenwirken einer Einsatzhundertschaft mit einer Wasserwerfer- und Sonderwageneinheit. Hintergrund waren neben Veranstaltungen der rechten und linken Szenen auch die Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg im vergangenen Jahr. Dort wurden mehrere Bad Dübener Beamte von den Demonstranten zum Teil schwer verletzt. Für die Auszubildenden des zweiten Dienstjahres bei der Bundespolizei geht es um die Anwendung der erlernten Fähigkeiten im Zusammenwirken mit Wasserwerfer und Sonderwagen.

Einsatzkräfte werden attackiert

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Polizisten trainieren Einsatzlagen bei Demonstrationen.

Szenerie der Übung eins fand bereits auf der Zufahrtsstraße zum Übungsgelände im Wald bei Kossa statt. Der Konvoi, bestehend aus Wasserwerfer, Sonderwagen und Einsatzkräften, musste stoppen, weil rund 40 vermummte linke Gestalten einen Straßensperre aufgebaut hatten. Trotz mehrfacher Aufforderung der Polizei, die Straße zu räumen, griffen die Vermummten die Beamten mit Flaschen und Böllern an. Der Wasserwerfer wurde eingesetzt und sorgte dafür, das die Meute zurückgedrängt wurde. Kurze Zeit später schob ein Sonderwagen mit Schiebeschild die Straßensperre beiseite.

Szenerie zwei fand auf einem erdachten Marktplatz statt. Kurz zuvor hatten sich linke Gruppierungen in einem linken Kulturzentrum zusammengefunden. Dort wollten sie den genehmigten Aufmarsch von Rechten verhindern und selbst eine Demonstration durchführen. Mit Plakaten und Transparenten liefen sie auf der Straße hin und her, um den rechten Aufzug zu unterbinden. Laute Musik dudelte aus einem Lautsprecherwagen.

Sabine Hoffmann von der taktischen Kommunikationseinheit der Bad Dübener Bundespolizeiabteilung durfter diesmal die Meute anheizen und die Beamtenkollegen provozieren. „Bullenschweine, Bullenschweine, geht nach Hause“, schreit die Polizistin ins Mikrofon. Die Einsatzkräfte formierten und brachten sich in Stellung. Immer wieder kamen Provokationen aus dem linken Demonstrationsfeld. Dann griffen die Kräfte zu und ziehen die Stimmungsmacherin am Mikrofon aus der Situation. Nur kurz beruhigte sich die Lage. Dann wurde alles noch gefährlicher. Polizeikräfte meldeten, das auf einem nahen Gebäude ein Mann mit einer Waffe steht, der Nazis erschießen will. Kurzerhand müssen Polizisten abgezogen werden und sich dieser neuen Situation annehmen. Später wurde der vermeintliche Schütze verhaftet.

Übung wichtig für täglichen Dienst

„Der Schutz von Demonstrationen ist ein wesentlicher Teil der Bad Dübener Bundespolizisten während der Ausbildung. Obwohl die Bundespolizei keine Polizei im Sinne des Versammlungsgesetzes ist, wird sie regelmäßig zur Unterstützung der Länder in diesem Aufgabenbereich eingesetzt“, erklärt Polizeisprecher Marx.

Die Übung in Kossa bildete den Abschluss verschiedener Fortbildungen der Bad Dübener Abteilung. So waren dieser Tage zwei Einsatzzüge ausder nordsächsischen Kleinstadt in Magdeburg bei den Kollegen der Bereitschaftspolizei Sachsen-Anhalt.

Übungsleiter Polizeihauptkommissar Jörg Nostitz schätzte die mehrtägige Übung als gelungen ein. „Es lief sehr gut und hat uns für weitere Ausbildungsmaßnahmen viele Fortschritte gebracht. Wichtig ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Kräfte im Ernstfall. Und das hat geklappt“, fasste Nostitz zusammen.

Von Steffen Brost

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