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51-Jährige Laußigerin absolviert Tischlerlehre beim Ehemann

Gesellin im Familienbetrieb 51-Jährige Laußigerin absolviert Tischlerlehre beim Ehemann

Silvana Schneider strahlt über das ganze Gesicht. Vor einigen Tagen erhielt die 51-Jährige den Gesellenbrief aus den Händen ihres Lehrmeisters und zugleich Ehemannes Siegmund. Jetzt darf sich die Laußigerin Tischlergesellin nennen. Dabei war die Ausbildung alles andere als einfach.

Tischlermeister und Ehemann Siegmund Schneider überreicht seinem Lehrling und Ehefrau Silvana den Gesellenbrief nach erfolgreicher Beendigung der Tischlerausbildung.
 

Quelle: Steffen Brost

Laußig.  Silvana Schneider strahlt über das ganze Gesicht. Vor einigen Tagen erhielt die 51-Jährige den Gesellenbrief aus den Händen ihres Lehrmeisters und zugleich Ehemannes Siegmund. Jetzt darf sich die Laußigerin Tischlergesellin nennen.

Sie ist die linke und rechte Hand im Familienunternehmen der Tischlerei- und Restaurationswerkstatt Schneider in Laußig. Seit Mai 2005 ist der Betrieb am Markt. Mit Ehemann Siegmund sowie Sohn Mario, der ebenfalls den Gesellenbrief in der Tasche hat, arbeiten drei Mann im Unternehmen. 2014 investierten die Schneiders in eine neue Werkstatt im Betriebsgelände der ehemaligen ACZ Laußig. Sie vergrößerten sich von 70 auf 3000 Quadratmeter. „Viele Jahre habe ich an der Seite meines Mannes mich hauptsächlich um den Bürokram und andere organisatorische Dinge in der Firma gekümmert. Doch ich wollte mehr. Mir hat das nicht mehr gereicht. Ich wollte das Handwerk auch beherrschen“, erzählt Silvana Schneider.

Die 51-Jährige stammt aus Torgau, war viele Jahre Leistungssportlerin im Rudern und lernte später Einzelhandelskauffrau. 1984 heiratete sie. Heute ist sie Mutter zweier Söhne. Sohn Mario arbeitet im Unternehmen und der andere Sohn ist in der Heizungsbranche tätig. Im Laufe der Jahre entwickelte sich bei Silvana Schneider der Wunsch nach einem Berufsabschluss als Tischlergesellin.

„Mich hat damals oft geärgert, dass ich bei Kundenfragen meist keine Antwort wusste und immer meinen Mann holen musste“, erinnert sich Schneider. 2011 fasst die damals 48-Jährige den Entschluss, eine Lehre zu beginnen. „Ich musste zweimal hinhören, als mir meine Frau das sagte. Ich wollte es ehrlich gesagt am Anfang nicht glauben, dass sie es durchzieht“, sagt Siegmund Schneider. Sie zog es durch. Drei Jahre lang.

An ihrem ersten Schultag im Berufsschulzentrum Schkeuditz erinnert sich die Laußigerin noch genau. „Ich stand auf dem Schulhof und merkte, wie mich andere Schüler ganz genau in Augenschein nahmen. Die waren viel jünger, hatten gerade den Schulabschluss in der Tasche. Sie dachten, ich sei eine Lehrerin. Aber ich wurde sehr herzlich und respektvoll aufgenommen. In meiner Klasse waren ja nur Jungen“, so Schneider weiter. Sie absolvierte die drei Jahre mit guten Leistungen. Ans Aufhören verschwendete sie während der Ausbildung keinen Gedanken, obwohl die Tischlerlehre als sehr schwere Ausbildung bekannt ist. „Man muss gut im Technischen sein, räumlich denken und rechnen können“, weiß die Laußigerin. Doch ihre Willenstärke, die sie einst als Sportlerin lernte, half ihr während der Zeit.

Als Lehrmeister fungierte ihr Ehemann. In der heimischen Werkstatt lernte sie das Praktische. „Ich hatte bereits einige Erfahrungen mit Auszubildenden. Bislang hatten wir vier Lehrlinge. Meine Frau war dann schon etwas Besonderes. Aber positiv besonders“, ergänzt der Chef des Hauses. Im Familienbetrieb entstand auch das Gesellenstück. Ein zweitüriger Schrank mit Schubkästen in Ahornfurnier. Das gefiel auch der Prüfungskommission. Den Abschluss machte sie mit einem Notendurchschnitt von 2,5.

Seit einigen Tagen darf sich Silvana Schneider nun Tischlergesellin bezeichnen. Doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. „Ich mache weiter. Will mich fortbilden. Und vielleicht hänge ich irgendwann auch noch die Meisterschule dran“, blickt sie in die Zukunft.

Von Steffen Brost

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